Nachgehakt: Honda Hornet (Archivversion) Umtausch-Aktion

Bremsbeläge und Reifen getauscht - dann könnte der Honda Hornet der große Coup gelingen. MOTORRAD hat verschiedene Möglichkeiten ausprobiert.

Die kompakte Hornisse hätte das Zeug zu mehr, da waren sich die MOTORRAD-Tester nach dem Vergleichstest (Heft 9/1998) einig. Denn ihre Anlagen sind gut: vollgetankt lediglich 197 Kilogramm und ein leistungsstarker, ausgereifter Vierzylinder-Motor.Kritikpunkt Nummer eins: die stumpfen Bremsen. Die 296er Doppelscheibenanlage nebst Zweikolbenbremszangen stammt aus der CBR 600 F-Baureihe, bei den Bremsbelägen setzen die Honda-Techniker aber auf eine andere Belagsmischung. Schließlich solle die Hornet kein supersportliches Modell sein, weshalb die Hornet-Bremsen bei geringer Handkraft nicht so bissig verzögern. Damit will Honda ein ungewolltes Blockieren des Vorderrads verhindern. Doch genau hier liegt das Problem, denn die Techniker waren wohl eine Spur zu vorsichtig (siehe auch Kasten Seite 46).Mit den Bremsbelägen der CBR 600 F, Modellreihe PC 31, läßt sich die Hornet mit deutlich weniger Handkraft verzögern, und die Stopper sind viel besser zu dosieren. Unterm Strich wären diese Beläge die bessere Alternative - laut Honda wird eine Homologation aber nicht in Betracht gezogen. Hornet-Fahrer werden in Sachen »Schöner Bremsen« trotzdem nicht im Regen stehen: Erfahrungsgemäß lassen die Anbieter von Zubehör-Bremsbelägen mit der Allgemeinen Betriebserlaubnis für diverse Tausch-Beläge nicht lange auf sich warten. Exemplarisch testete MOTORRAD die Sintermetall-Beläge des französischen Anbieters Carbone Lorraine, die im Vergleichstest der Zubehör-Bremsbeläge (Heft 10/1998) überzeugt hatten. Und tatsächlich, der A3 getaufte Standard-Belag für die CBR 600 F funktioniert auch in der Hornet bestens. Er liegt in etwa auf dem Niveau der Honda PC 31-Originalbeläge. Mit den teureren SBK-3-Beläge von Carbone Lorraine verzögert die Hornet sogar beinahe so vehement wie der Klassenprimus Yamaha FZS 600 Fazer. Na also, geht doch.Problem Nummer zwei: die relativ breite Serienbereifung der Honda Hornet. Vorn dreht sich ein kleines 16-Zoll-Vorderrad mit einem dicken 130/70-Reifen, um die hintere 17-Zoll-Felge spannt sich ein 180er Reifen mit 55er Querschnitt - Supersport-Format à la Honda Fireblade. Gut für die Optik, weniger fürs Fahrverhalten. MOTORRAD tauschte zunächst die Bridgestone BT 50-Erstbereifung gegen die ebenfalls homologierten Michelin TX11/TX23, die bereits bei der Präsentation der Hornisse einen guten Eindruck hinterlassen hatten. Dieser bestätigte sich bei den ausführlichen Tests. Mit den französischen Pneus fährt sich die CB 600 F deutlich angenehmer, läßt sie sich neutral in Kurven einlenken, verliert aber nichts von ihrer Handlichkeit. Mit dem leichten Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage kann man gut leben. Die eindeutig bessere Erstbereifung kommt von Michelin. Aber auch von Bridgestone gäbe es eine empfehlenswerte Bereifung: Der BT 56 hat sich bereits auf der Fireblade bewährt. Ausgerüstet mit dem speziell für den Supersportler entwickelten Hinterreifen BT 56 R/G, gewinnt die Hornet deutlich an Agilität, reagiert aber nervöser beim Einlenken in Kurven. Dafür liegt der Bridgestone in Sachen Hochgeschwindigkeitsstabilität leicht vor der Michelin-Paarung. Die frohe Botschaft: Honda zieht eine Freigabe des BT 56 in Betracht - allerdings frühestens Anfang nächsten Jahres.Beinahe schon überhandlich reagiert die Hornet, wenn man ihr die 17-Zoll-Felge der Honda VTR 1000 einbaut. Damit fährt sich die CB 600 F zwar minimal direkter und leichter als mit dem 16-Zöller, aber mit dem BT 56-Vorderreifen (Dimension 120/60) tendiert die Hornisse zum Lenkerschlagen und Stuckern in Kurven mit Flickstellen. Ganz abgesehen von den hohen Kosten für den Umbau auf 17 Zoll: 2100 Mark sind für ein VTR-Vorderrad inklusive Bremsscheiben fällig.mas

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