Ein Leben fürs Motorrad Nachruf: Detlev Louis

Am 13. Oktober 2012 ist Detlev Louis im Alter von 93 Jahren verstorben. Nahezu 75 Jahre seines Lebens widmete der Hamburger dem Motorrad und schuf damit Europas größtes Unternehmen für Motorradbekleidung und -zubehör. Der alte Lotse ist nun von Bord gegangen, aber Schiff und Mannschaft sind dauerhaft auf sicherem Kurs.

Foto: Bilski

Da sitzt er nun hoffentlich auf einer schönen Wolke, klönt mit unserem jüngst ebenfalls verschiedenen Verlagsgründer Paul Pietsch über Bugatti-Rennwagen und blickt auf ein tolles Lebenswerk hinunter: 1600 Mitarbeiter und 69 Shops in Deutschland und Österreich, weltweiter Versandhandel, ein kerngesundes Unternehmen - und vor allem: Millionen meist sehr zufriedener Kunden.

Einer davon drückte sich vor ziemlich genau 35 Jahren in der Hamburger Rentzelstraße die Nase am Schaufenster des Louis-Stammhauses platt. Malaguti Ronco, ein rattenscharfes Enduro-Mofa-, der Traum eines zweiradverrückten 15-Jährigen. Das dann mangels Masse auch ein Traum bleiben musste. Aber zum Jawa-Mofa aus dem Quelle-Katalog fand sich im Louis-Laden immerhin das erste von vielen Hundert Produkten, die im Laufe eines Motorradfahrerlebens noch bei Louis gekauft werden sollten: ein knall-roter Ledernierengurt mit herausnehmbarem Lammfellfutter. Das gute Stück habe ich vermutlich immer noch irgendwo herumliegen. Was ich mit Sicherheit auch noch mein Leben lang bewahren werde, sind die Erinnerungen an unzählige Besuche im Louis-Laden-. Erst in der Rentzelstraße, später in der Süderstraße. Und nie ging es ohne ein mehr oder weniger wichtiges Teil nach Hause.

„Ich fahr mal kurz zu Louis!“ - das war so selbstverständlich wie der Weg zum Bäcker oder zur Tankstelle. Detlev Louis war nicht irgendein Bekleidungs- und Zubehöranbieter, er war DER Anbieter.

Meine ersten vernünftigen Stiefel (Hausmarke DELO), ein echter Porsche-Helm zum Discountpreis (Römer CP1 von der Resterampe) und auch völlig überflüssige, schnellstmöglich wieder abgebaute Anbauteile (Blinkpieper) - alles von Louis. Meine Motorräder wurden größer, die Ansprüche an die Ausrüstung wuchsen – und Louis schaffte es irgendwie immer, mitzuwachsen. Natürlich ging ich später mal fremd - Lederjacke von Gericke, Öl von Polo -, aber am -Ende landete ich immer wieder beim Hamburger Original.

Dass es einen leibhaftigen Detlev Louis geben musste, war mir dabei durchaus bewusst. Schließlich lächelte einem von der dritten Seite des mittlerweile zur absoluten Pflichtlektüre gewordenen Kataloges ein netter älterer Herr gleichen Namens entgegen, doch eigentlich stand Detlev Louis zuerst einmal für ein Unternehmen, das mir das schönste Hobby der Welt mit einer Riesenauswahl, meist recht fairen Preisen und fast immer gutem Service noch etwas angenehmer machte.

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Foto: Archiv

Der echte Detlev Louis begegnete mir dann vor fünf Jahren zum ersten Mal. Anlässlich des 70-jährigen (!) Firmenjubiläums gab es nach langen Verhandlungen endlich einen Interview-Termin mit dem Senior in der Firmenzentrale in Hamburg-Allermöhe. Maximal anderthalb Stunden, nicht länger - der Mann war schließlich nicht mehr der Jüngste und auf Journalisten nicht unbedingt bestens zu sprechen - Stichwort „gebranntes Kind“. Das konnte zäh werden. Wurde es aber nicht, ganz im Gegenteil: Bereits beim Fotorundgang durch die riesige Versandzentrale zeigte sich der hanseatisch-zurückhaltend auftretende Herr als hellwacher, hochinteressierter und humorvoller Gesprächspartner. Kein alter Knaudel, der nur noch von alten Zeiten erzählen wollte, sondern ein echter Unternehmer im besten Sinne des Wortes. Ein Mann, der hier und heute noch viel zu unternehmen hatte. Und das auf eine sehr ruhige und dezente, dabei aber sehr bestimmte Art. Kein autoritärer Mann, ein Mann mit ganz natürlicher Autorität. Es war förmlich mit Händen zu greifen, mit welcher Hochachtung und mit welchem Respekt ihm seine Mitarbeiter begegneten. Der Patriarch genoss den Umgang mit seiner Firmen-Familie - und die freute sich ehrlich, dass der Senior mal wieder vorbeischaute.

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Foto: Archiv

Aus den anberaumten anderthalb Stunden wurden acht, den größten Teil davon verbrachten wir in seinem stilvollen, aber nirgends protzigen Stadthaus in Hamburg-Harvestehude. Auf ausdrücklichen Wunsch der Schreiberlinge kam Detlev Louis dann -natürlich doch noch ins Klönen über sein unglaublich spannendes Leben als guter Rennfahrer und noch viel besserer Unternehmer. Und mit jeder Anekdote wuchs beim Zuhörer die Erkenntnis, dass der liebe Gott endlich mal den Richtigen mit einem tollen Leben bedacht hatte. Dazu gehören auch Detlev Louis’ kongeniale Ehefrau Ute und natürlich seine Mitarbeiter unter Leitung der beiden Geschäftsführer Nico Frey und Joachim Grube-Nagel. Lieber Detlev Louis, mach dir da oben bitte keinen Kopf darüber, wie es hier unten weitergehen soll. Die Truppe wird das garantiert in deinem Sinne hinbekommen. Danke, dass du hier warst!

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