Neue Triumph Daytona und Speed Triple (Archivversion) Triumphzug

Nach der ersten Motorrad-Generation der wiederbelebten Marke Triumph ziehen die Engländer nun mit völlig neuen Modellen nach.

Bis Ende der 60er Jahre gehörte Triumph zu den bedeutensten Motorradherstellern der Welt. Nach dem Niedergang Anfang der 80er Jahre belebte der Unternehmer John Bloor 1990 die traditionsbeladene Marke wieder. Auf der grünen Wiese in Hinckley nahe Birmingham entstand ein völlig neues Werk zur Produktion von Motorrädern mit Reihendrei- und -vierzylindern von 750 bis 1200 cm³. Während der Dreizylindermotor und das Fahrwerk mit Zentralrohrrahmen technische Eigenständigkeit bewiesen, warfen Kritiker der Optik der verkleideten Modelle starke Nähe zu japanischen Motorrädern vor. Doch bereits die nächsten Modelle wie die Großenduro Tiger und die Klassiker Thunderbird und Adventurer räumten mit der firmeneigenen Identitätskrise auf.Nachdem John Bloor zum Produktionsstart oberste Priorität auf Qualität gelegt hatte und Triumph in relativ kurzer Zeit einen hohen internationalen Standard realisierte, ist der zweiten Generation sportlicher Motorräder neben der Qualität nun vor allem Eigenständigkeit ins Lastenheft geschrieben. So heben sich die Nachfolgerinnen der Daytona und der Speed Triple äußerlich von der japanischen Konkurrenz deutlich ab.Die Triebwerke der T 595 und T 509 genannten Daytona und Speed Triple mit 885 und 956 cm³ Hubraum sind in ihren konstruktiven Grundzügen den bisherigen Triples verwandt. Drei wassergekühlte Zylinder in Reihe, zwei obenliegende Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder und eine Ausgleichswelle gab es auch in den Vorgängermodellen. Damit sind die Gemeinsamkeiten aber auch schon aufgezählt. Sämtliche Bauteile wurden optimiert und helfen so, das Gewicht gegenüber den bekannten Dreizylindern um stolze zwölf Kilogramm zu senken. Die Schlankheitskur geht vor allem auf das Konto des kompakteren Motorgehäuses, einer leichteren Kurbel- und Ausgleichswelle, einer kompakteren Kupplung, beschichteter Zylinder-Laufbüchsen aus Aluminium und Kupplungs- und Ventildeckeln aus Magnesium. Die Gemischaufbereitung übernimmt nun zeitgemäß eine Einspritzanlage der französischen Firma Sagem. Sie soll nicht nur den Verbrauch, sondern auch die Schadstoffe im Abgas minimieren. Ein geregelter Katalysator hätte den neuen Triumph gut zu Gesicht gestanden, feiert seine Premiere aber erst in den nächsten Neuvorstellungen von Triumph. Das Fahrwerk konstruierten die Techniker in Hinckley ebenfalls komplett neu. Anstelle des Zentralrohrrahmens aus Stahl kommt nun ein Brückenrahmen aus Aluminium zum Einsatz. Auch der neue Rahmen unterscheidet sich formal stark von den Chassis der japanischen Superbikes, ist mit zehn Kilogramm aber wesentlich leichter als die alte Konstruktion. Ovale Aluminiumrohre verbinden die Gußstücke von Steuerkopf und Schwingenlagerung. Bei den Fahrwerkskomponenten greift Triumph dagegen auf Bewährtes zurück. Eine in allen Disziplinen verstellbare Showa-Gabel mit 45 Millimeter Standrohrdurchmesser führt das Vorderrad. Das Hinterrad nimmt eine Einarmschwinge auf, die optisch der der Ducati 916 sehr nahekommt. Das voll verstellbare Federbein ist selbstverständlich über Umlenkhebel mit der Schwinge verbunden. Die 3,5 und sechs Zoll breiten Räder im Dreispeichendesign liefert Brembo. Durch ein von Triumph gefordertes Wärmebehandlungsverfahren konnte das Gewicht gegenüber vergleichbaren Felgen reduziert werden. Die 120 und 190 Millimeter breiten Reifen folgen dem aktuellen Trend. Auch die Stylisten hatten alle Hände voll zu tun, selbst wenn sie zumindest bei der Verkleidungsfront im Scheinwerferbereich formale Anleihen bei der Ducati 916 machten. Vielleicht sogar bewußt, sieht John Bloor die direkte Konkurrenz zur Daytona doch in der Ducati 916 und Honda CBR 900 RR. Ansonsten zeigt Triumph jetzt aber ein eigenständiges Profil, ganz besonders bei der Speed Triple mit dem freistehenden Doppelscheinwerfer. Wer auf dieses zweifelsohne herausstechende, allerdings auch stark gewöhnungsbedürftige Merkmal lieber verzichtet, erhält im Triumph-Zubehörprogramm einen einzelnen Scheinwerfer. Die Eckdaten - beide Motorräder wiegen klar unter 220 Kilogramm und bieten Leistungen von 125 PS bei der Daytona und deren 108 bei der Speed Triple - machten die Tester neugierig. Und tatsächlich gab John Bloor MOTORRAD die Möglichkeit, die neuen Modelle nicht nur in Augenschein zu nehmen, sondern auf der Rennstrecke von Donington auch erste Fahreindrücke zu sammeln. Schon bei der Sitzprobe zeigt die Daytona die radikale Abkehr von ihren Vorgängermodellen. Die lang über den Tank gestreckte Sitzhaltung ist der kompakten Position eines modernen Sportmotorrads gewichen. Die in Höhe der oberen Gabelbrücken angeordneten Lenkerstummel und der kürzere Tank erlauben eine entspannte aber dennoch sportliche Haltung. Beim Druck auf den Anlasserknopf ertönt der unverkennbare kernig-sonore Dreizylinderton. Bereits nach wenigen Metern beweist die neue Daytona, daß sie mit der Schwerfälligkeit der alten Modelle gründlich aufgeräumt hat. Sie läßt sich viel leichter einlenken und umlegen, Schräglagenwechsel erfordern erheblich weniger Handkraft. Spontan spricht der Motor auf jede Bewegung des Gasdrehgriffs an und zieht gleichmäßig aus niedrigen Drehzahlen hoch. Ab 6000 Umdrehungen bis zum roten Bereich bei 10700 Umdrehungen schiebt der Dreier dann ungewohnt kräftig voran, hinterläßt einen bärenstarken Eindruck. Das Fahrwerk zeigt dabei keinerlei Schwächen. In schnellen Kurven zieht die mit Bridgestone BT 56 bereifte Daytona unbeirrbar ihre Bahn, und selbst Bodenwellen bringen sie nicht aus dem Konzept. Die im Anschluß gefahrene Speed Triple glänzt zwar ebenfalls durch gleichmäßige Leistungsentfaltung, wirkt gegenüber der Daytona im oberen Drehzahlbereich aber träger. Durch den breiten Lenker fühlt sie sich handlicher als die Daytona und läßt sich in Verbindung mit der entspannten Sitzposition locker um Biegungen jeglicher Art zirkeln, ohne dabei nervös zu wirken. Die Nissin-Bremsen mit stahlummantelten Bremsleitungen entsprechen gutem japanischem Standard und gefallen durch exakten Druckpunkt und gute Dosierbarkeit. Fazit der ersten Testrunden: Die neuen Triumph machen Lust auf mehr. Vor allem die Daytona vermittelte schon innerhalb weniger Runden den Eindruck, daß sie im Reigen ihrer Konkurrenz ein gewichtiges Wort mitreden kann, zumal sie mit einem Preis von etwa 24000 Mark eine interessante Alternative zur Honda CBR 900 RR und Ducati 916 ist. Ein erster Vergleichstest darf also mit Spannung erwartet werden.

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