Neues aus dem Dauertest-Fuhrpark (Archivversion) KugelStossen

Liegt es am Fahrer? Oder fühlt sich die BMW R 1200 GS in
Italien einfach nicht wohl? Nicht ganz ernst gemeinte Fragen, die sich aber aufdrängen. Denn nach dem Schaden am Hinterachs-Getriebe (siehe MOTORRAD 22/2004) in der Nähe von Rimini blieb die GS erneut unter Action-Team-Mitarbeiter Daniel Lengwenus liegen, diesmal in der Toskana. Der Fahrer bemerkte zunächst ein Ruckeln und Vibrationen, denen kurze Zeit später ziemlich üble Geräusche aus dem Getriebe folgten. Das erneute Ende einer Dienstfahrt mit der GS, die daraufhin wie gehabt per Transporter nach Deutschland verfrachtet werden musste.
Im Beisein von MOTORRAD zerlegte die BMW-Niederlassung Stuttgart die malade GS. Beim Öffnen des Getriebegehäuses purzelten gleich Kugeln eines Lagers heraus. Beim weiteren Zerlegen fand sich ein zerbröseltes Kugellager der Zwischenwelle. Der Außenring war zerbrochen, der Käfig völlig zermahlen, und der Innenring wies über die Hälfte des Umfangs grobe Pittingbildung auf. Die benachbarten Zahnräder des ersten Gangs waren durch den umherirrenden Schrott ebenfalls stark angegriffen. Was den Lagerdefekt auslöste, bleibt vorerst unklar.
BMW verwendet bei der GS Rillenkugellager von NSK aus polnischer Fertigung. Die Lager sind beidseitig mit Gummischeiben abgedichtet, weil die Wechselintervalle des Getriebeöls bei den neuen Boxern auf 50000 Kilometer verlängert wurden. Damit sollen Kugeln und Laufbahnen vor Metallpartikeln geschützt werden, die in jedem Getriebe durch Abrieb von den Zahnflanken entstehen. Dauerversuche in der Entwicklungsphase hatten gezeigt, dass die Haltbarkeit durch Abdichtung der empfindlichen Lager gesteigert werden konnten.
Seltsamerweise trat ganz in der Nähe ein zweiter Defekt an der Ausgangswelle auf, nämlich ein weggedrückter Seegerring. Denkbar wäre, dass verklemmte Lagerteile hohe Axialkräfte bewirkt und so den Seegerring weggesprengt haben. Welcher Schaden die eigentliche Ursache und welcher eine Folge war, wird derzeit bei BMW analysiert. Angeblich handelt es sich um einen Einzelfall. Allerdings wird es wohl nicht viele neue Boxer-Modelle geben, die bereits eine ähnliche Laufleistung (37900 Kilometer) aufweisen können.
Im Gegensatz dazu entpuppte sich der vermutete Lagerschaden bei der Yamaha XT 660 X bei 33400 Kilometer als weit weniger spektakulär. Ursache des lauten Polterns aus dem Kurbelgehäuse war eine trotz Sicherungsblech gelöste Mutter auf dem rechten Kurbelwellenstumpf, die das Antriebsrad des Primärtriebs hält. Die Folgen waren dank rechtzeitigen Eingreifens überschaubar, nur die ausgeschlagene Passfeder musste ersetzt werden. Nicht zu vergessen natürlich eine neue Mutter nebst frischem Sicherungsblech.
Bei der KTM 950 Adventure (49200 Kilometer) gab es
auf den letzten Kilometern der Dauertest-Distanz noch ein-
mal Anlass zu einer kleinen Reparatur: Die Kupplung versagte
urplötzlich, nachdem der Nehmerzylinder am Motorgehäuse praktisch über Nacht undicht wurde. Das leckende Teil, Hersteller Magura, wurde getauscht. gt

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