Neues von Honda, Buell, Harley-Davidson und Ducati Neuheiten 2008

Eine schwarze Lackierung soll Prototypen tarnen. Meist macht sie jedoch erst aufmerksam auf ein geheimnisvolles Objekt, zum Beispiel eine neue Honda. Vielleicht kommt der sensationelle, neue Buell-Supersportler 1125 R deshalb in Schwarz. Harley und Ducati setzen dagegen eher auf leuchtende Farben.

Foto: MOTORRAD
Seit der Präsentation der Hornet 600 war klar, dass sie kommen würde. Dennoch ist ihr Erscheinen so früh im Jahr eine Über­raschung: Die neue Honda CBF 600 wurde in Italien von einem Fotografen erwischt, und seine Bilder beweisen, dass die Verwandtschaft zwischen Hornet und CBF so eng bleibt wie zuvor. Analog zur 2007er-Hornet besitzt also auch die CBF des Jahrgangs 2008 einen Alu-Rahmen, der Vierzylindermotor beider Modelle basiert auf dem Triebwerk der CBR 600 RR, das durch einen anderen Zylinderkopf dem Einsatz in einem Naked Bike beziehungsweise Einsteigermotorrad angepasst wurde. In Sachen Bremsanlage herrscht nun sogar völlige Übereinstimmung, denn der Prototyp trägt die gleichen Dreikolben-Schwimmsättel wie die Hor­net, die ABS-Sensorkränze sind ebenfalls iden­tisch.
Im Unterschied zur Hornet erhält die CBF eine konventionelle Vier-in-zwei-in-eins-Auspuffanlage, der markante Vorschalldämpfer der Hornet entfällt. Das deutet auf eine andere Auslegung des CBF-Motors. Vermutlich wird er sich mit 78 PS bescheiden, stellt aber höchstwahrscheinlich mehr Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen zur Verfügung. Eine solche Charakteristik wäre ein echter Fortschritt gegenüber dem etwas schwachbrüstigen Antrieb der alten CBF. Was Aussehen und Anmutung betrifft, hat die Neue ebenfalls gewonnen, so viel lässt sich jetzt schon sagen. Während nämlich der reaktivierte CBR-Motor im alten Stahlrahmen hing wie in einem eilends zusammengeschweißten Montageständer, fügt sich der neue harmonisch ins Chassis ein und sieht einfach besser aus.
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Buell 1125 R: Betrachtet man nur das Äußere, fällt der Vergleich zwischen neuem und altem Motor bei Buell nicht so eindeutig aus. Der traditionelle V2 mit seinen Kühlrippen macht optisch eine Menge her. Technisch hingegen ist der jüngste, in Zusammenarbeit mit Rotax entwickelte Zweizylinder schon fast bis zur Unvergleichbarkeit enteilt. Trotz 78 cm³ weniger Hubraums bietet der wassergekühlte 72-Grad-V2 mit 146 PS die eineinhalbfache Leistung und dreht fast doppelt so hoch.

Zwar sind die Rezepte bekannt, die einem Motor zu solchen Leistungen verhelfen – große Bohrung, Vierventiltechnik, gerade Ansaugwege und so weiter. Trotzdem fasziniert es immer wieder, sie konsequent und unter Anwendung filigraner Gusstechnik verwirklicht zu sehen. Darüber hinaus zeichnet sich der Buell-Motor durch eine aufwendige Vibrationsdämpfung aus. Gleich drei Ausgleichswellen sorgen für die Laufruhe, die einem Zweizylinder dieser Konfiguration fünfstellige Drehzahlen erst ermöglicht. Zwei dieser drei Wellen sind von außen lokalisierbar; sie sitzen ober- und unterhalb der Kurbelwelle und treiben im Nebenjob die Wasserpumpe sowie eine Ölpumpe der Trockensumpfschmierung an. Möglicherweise rotiert die dritte in einem der Zylinderköpfe, wie beim 1000er-V2 von Aprilia, der ebenfalls von Rotax stammt. Mit ihm gemeinsam hat der Buell-Motor auch die pneumatische Anti-Hopping-Kupplung, die durch den beim Gaswegnehmen entstehenden Unterdruck im Ansaugtrakt aktiviert wird.

Die Unterdrückung von Vibrationen schuf außerdem die Voraussetzung dafür, dass der Motor starr im Buell-typischen Brückenrahmen verschraubt werden konnte. Mit diesem Verbund sei – so Buell – der torsionssteifste Rahmen in der Geschichte der Firma entstanden, kongenial ergänzt durch eine steifere Schwinge und eine 47er-Upside-down-Gabel. Was den erfah-renen Leser von Fahrwerksdaten mit Skepsis erfüllt, ist nicht die Bauart, sondern eher die Geometrie des Chassis: 69 Grad Lenkkopfwinkel, 83,3 Millimeter Nachlauf und 1384 Millimeter Radstand sprechen für eine bestürzend handliche Auslegung. Wie diese mit den zu erwartenden Fahrleistungen fertig wird, bleibt erst mal eine spannende Frage. Übrigens dient der Rahmen wie bei allen Buell-Modellen nebenher als Spritbehälter und fasst 21,2 Liter. Trotz dieses reichlich bemessenen Vorrats soll die 1125 R vollgetankt nur rund 200 Kilogramm wiegen.
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Die neuen Harleys: Die konstruktiven Diäten, welche zu solchen Gewichten führen, müssen nach den Maßstäben von Harley-Davidson halsbrecherisch anmuten. Das Management überlässt sie dem sportlich motivierten Erik Buell und seinen Mitstreitern, hat dessen Firma ja unter anderem gekauft, um die Modellpalette erweitern zu können, ohne die eigene Markenidentität umkrempeln zu müssen. Auch im 105ten Jahr des Bestehens pflegt Harley also traditionelle Tugenden. Dem klassischen Chopper-Look verpflichtet ist die neue Rocker mit schmalem, großem Vorder- und breitem Hinterrad, deren Achsen riesige 1,76 Meter Radstand umfassen. Wie bei allen Softail-Modellen sieht die Hinterhand aus, als gehöre sie zu einem Starrrahmen, stützt sich jedoch auf zwei unter dem Getriebe liegende Federbeine. Der knapp geschnittene Kotflügel ist an der Schwinge montiert. Den Antrieb übernimmt der vergangenes Jahr eingeführte 1584er-Motor mit Ausgleichswellen und Sechsganggetriebe. Wer es etwas verspielter mag, kann für 21395 statt für 18995 Euro die Rocker C ordern und erhält damit eine Lackierung im Flammen-Design, polierte Räder und einen ausklappbaren Soziussitz sowie ein Motor-finish in Schwarz und Chrom.

Neo-Retro nennt Harley den Stil, dem die XL 1200 Nightster folgt. Viel Mattschwarz mit Akzenten in Chrom und Orange charakterisieren diese Variante der 1200er-Sportster. In den USA wird sie schon angeboten, nach Europa kommt sie mit längeren Federbeinen, die für mehr Schräglagenfreiheit sorgen. Sehr attraktiv ist der Preis: 9995 Euro. Einen knappen Tausender mehr, nämlich 10990 Euro kostet die XR 1200, die hierzulande sehnsüchtig erwartet wird. Zwar spielen Modellname und Design mit uramerikanischen Dirt-Track-Traditionen, doch die Technik verspricht ein traditionelles Naked Bike, das sehr gut auf europäische Straßen passen dürfte. Im Frühjahr 2008 soll es bei den Händlern stehen.
Die neue Dyna Fat Bob trägt ihren Blickfang vor sich her: Zwei kleine Scheinwerfer in Chromtöpfen geben ihr ein unverwechselbares Gesicht. Die Seitenansicht wird geprägt von den für Fat Bobs stilbildenden 16-Zoll-Scheibenrädern. Auch sie wird vom 1584er-Big-Twin angetrieben und kostet 15765 Euro. Auf der amerikanischen Homepage von Harley tauchen neben diesen vier Modellen noch einige Geburtstags-Sondermodelle auf, zugleich wird angekündigt, dass die V-Rod-Modelle allesamt mit 1250er-Motoren ausgerüstet werden. Auf Kundenwunsch sollen sie ebenso wie die Touring-Modelle mit ABS erhältlich sein.

Neue Ducati Monster: Wie seit der ersten Zeichnung in MOTORRAD 13/2007 zu erfahren war, versuchen die Ducati-Designer einen schwierigen Spagat zwischen den vertrauten Proportionen der Monster und dem Streben nach einer entspannten Sitzposition, die einen kürzeren Tank erfordert. Die Lösung besteht darin, die Tankflanke im vorderen Bereich über das obere Rahmenrohr zu ziehen; das verlängert die Tanklinie optisch, rückt den Fahrer aber näher zum Lenker. Reichlich Erfahrung mit Underseat-Auspuffanlagen, vor allem mit ihrer enormen Hitzeabstrahlung bei langsamer Fahrt, führten zu den beiden seitlichen Schalldämpfern. Besonders in Verbindung mit den Einarmschwingen der teureren Monster-Modelle eine attraktive Lösung. Die Einarmschwinge selbst musste kostengünstiger werden als die komplizierten Schweißkonstruktionen bisheriger Monster. Sie werden mit ziemlicher Sicherheit als Gussteil ausgeführt.

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