Neuheit Ducati V4 1000

Die nächste Generation

Lange konnte Ducati mit Zweizylindern gegen die Vierzylinder-Armada der Konkurrenz bestehen. Nun steht ein konzeptioneller Schwenk an. MOTORRAD enthüllt die nächste Generation der Ducati Sportler, die Ducati V4 1000.

Schon vor einiger Zeit brodelte in der Gerüchteküche das Thema, Ducati baue einen V4. Denn es war schon länger klar, dass mit der 205 PS starken Panigale 1299 wohl das Ende des Höchstleistungs-Zweizylinders erreicht war. Nicht etwa, weil man keine stärkeren Zweizylinder bauen kann, sondern weil die Abgas-und Geräuschvorschriften den großen, starken Twins den Garaus machen werden. Schon mit der Euro 4-Homologation der Panigale quält sich Ducati bis heute, bringt mit der „Edizione Finale“ nun in Kürze doch noch eine letzte Serie auf den Markt. Was also tun, wenn 2020 mit Euro 5 die nächste, noch einmal deutlich strengere Stufe der Europa-Umweltvorschriften kommt?

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Supersport-Flaggschiff mit V4

Ganz klar, ein Vierzylinder muss her. Vorbei ist die Zeit des hochdrehenden, starken Desmo-V2, der die Marke seit Ende der 80er-Jahre zu unzähligen Rennerfolgen führt. Für die extreme Panigale 1299 mit ihren unglaublichen 116er-Kolben, den wahnsinnig großen Ventilen, den riesigen, ovalen Drosselklappen und den fantastischen 193 Kilogramm vollgetankt, schlägt bald die letzte Stunde. Doch jetzt kommt der V4. Mit Hochdruck arbeiten die Ducati-Entwickler an dem neuen Supersport-Flaggschiff der Bologneser Marke in deutscher Hand. Das zeigen unsere Bilder hier, die unserem Erlkönig-Fotografen gelangen. Denn die V4-Ducati fährt bereits! Und das nicht nur irgendwo auf einer kleinen Teststrecke, sondern auf dem Grand-Prix-Kurs von Mugello. Der V4 muss also seine Feuertaufe auf dem Prüfstand schon erledigt haben, sonst würden die Ducati-Testfahrer nicht schon volles Rohr über die Endloszielgerade von Mugello donnern.

Donnert sie überhaupt?

Über den Sound können wir leider nichts berichten. Aber immerhin schafft es Ducati, die Panigale-Auspuff-Anordnung auch beim V4-Supersportler zu realisieren. Ein mächtiger Unterflur-Auspufftopf hält die Ducati V4 1000 schlank. Tatsächlich scheint die V4-Ducati ähnlich aufgebaut zu sein wie die Panigale. Der Motor wird als voll tragendes Element in das Fahrwerk integriert, das ist deutlich zu sehen. Die Schwingenlagerung liegt im Motorblock, die Gabel wird aber nicht durch ein am vorderen Zylinderkopf angeschraubtes Monocoque getragen, sondern durch einen Rahmen, der um den vorderen Zylinderkopf herumführt und am hinteren verschraubt wird. So zeigen es die ersten Bilder zumindest. Klar ist, dass der V4 etwas breiter bauen wird als der V2. Das heißt: Um die Ansaug-Anlage mitsamt der vier Drosselklappen unterzubringen, braucht es vermutlich mehr Raum zwischen den Zylinderbänken. So darf man auf die endgültige Konstruktion gespannt sein.

Zylinderwinkel von 90 Grad scheint gesichert

Über den V4-Motor kann man ebenfalls trefflich spekulieren. Ein Zylinderwinkel von 90 Grad scheint gesichert. Was sonst würde für Ducati Sinn machen? Auch sieht die Maschine von der Seite betrachtet so aus. Wird der Vierzylinder noch mit desmodromisch gesteuerten Ventilen aufwarten? Alles andere wäre wohl fatal. Ist es doch gerade die Desmodromik, die den Grand-Prix-Rennern aus Bologna jenen Extraschub auf den Geraden bringt, den die Konkurrenz gerne hätte. Wie viel Leistung wird Ducati realisieren können? Klar ist, es kann nicht weniger werden. Wenn eine Panigale 1299 schon 205 PS im Fahrzeugschein stehen hat, dann müssen es bei einem V4 mindestens 210 Pferdchen sein. Machbar sollte das ohne Probleme sein, jedenfalls für die aktuelle Euro 4-Version. Den Grand-Prix-Rennern sagt man über 260 PS nach, da müssten gute 220 PS für ein Serienmotorrad durchaus drin sein. Man wird sehen.

Wann wird die V4 1000 auf den Markt kommen?

Viel interessanter wird das Thema Handling, Gewicht und Elektronik sein. Ob Ducati mit einem V4 die 200-Kilo-Schallmauer unterschreiten kann, wird sich zeigen. Möglich ist das natürlich, vor allem, wenn man die rahmenlose Fahrwerkskonstruktion berücksichtigt. Nach 15 Jahren V4-MotoGP-Erfahrung darf man den Bolognesern auch eine gewisse Erfahrung in der Abstimmung des Boliden zugestehen. Die ersten Testfahrten in Mugello absolvierte der Prototyp zumindest ziemlich flott. Wird der V4-Motor nur in einem Sportler auftauchen? Sicher nicht. Dafür ist die Entwicklung viel zu teuer. Ein Baukasten rund um den neuen Antrieb ist Pflicht. So kann man sich natürlich leicht ein Naked Bike mit dem Motor vorstellen oder auch eine Diavel-Version. Am Ende könnte sogar eine Multistrada mit V4-Antrieb Sinn machen, denn BMW hat mit dem supersportlichen Antrieb der S 1000 RR in der XR-Version durchaus Erfolg. Wann wird die Ducati V4 1000 auf den Markt kommen? Noch schweigt sich Ducati darüber aus. Gerüchte, Audi wolle Ducati wieder verkaufen, lassen die Italiener ohnehin schmallippig werden. MOTORRAD vermutet: Im Herbst dieses Jahres wird Ducati den neuen V4-Motor präsentieren, im Herbst 2018 dann die fertige Maschine. So bleibt für die Fans auch noch etwas Zeit zum Sparen. Denn – so viel ist klar – günstig wird die V4 nicht werden.

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