Neuheiten 2003: Buell und Harley-Davidson (Archivversion) The one and only

Das Publikum hatte einen Knaller von Harley erwartet und sah zunächst nichts weiter als eine knallgelbe Buell. Bis es Willie G. Davidsons .

Milwaukee, Wisconsin (16. Juli 2002). Tausende von Kilowatt fahren die Temperaturen im riesigen Midwest Express Center gen Gefrierpunkt. Draußen glühende Hitze, strahlend heller Tag. Downstairs schummriges Deckenlicht. Drunter, kaum zu erkennen, eine Hand voll neuer Harley-Modelle. »I hate these lights«, grummelt Willie G. Davidson, Vice President Styling der Motor Company. Wohl wissend, dass seine jüngsten Kreationen unter solch puffigem Gefunzel nicht zur Geltung kommen.Mehr Licht! Sagte schon Goethe. Der wurde 82, Harley-Davidson wird 100. Hat alle Welt eingeladen, um den Jubiläumsjahrgang 2003 zu präsentieren. Wahre Juwelen in Sterling Silver und Vivid Black. Und was macht die versammelte Journaille? Drängt um einen schreiend gelben Streetfighter namens Lightning XB9S. Ein verwegenes Stück Maschinenbau des Harley-Tochterunternehmens Buell. Schrill, schräg, hyper und selbst für die Kollegen vom Boulevard eindeutig als Neuheit erkennbar.Blitzgewitter über der Lightning: den hauteng anliegenden Doppelscheinwerfer abgelichtet, das ultrakurze Heck ins Bild gerückt, den hohen Lenker, die Fußrasten, das Cockpit. Der Rest an der Lightning ist Firebolt pur, sprich XB9R und extrem: 1320 Millimeter Radstand, 69 Grad Lenkkopfwinkel, 83 Millimeter Nachlauf – noch Fragen? Sprit im Rahmen, Öl in der Schwinge, abartiger Auspuff unterm Motor. Am Vorderrad eine innenumfassende Sechskolbenbremse, zum Hinterrad ein Zahnriemen mit Spannautomat und im Zentrum des Geschehens ein gewaltiges 984 Kubikzentimeter großes V2-Ereignis.92 zackig übersetzte Pferdestärken versprechen mitreißende Unterhaltung beim Straßenfegen. Vor allem im oberen Drehzahlbereich. Unter 4000 Touren kehrt der Harley-Stoßstangenmotor eher den Blues-Brother raus – wissen wir seit dem Top-Test der Firebolt in MOTORRAD 13/2002. Weitere Ableitungen? Führen womöglich in Teufels Küche. Erst mal ein paar Meter fahren.»It feels like a dirt-tracker built for the street”, prophezeit Erik Buell, Chairman und Technical Chief der Tüftler aus East Troy . Mit leuchtenden Augen liefert er eine filmreife Story über seinen ersten Turn auf der XB9R. Wisconsin musste danach neu eingenordet werden – hatte sich irgendwie verdreht. Oh ja, die Lightning beherrsche den dreifachen Rittberger, eingesprungen und notfalls rückwärts. Man müsse es erlebt haben. »Definitely!” Also dann: Her mit dem Ding!Nix da. Gefahren wird hier mit den neuen Harley-Modellen, und zwar nach Atlanta. Zur Eröffnung der Harley-Davidson Open Road Tour – der längsten, größten, garantiert teuersten Geburtstagsparty aller Zeiten. Mehr darüber in MOTORRAD 19/2002, mehr über die Buell spätestens im Februar, wenn die Lightning in Good old Germany aufschlägt.Damit zurück zu Willie G. und raus aus dem Midwest Center.Atlanta/Georgia – drei Tage, neun Burger und 17 Budweiser später: Wahrlich, der Meister hatte nicht übertrieben, als er von lebendigen, explosiven Farben sprach, von »diamonds and timeless beauty«. 1100 Meilen im Sattel einer Two Tone Fat Boy haben gerade so gereicht, die neuen Farben zu kapieren, den ellenlangen Text auf dem Tankzierstreifen zu entziffern und das Sammelsurium an Jubiläumsplaketten durchzuzählen. Sie prangen am Lenker, am Tank auf dem Sitz und allen Deckeln. Man achte allerdings peinlichst auf die Prägung am Kurbelgehäuse, denn nur diese gewährt absolute Sicherheit, dass es sich tatsächlich um ein original 100TH Anniversary Bike handelt.Neben der Fat Boy in Schwarz-Silber haben die pfiffigen Amis noch weitere 117 Jubiläums-Varianten in petto. Heißt: von der Sportster 883 in herkömmlichem Blau bis zur Screamin’ Eagle Road King in Centennial Gold ist jede 2003er-Harely ein Sammlerstück. Ganz schön schlau – was? Und Harley-Davidson wäre nicht eines der erfolgreichsten amerikanischen Unternehmen, hätte das Marketing-Team in Milwaukee nicht vorgesorgt. »Um der erwarteten Nachfrage gerecht zu werden, verlängerten wir den Produktionszeitraum für die Modellpalette auf 14 Monate.« So schreibt man Geschichte.

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