Neuheiten aus Europa und Japan Neues von Triumph, Kawasaki, Suzuki und Yamaha

Auf einem geheimen Prototypen der kommenden 1200er-Tiger war der Triumph-Testfahrer unterwegs, als ihn ein englischer Biker fotografisch einfing. Andere Neuheiten von Kawasaki, Suzuki und Yamaha debütierten dagegen ganz unspektakulär.

Foto: Tony P.
MOTORRAD 20/2010: Auf einem geheimen Prototypen der kommenden 1200er-Tiger war der Triumph-Testfahrer unterwegs, als ihn ein englischer Biker fotografisch einfing.
MOTORRAD 20/2010: Auf einem geheimen Prototypen der kommenden 1200er-Tiger war der Triumph-Testfahrer unterwegs, als ihn ein englischer Biker fotografisch einfing.

Triumph Tiger 800/1200

Dienstag, der 31. August 2010: In den englischen Midlands herrscht auf der Motorway 6 Richtung Süden lebhafter Verkehr. Auch Tony P. ist mit seinem Auto dort unterwegs, als ihn ein mächtiges dunkles Motorrad überholt. Tony P. ist Motorradfan, Leser der britischen Motorradzeitschrift „Motorcycle News“ und als solcher vertraut mit dem üblichen schwarzen Outfit von Prototypen. Auch die kleine Tasche auf dem Soziussitz, in der sich meist vielfältig verkabelte Datenlogger befinden, kann er als typisches Merkmal eines solchen Testmotorrads identifizieren.

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Zeichnung: Triumph
Triumph Tiger 800: Angesichts der sensationellen Prototypen-Fotos gerät es beinahe in Vergessenheit, dass die nebenstehenden CAD-Zeichnungen der Tiger 800 in staunenswerter Genauigkeit die Gestalt des späteren Motorrads offenbaren. Es steht nur noch der Griff zur Farbpalette aus.
Triumph Tiger 800: Angesichts der sensationellen Prototypen-Fotos gerät es beinahe in Vergessenheit, dass die nebenstehenden CAD-Zeichnungen der Tiger 800 in staunenswerter Genauigkeit die Gestalt des späteren Motorrads offenbaren. Es steht nur noch der Griff zur Farbpalette aus.

Den Stammsitz von Triumph in Hinckley weiß er nicht allzu weit entfernt in südöstlicher Richtung, und er kann bis drei zählen. Doch einen solchen Dreizylindermotor wie ihn die schwarze Reiseenduro mit dem großen Tank besitzt, hat er noch bei keiner Triumph zuvor gesehen.

 

Also zückt er seinen Blackberry, aktiviert gleichzeitig Video- und Fotofunktion und  beschleunigt von hinten kommend an der Maschine vorbei. Eine Nahaufnahme zeigt deren Frontpartie in ausreichender Schärfe und Klarheit. Tatsächlich hat der Motor mit dem aktuellen 1050er, bei dem Kurbelwelle und Getriebeeingangswelle auf einer Ebene hintereinander liegen, außer der Zylinderzahl nicht mehr viel gemein.

Er ist mit der hochgelegten Eingangswelle viel kürzer und kompakter aufgebaut, nimmt sich die Konfiguration des prächtigen 675er-Drillings zum Vorbild, geriet aber deutlich größer als das zierliche Mittelklasse-Triebwerk. Anders als beim 675er verläuft die Trennfuge zwischen Gehäuse und Ölwanne nicht nach vorn unten, sondern leicht aufwärts nach vorn, die Kupplungsbetätigung erfolgt nicht mechanisch, sondern hydraulisch. Kein Zweifel: Der Nachfolger für den lange Jahre schon gebauten Motor mit zunächst 885, dann 955 und zuletzt 1050 cm³, hier ist er. Das bestätigt sich mit dem Foto, das ein anderer britischer Motorradfahrer, Ian S., in Frankreich aufnimmt. Dieses Mal ist der Prototyp mit aufgeschnallter Reisetasche offenbar auf einem Fährterminal geparkt.

 

Während Triumph mit der Tiger 800 den Einstieg in das Segment ernsthaft geländegängiger Adventure Bikes noch in diesem Herbst vorbereitet und zu diesem Zweck als weiteres Appetithäppchen detaillierte Strichzeichnungen der Neuentwicklung herausgibt, bereiten die Entwickler bereits den nächsten Coup vor – eine 1200er-Tiger. Wahrscheinlich wird sie in einem Jahr offiziell präsentiert. Dazu passt, dass Triumph-Eigner John Bloor im Interview mit MOTORRAD das Segment der Enduros – in einer an der BMW R 1200 GS orientierten Form – auf dem Vormarsch sieht. Was dann mit der aktuellen Tiger passiert, die mehr in Richtung Funbike tendiert, welche anderen Triumph-Modelle den neuen Motor erhalten und wann, sind spannende Fragen.


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Foto: Kawasaki
Kawasaki ZX-10R: Schlank und scharf, mit neuem Rahmen und Motor sowie modernen Fahrhilfen kommt die ZX-10R.
Kawasaki ZX-10R: Schlank und scharf, mit neuem Rahmen und Motor sowie modernen Fahrhilfen kommt die ZX-10R.

Kawasaki Z 750 R und ZX-10R

Kawasaki diversifiziert die Z 750: Abgesehen von Yamaha und der in diesem Jahr präsentierten Super Ténéré überlassen die japanischen Hersteller dieses Segment weiterhin den Europäern. Zu gut weiß man, wie hoch die Trauben hier hängen. Und obgleich es nicht besonders heroisch ist, so ist es doch vernünftig, in Zeiten schwächelnden Motorradabsatzes nicht mit Riesenaufwand die eigenen Schwächen zu kurieren, sondern sich auf das zu besinnen, was man richtig gut kann. Im Falle Kawasakis zum Beispiel die Z 750. Für 8095 Euro bietet sie eine souveräne Charakteristik, ABS und ein ordentliches Fahrwerk.

Dem einen oder anderen war aber wohl die Ausstattung etwas zu sachlich, deshalb tut Kawasaki jetzt, was Triumph zuvor bereits mit der Street Triple gemacht hat: Man stellt der Basis-Z 750 eine edler ausgestattete R-Version zur Seite. Und damit gut informierte Zeitgenossen die eine von der anderen Z 750 leichter unterscheiden können, bekam die R gleich eine andere Lampenverkleidung mit kleiner Scheibe statt des etwas merkwürdig geformten Aufsatzes.

Die einfachen Schwimmsättel der Vorderbremse werden durch die radial verschraubten Vierkolben-Festsättel ersetzt, die auch in der Z 1000 zum Einsatz kommen. Die Gabel besitzt jetzt in jedem Holm einen Dämpfungseinsatz; sie ist in Federvorspannung, Druck- und Zugstufe einstellbar. Beim Standardmodell ist nur im rechten Gabelholm eine Dämpferkartusche installiert. Wie viel die Z 750 R teurer wird als ihre einfacher ausgestattete Schwester, steht noch nicht fest.

Trotz aller Freizügigkeit, mit der Kawasaki in den vergangenen Wochen Fotos der neuen ZX-10R im Superbike-Renntrimm gezeigt hat – am Donnerstag vor dem Superbike-WM-Lauf am Nürburgring wurde das Motorrad erstmals in voller Lackierung der Presse vorgestellt –, bleiben Details der neuen Supersportlerin wohl noch bis zum Beginn der Intermot Anfang Oktober ein Geheimnis. Kurzzeitig wurde auf einer internationalen Kawasaki-Website behauptet, die ZX-10R werde das stärkste Serienmotorrad der Welt; diese Behauptung wurde angesichts der gut 200 PS der BMW S 1000 RR nicht aufrecht erhalten. Die 2011er-ZX-10R sei die stärkste Ninja aller Zeiten, so lautet jetzt die offizielle Lesart.

 

Keinesfalls vergessen sollte man bei diesen Vorab-Plänkeleien, dass BMW für die S 1000 RR offiziell 193 PS angibt. Wahrscheinlich haben sich die Kawasaki-Entwickler an dieser Marke orientiert und eine Spitzenleistung von 195 PS angestrebt. Deutlich leichter als das aktuelle Motorrad wird die Neue auf jeden Fall, und von ABS sowie Traktionskontrolle ist schon längst nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand die Rede.

Zeichnung: Suzuki
Suzuki GSX-R 600/750 - Vier Hutzen verraten: Eine effiziente Führung der Ansaug- und Kühlluft wird bei Sportlern immer wichtiger.
Suzuki GSX-R 600/750 - Vier Hutzen verraten: Eine effiziente Führung der Ansaug- und Kühlluft wird bei Sportlern immer wichtiger.

Suzuki GSX-R 600/750

Suzuki ist buchstabentreu: Ob mit oder ohne zusätzliches X, neue Suzukis bilden ihren Namen in diesem Herbst auf jeden Fall mit G, S und R. Wie in der letzten MOTORRAD-Ausgabe bereits zu lesen war, ist Suzuki nach langem Zögern ebenfalls in Sachen Supersportler aktiv; anders als beim Mitbewerber Kawasaki sind in diesem Jahr die 600er und die 750er, also die Mittelklässler mit der Modellpflege dran. Nachdem durch ein Leck im hauseigenen Netzwerk bereits Strichzeichnungen der beiden neuen GSX-R an die Öffentlichkeit gelangt waren, hat MOTORRAD von Suzuki selbst eine kolorierte Zeichnung bekommen, die nach Auskunft von Paul Rowney, Geschäftsführer von Suzuki International Europe, dem endgültigen Design schon sehr nahe kommt. Zu technischen Details wollte Rowney nichts Konkretes sagen, betonte aber mehrfach, dass beide Motorräder energisch abgespeckt hätten und allein schon deshalb auf den Rennpisten wieder konkurrenzfähig seien. Auch seien die Motoren sorgfältig modifiziert worden.

Zeichnung: Suzuki
Suzuki GSR 750: Die seitlichen Kühlerverkleidungen sollen in echt etwas mehr verdecken als auf dieser Zeichnung.
Suzuki GSR 750: Die seitlichen Kühlerverkleidungen sollen in echt etwas mehr verdecken als auf dieser Zeichnung.

Was Rowney im weiteren Verlauf des Gesprächs bemüht war, nicht zu erzählen, ließ sich immerhin als Hinweis auf reduzierte Innenreibung der Vierzylinder interpretieren. Suzuki widmet diesem Thema schon längere Zeit erhöhte Aufmerksamkeit. Die Motoren des neuen Jahrgangs sollen ein besseres Tuning-Potenzial bieten, das heißt, sie sind mit geringerem Aufwand als zuvor auf ein höheres Leistungsniveau zu bringen. Bereits ein anderer, noch nicht einmal illegal lauter Auspuff genüge, der 600er zwischen drei und fünf PS mehr einzuhauchen, durch eine moderate Änderung der Steuerzeiten seien weitere fünf Mehr-PS zu erzielen.

Die sind für die dritte neue Suzi im Bunde gar nicht nötig, die uns ebenfalls durch eine Zeichnung aus dem Suzuki-Designstudio erstmals bekannt gemacht wird. Die GSR 750 – es gibt noch eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass es sich auch um eine GSR 800 handeln könnte – bedient sich zwar des GSX-R-750-Motors als Basistriebwerk, braucht aber dessen nominelle 150, tatsächlich jedoch meist um die 140 PS gar nicht. Rund 110 PS und ein satter Drehmomentüberhang im unteren und mittleren Drehzahlbereich sollten genügen, um mit der Kawasaki Z 750 und den jüngst auf den Markt gekommenen Yamaha FZ8 und Fazer8 gleichzuziehen. Und das schlanke, dezent kantige Design schafft auch optisch beste Voraussetzungen für eine lebhafte Konkurrenz in der Mittelklasse.

Foto: Yamaha
Yamaha betrachtet die FZ8, Fazer8 und die Super Ténéré als vorgezogene 2011er-Modelle und beschränkt sich auf Modellpflege.
Yamaha betrachtet die FZ8, Fazer8 und die Super Ténéré als vorgezogene 2011er-Modelle und beschränkt sich auf Modellpflege.

Yamaha FZ8, XV 1900, XT 660 Z, XT 1200 Z

Yamaha spielt mit Ausstattungen und Lackierungen: A propos FZ8 und Fazer8. Diese beiden neuen Mittelklasse-Bikes gelten bei Yamaha als vorgezogene 2011er-Modelle. Sie kamen deshalb so spät in diesem Jahr auf den deutschen Markt, weil die deutsche Niederlassung nur die ABS-Varianten importierte, die am Ende des ersten Produktionszyklus gebaut wurden. Es mutet daher etwas merkwürdig an, dass die beiden 800er für die Saison 2011 jetzt doch auch ohne ABS und zu einem niedrigeren Preis angeboten werden. Das Gleiche gilt für die so gut wie ausverkaufte FZ1 und FZ1 Fazer, die es als 2010er-Modelle nur mit ABS gab.

Die XVS 1300 A und die XV 1900, beide Midnight Star, bekamen eine Kombibremse, bei der durch den Druck auf das Bremspedal die Vorderbremse mit betätigt wird. Fotos der Motorräder, auf denen die Führung der Bremsleitungen teilweise zu erkennen ist, legen nahe, dass nur die rechte Bremszange vorn zusammen mit der Hinterradbremse aktiviert wird. Genauere Informationen dazu hat Yamaha noch nicht.

Im Endurobereich wird die XT 660 Z Ténéré jetzt mit einem auf Wunsch erhältlichen ABS angeboten. Die ABS-Version erhält auch eine Bank mit niedrigerer Sitzhöhe. Die Super Ténéré hingegen wird um die First Edition-Zusatzausstattungen abgerüstet. Koffer, Halter, Unterfahrschutz und Scheinwerfergitter müssen künftig extra bezahlt werden. Wie teuer, ist noch nicht bekannt. Auch die Preise der übrigen Modelle stehen noch nicht fest.

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