Neuheiten 2012: kleine Hubräume Neue 250er- und 350er-Motorräder

Wir werden jetzt nicht behaupten, dass in Deutschland bald massenweise 250er und 350er verkauft werden. Doch was in dieser Hubraumklasse derzeit angeboten und entwickelt wird, hat allemal etwas Aufmerksamkeit verdient.

Computerretusche: Guerin

Große Motorräder gelten etwas in Deutschland. Schon typische Einsteigermodelle wie die Kawasaki ER-6n oder die Suzuki Gladius haben um die 650 cm³ Hubraum; eine Ducati Monster 796 oder die Honda CBF 1000 F zählen nach Leistung und Preis zur Mittelklasse. Das Leistungslimit für den Stufenführerschein wird zum 19. Januar 2013 auf 48 PS angehoben; da erscheint es wenig wahrscheinlich, dass deutlich kleinere Motorräder sehr viele Fans und Käufer finden werden.

So dachte bis zum Sommer 2008 auch Kawasaki und importierte nur wenige Exemplare der hauptsächlich für die USA, Brasilien und Thailand überarbeiteten Ninja 250 R. Sie waren rasch ausverkauft. Seither setzt Kawasaki in Deutschland Jahr für Jahr einige Hundert 250er ab. Zum Saisonbeginn 2011 zog Honda nach und bringt ein Kontingent der in Thailand entwickelten und produzierten CBR 250 R nach Europa. Hyosung ist seit letztem Jahr mit der GT 250i präsent, die den Motor des schon länger angebotenen Cruiser-Modells GV 250i erhielt.

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Zeichnung: Motociclismo Brazil

 

Das motiviert auch europäische Hersteller. So machte KTM bei der Präsentation der 125 Duke kein Geheimnis daraus, dass bei der Entwicklung bereits Varianten mit 250 und 350 cm³ einbezogen wurden. Mittlerweile scheint sich die Waage zugunsten der 350er zu neigen. Wie die 125er soll sie beim KTM-Anteilseigner Bajaj in Indien produziert werden. Zum beiderseitigen Vorteil: Indien und andere Schwellenländer erhalten attraktive Aufsteigermotorräder, die ins dortige Preisgefüge passen, und Europa bekommt preis- und verbrauchsgünstige Alternativen zum kostenintensiven Big Bike, die mit weiter steigenden Spritpreisen selbst für die hubraumverwöhnten Europäer immer interessanter werden.

Triumph nutzte bislang nur eine Richtung dieses Geschäftsmodells. Die Engländer haben vor zehn Jahren eine Fabrik in Thailand gegründet, wo unter anderem die Klassik-Modelle gefertigt werden. Außerdem beziehen sie viele Komponenten aus Fernost.

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Foto: fact

Vor Kurzem haben sie aber damit begonnen, eine Einzylindermaschine mit 300 bis 350 cm³ Hubraum zu entwickeln, die nicht nur in Thailand produziert, sondern auch in signifikanten Stückzahlen dort sowie in Indien verkauft werden soll. Als Teilekit nach Brasilien importiert, soll sie in einem weiteren neu gegründeten Werk in Manaus montiert werden. Eine Strategie, die zur Umgehung der hohen brasilianischen Importzölle auch Honda mit der Hornet und BMW mit der G 650 GS anwenden. Für Europa wäre die kleine Triumph wiederum als sparsames, günstiges Alltagsmotorrad interessant.

Die Kollegen von der brasilianischen Zeitschrift "Motociclismo" steuerten zu dieser Nachricht gleich eine Zeichnung bei; MOTORRAD hat bei Jean-Marie Guerin eine Computerretusche auf Basis der aktuellen Street Triple in Auftrag gegeben. Wie die Duke 125 und die beiden japanischen 250er-Sportler entfaltet sein Entwurf dank einer schlanken Auspuffanlage den Charme eines leichten, luftigen Motorrads. Die wichtigsten leistungsbestimmenden Teile des Motors könnten aus der Tiger 800 übernommen werden, für den Rahmen kommt allerdings eher eine Stahlgitterrohr-Konstruktion nach Art der 125 Duke in Betracht als ein Alu-Chassis. Und weil die KTM mit einem Vierkolben-Festsattel als Vorderradbremse prunkt, spendiert Guerin auch dem Triumph-Single ein solches Edelteil. In Serie geht wohl eher ein günstigerer Doppelkolben-Schwimmsattel.

Egal wie: Der Fahrspaß wird nicht zu kurz kommen. Stellvertretend für alle kleineren Motorräder hat dies die Yamaha YZF-R125 mit gerade einmal 15 PS bewiesen, eines der beliebtesten Dauertestmotorräder der Redaktion MOTORRAD. Eine leichte 250er/350er mit um die 30 PS und auf ordentliche Reifen gestellt, hält erst recht genügend Fahrdynamik für amüsante Alltags- und Wochenendtouren bereit. Die Ninja 250 läuft knapp 160 Sachen auf der Autobahn, ist in 7,5 Sekunden von 0 auf 100 und verbraucht bei zügiger Landstraßenfahrt 3,2 Liter pro 100 Kilometer. Kein schlechtes Mobilitätskonzept.

Foto: Dunmur

250er-Motorräder auf dem Markt

Diese Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit in Sachen 250er, zum Beispiel fehlen die gemäßigten Geländegänger von Beta und die beiden hochtechnischen, aber auch teuren Yamaha WR 250 R und X. Als sportliche Straßenmotorräder bilden die Honda, die Hyosung und die Kawasaki derzeit eine Art Speerspitze der neu belebten kleinen Klasse. Mit attraktiver Technik und zu günstigen Preisen. Vielleicht lässt sich ja auch der Nachwuchs verlocken.

Foto: Hyosung

Hyosung GT 250i R: Sie ist der GT 650 R sehr ähnlich, leistet 27
PS und kostet 4195 Euro plus Nebenkosten. Als Naked-Version 400 Euro günstiger.

Foto: fact

Die Kawasaki Ninja 250 R ist das Pioniermodell: Nach langen Jahren ohne sportliche 250er brachte Kawasaki 2008 die Ninja. Kostenpunkt: 4995 Euro.

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