Neuheiten 2014 Erlkönige aus dem Hause BMW

+++ Neue BMW R 1200 RT und nackte S 1000 RR auf geheimer Testfahrt erwischt +++ technisch ein völlig neues Motorrad +++ optisch starke Anlehnung an die alte RT +++ deutlich höhere Leistung und besserer Fahrkomfort im Fokus der Entwickler +++ bald serienreif

Foto: SB-Medien

Logischerweise wird BMW seinen neuen Boxermotor Schritt für Schritt in alle möglichen Fahrwerke stecken. Denn schließlich erforderte die völlig neu konstruierte Antriebseinheit ein mächtiges finanzielles Investment. Und da der aktuelle BMW Motorrad-Chef Stephan Schaller zurzeit eh viel mit dem Rotstift in der Hand durch die diversen Projekte wirbelt, geht es mehr denn je um effiziente Entwicklungsschritte. Folgerichtig rollt BMW wieder das klassische Baukastensystem aus.

Von der GS und der in MOTORRAD 16/2013 veröffentlichten R 1200 GS Adventure sowie der neuen RT kam den Erlkönigjägern schon einiges mit dem neuen Boxermotor vor die Objektive. Die noch getarnte Version der wassergekühlten R 1200 RT, die hier auf geheimer Testfahrt erwischt wurde, scheint inzwischen nahezu serienreif zu sein. Auspuffanlage, Fahrwerksteile, Sitzbank und auch das Gepäcksystem sehen aus wie Serienteile. Prinzipiell hat BMW auch bei der RT versucht, sich an das Design des Vorgängermodells anzulehnen. Hier gibt es keine Revolution. Unter dem üppigen Kunststoffkleid jedoch schon.

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Die Änderungen

Der Kardanantrieb findet sich nun auf der linken Seite, der Auspufftopf dafür rechts. Senkrecht durchströmte Zylinderköpfe, die gut versteckten Kühler der Wasserkühlung – alles neu. Genauso wie die Nasskupplung und das in das Motorgehäuse integrierte Getriebe und der überarbeitete Telelever als Vorderradführung. Die neue Antriebseinheit erforderte selbstverständlich auch eine völlig neue Rahmenkonstruktion.

In Sachen Fahrdynamik sollte die neue RT eine ziemliche Wucht werden. Zum einen wird der neue Boxer mindestens 125 PS leisten, eher sogar in Richtung 130 PS tendieren, und damit in einer Liga mit den Konkurrenten Yamaha FJR 1300 oder Triumph Trophy spielen können. Zum anderen wird der neue, kurze Motorblock eine viel vorderradorientiertere Sitzposition zulassen und den Fahrer dadurch viel aktiver integrieren. Nun war auch schon die alte R 1200 RT alles andere als ein Langweiler in Sachen Kurvenschwingen. Die neue soll aber geradezu fantastisch leichtfüßig fahren. Selbstverständlich werden sich auch bei der RT jede Menge elektronischer Helferlein um eine sichere Tour kümmern und nicht zuletzt das aktive Fahrwerk mit ein neues Kapitel in Sachen Fahrkomfort aufschlagen.

Das patentierte Kurvenlicht der K 1600 GT wird ebenfalls zum Einsatz kommen – wie deren Instrumenten-Konsole. Und natürlich auch das tolle Bedienkonzept mit Rändelrad an der linken Lenkerarmatur. So gesehen wird die RT eine Mischung aus GS und K 1600. Wenn die neue RT das hält, was die in bisher allen Kriterien überzeugende R 1200 GS verspricht, gewürzt mit den hervorragenden Toureneigenschaften der üppigen sechszylindri­gen Schwester, wird der große Boxer-Tourer ein absolutes Klasse-Motorrad. Das wird die BMW-Kernklientel mächtig freuen.

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Foto: SB-Medien
Da fährt sie einmal vor der Leitplanke, und schon wird sie erwischt, die unverkleidete S 1000 RR. Bei genauer Betrachtung zeigt sie sich eher bikiniartig knapp verkleidet als ganz nackt.
Da fährt sie einmal vor der Leitplanke, und schon wird sie erwischt, die unverkleidete S 1000 RR. Bei genauer Betrachtung zeigt sie sich eher bikiniartig knapp verkleidet als ganz nackt.

Die neue nackte BMW S 1000 RR

Von ganz anderem Temperament wird die nackte BMW S 1000 RR sein. Ob die Münchner es wirklich wagen, die vollen 200 PS des Supersportlers in ein Naked Bike zu pflanzen, sei dahingestellt. Auch wenn es „nur“ 180 wären: Mit der aggressiv gestylten Kraftmaschine will sich BMW ganz vorne in der Reihe der leistungsstarken Nakeds aufstellen. Ein Markt, der zumindest bisher fest in europäischer Hand ist. Aprilia V4 Tuono, MV Agusta Brutale 1090, die noch in diesem Jahr erscheinende KTM 1290 Super Duke und nicht zuletzt die bisher nur als Prototyp gesichtete Ducati Monster-Vierventiler werden die Konkurrenten sein, mit denen sich die nackte Vierzylinder-BMW messen lassen muss. Harte Konkurrenz also.

Ob da nochmals so ein Durchmarsch, wie ihn die S 1000 RR bei den Supersportlern schaffte, machbar sein wird, ist zu bezweifeln. Immerhin: Die BMW wird mit ziemlicher Sicherheit die leichteste und stärkste Maschine in diesem neuen Segment. Vollgetankt werden es kaum über 190 Kilogramm sein, die der Fahrer zu beherrschen hat. Dafür wird er aber alle Hände voll zu tun bekommen, um das Vorderrad am Boden zu halten, denn beim Thema Beschleunigungs-Wheelie ist bei solch einem Boliden doch Vorsicht geboten. Hier wird BMW sicher ein fettes Elektronik-Paket für alle Eventualitäten bereitstellen.

Foto: Kraft
Ganz schön nahe dran war die Zeichnung, die Stefan Kraft nach den ersten Erlkönigfotos der knapp verkleideten S 1000 RS zu Papier brachte. Eine Vier-in-vier-Auspuffanlage, wie er sie sich wünschte, würde in der Serie aber zu teuer kommen. Vielleicht als Zubehör.
Ganz schön nahe dran war die Zeichnung, die Stefan Kraft nach den ersten Erlkönigfotos der knapp verkleideten S 1000 RS zu Papier brachte. Eine Vier-in-vier-Auspuffanlage, wie er sie sich wünschte, würde in der Serie aber zu teuer kommen. Vielleicht als Zubehör.

Die Lenkerverkleidung wurde kühn gestaltet: Zwei unterschiedliche Scheinwerfer zaubern der S 1000 ein Zwinkern ins Gesicht. Die ungewöhnlich nach oben abgesetzte Verkleidungsscheibe könnte eine Höhenverstellung für optimalen Windschutz verbergen. Seltsam breit fallen die Luftführungselemente um den Kühler aus. Ob das nottut? Aber Schönheit und Ästhetik müssen in dieser Klasse nicht unbedingt ganz oben auf der Prioritätenliste der Designer stehen. Eher schon martialischer Auftritt und deftiger Sound. Man darf auf die endgültige Version der S 1000 RR Naked gespannt sein. So wie sich der hier erwischte Prototyp präsentierte, dauert es auch noch minde­tens zwölf Monate, bis der VierzylinderReißer auf den Markt kommen wird.

Und wer weiß, vielleicht überlegt sich BMW-Chef Schaller auch das Ganze noch mal. Denn die neue KTM 1290 Super Duke wird noch dieses Jahr präsentiert, ebenso wie die neue Monster. Dann wird es die BMW schwerer haben und vielleicht nicht die Stückzah­len erreichen, die man sich erhofft. Wenn da mal nicht noch schnell der Rotstift zum Einsatz kommt …

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