Neuheiten: Aprilia, Ducati, MV Agusta, Suzuki, Yamaha Die Ruhe vor dem Sturm

Bis zum Ende der Ferienzeit herrscht Ruhe auf dem Neuheitenmarkt. Vereinzelte Informationen, ein wenig Flüstern hinter vorgehaltener Hand, keine offiziellen, aussagefähigen Fotos. Fantasie, Vorstellungskraft und mancher Wunschtraum ergänzen die Wissenslücken, bevor der Neuheitentrubel beginnt.

Retusche: MCN

Suzuki

Umrisszeichnungen verraten viel, aber nicht alles. Die Farbgebung und die Beschaffenheit von Oberflächen bleiben ein Rätsel, und auch die Plastizität der Darstellung ist reduziert. So sind die Umrisslinien der neuen Suzuki GSX-R 600/750, die ein findiger Journalistenkollege aus Großbritannien durch ein Leck im Suzuki-Netzwerk an die Öffentlichkeit brachte, zwar Suzuki-Originale, ihre kolorierte und plastische Ausarbeitung in einer Computerretusche wird jedoch im einen oder anderen Detail abweichen von der späteren Serie.
Anzeige
Zeichnung: MCN
Die Schwierigkeit bei der Pflege von Legenden ist die Verbindung von stetiger Weiterentwicklung und altbekannten Stilelementen. Diese Schwierigkeit hat Suzuki bei den neuen GSX-R gemeistert.
Die Schwierigkeit bei der Pflege von Legenden ist die Verbindung von stetiger Weiterentwicklung und altbekannten Stilelementen. Diese Schwierigkeit hat Suzuki bei den neuen GSX-R gemeistert.

Als sicher kann gelten, dass die technische Basis die gleiche bleibt wie bei den Vorgängermodellen. Die neu gestalteten Lufteinlässe an der Verkleidungsnase deuten jedoch darauf hin, dass die Ingenieure dort angesetzt haben, wo es vor allem der 600er nach drei Jahren ohne technische Änderungen zuletzt am meisten fehlte: an der Motorleistung, insbesondere im mittleren Drehzahlbereich.

 

Die lässt sich durch Optimieren des Ansaugtrakts, des Zylinderkopfs und der Auspuffanlage steigern. Gut möglich, dass auch der 750er im Zuge der Überarbeitung das eine oder andere PS mehr zuwächst. Ebenso wichtig wie Leistung und Drehmoment ist für die Fahrdynamik der hochgezüchteten 600er das Gewicht. In diesem Punkt hat Suzuki gegenüber der Konkurrenz, die mittlerweile sogar mit ABS (Honda) unter 200 Kilogramm mit vollem Tank wiegt, ebenfalls Nachholbedarf.

 

Neu ist das Design der Verkleidung; nach der 1000er haben damit alle GSX-R-Modelle die Abkehr von den X-förmig gestalteten Flanken vollzogen. Anders als die 1000er kehren die beiden kleineren GSX-R aber zu einem hochkant gestellten Scheinwerfer in der Art derer zurück, die vor 2008 verwendet wurden. Kurz zusammengefasst: Die GSX-R 600/750 ändern sich deutlich sichtbar, bleiben aber spontan als typische Suzukis erkennbar.

Anzeige
Computerretusche: Guerin
Aprilia Dorsoduro 1200: Sowohl der 750er als auch der 1200er-V2 von Aprilia kann eine ganze Modellreihe befeuern; den Vorrang vor allen anderen Varianten erhält die Dorsoduro. Das gibt einen spannenden Vergleich mit der KTM Superduke.
Aprilia Dorsoduro 1200: Sowohl der 750er als auch der 1200er-V2 von Aprilia kann eine ganze Modellreihe befeuern; den Vorrang vor allen anderen Varianten erhält die Dorsoduro. Das gibt einen spannenden Vergleich mit der KTM Superduke.

Aprilia

Auch das Aprilia-Netzwerk leckt: Was bei Suzuki eine Indiskretion war, ist bei Aprilia eine kleine Panne: Teile des Benutzerhandbuchs der Dorsoduro 1200, darunter auch ein pixeliges Foto der Maschine, tauchten vorzeitig auf einer Händlerseite auf. Merkwürdigerweise passieren solche Pannen Jahr für Jahr um dieselbe Zeit, etwa ab Mitte August, besonders häufig. Man kann sich des Verdachts nicht ganz erwehren, dass clevere PR-Manager die Hände im Spiel haben, denn stets ist der Informationsgehalt solcher Ausrutscher wohl dosiert: genug, um Neugier zu wecken, aber längst nicht ausreichend, um alle Fragen zu beantworten.

Wie auch immer, das Foto aus dem Handbuch zeigt weit reichende Ähnlichkeiten der 1200er-Dorsoduro mit der aktuellen 750er. Schwarze statt der in Alu-Natur gehaltenen Gussteile am Rahmen, ein anderes Federbein, Vollkreis-Bremsscheiben statt der Wave-Scheiben der 750er – da ist keine radikale Neugestaltung zu erwarten, sondern hauptsächlich eine Aufwertung der Ausstattung, die analog zum größeren Hubraum und der zu erwartenden höheren Motorleistung einen deutlich höheren Preis der großen Dorsoduro rechtfertigt. Seit der Präsentation der Studie FV2 im November 2007 ist der 1200-V2 in seinem Äußeren bekannt; sein Aufbau folgt dem des 750ers. Die Besonderheit der Aprilia-Konstruktion besteht darin, dass der Nockenwellenantrieb des hinteren Zylinders links, derjenige des vorderen Zylinders rechts angeordnet ist. Dies ermöglicht die Verwendung von gleichen Zylindern und Zylinderköpfen und macht den Motor schmaler, weil die Schächte der Nockenwellenketten sich gleichsam im Pleuelversatz der beiden Zylinder verstecken können.

In Sachen Leistungscharakteristik sind freilich deutliche Unterschiede zwischen dem 750er und dem 1200er zu erwarten. Hätte der große Motor die gleiche Literleistung wie der kleine, würde er satte 146 PS drücken. Anlässlich der Präsentation der FV2 gab Aprilia 135 PS an und es ist zu erwarten, dass der zierlichen Dorsoduro auch 125 PS wohl genügen werden, die sicherlich mit einem entsprechend ­üppigen Drehmoment im unteren und mittleren Bereich einher gehen.
Foto: MCN
Ducati Diavel: Lange vor der Präsentation des Motorrads haben die Spekulationen um den Namen der neuen Ducati ein Ende gefunden. Diavel steht im Bologneser Dialekt für Teufel und steigert damit den Grad der Boshaftigkeit gegenüber der ­Monster-Familie auf ein Niveau, das einem 150-PS-Motorrad zukommt.
Ducati Diavel: Lange vor der Präsentation des Motorrads haben die Spekulationen um den Namen der neuen Ducati ein Ende gefunden. Diavel steht im Bologneser Dialekt für Teufel und steigert damit den Grad der Boshaftigkeit gegenüber der ­Monster-Familie auf ein Niveau, das einem 150-PS-Motorrad zukommt.

Ducati

Ducati im heimatlichen Dialekt: Anfang November wird jenes neue Ducati-Modell präsentiert, das wegen gewisser Ähnlichkeiten zur Yamaha Vmax, Desmo-Max oder noch schlichter Ducati Vmax genannt wurde. Vor einem Jahr machte der Name Viper die Runde, zwischenzeitlich war auch von Super- oder Hypermonster die Rede. Durchaus begründete Vermutungen, die allerdings falsch waren. Das kam jetzt durch eine, wie könnte es anders sein, Indiskretion zutage. Die Mischung aus Monster, Vmax und einer gehörigen Portion amerikanischer Powercruiser, die Ducati momentan zur Serienreife entwickelt, soll „Diavel“ heißen. Das hört sich französisch an, steht im Bologneser Dialekt aber für „Teufel“. Zugleich bestätigte sich die Vermutung, dass die Diavel einen 1198er-Motor in der Spezifikation erhält, die in der Multistrada 1200 eingesetzt wird. Mit weniger Spitzenleistung, als sie die Supersportler bekommen, aber mit fülligerer Drehmomentkurve.
Computerretusche: Guerin
MV Agusta F3: Laut Aussage von MV-Chef Claudio ­Castiglioni soll das Standardmodell der F3 nur 9000 Euro kosten. Vermutlich wird diese Version sogar 750cm³ haben, während die für Supersportrennen zugelassene SP-Version mit 675 cm³ kommt.
MV Agusta F3: Laut Aussage von MV-Chef Claudio ­Castiglioni soll das Standardmodell der F3 nur 9000 Euro kosten. Vermutlich wird diese Version sogar 750cm³ haben, während die für Supersportrennen zugelassene SP-Version mit 675 cm³ kommt.

MV Agusta

Der Eigner wechselt, die F3 bleibt auf Kurs: Scheinbar ungestört durch den Ausstieg von Harley-Davidson bei MV und den Verkauf der Firma an den früheren Eigner Claudio Castiglioni wird die neue supersportliche F3 mit einem radikal ausgelegten Dreizylinder-Reihenmotor weiter entwickelt. Geplant ist, die F3 auf der EICMA in Mailand Anfang November vorzustellen, im Sommer 2011 soll sie in den Handel kommen. Zwar sind die Fotos eines Prototypen mit drei übereinander liegenden Auspuffmündungen längst bekannt (siehe auch MOTORRAD 16/2010), doch die Prototypen wurden bislang zu Tarnzwecken noch mit F4-Teilen verkleidet.

Deshalb hat Computerretuscheur Jean-Marie Guerin mit bekannten MV-Stilelementen eine komplette Ansicht der F3 gestaltet. Sein Ziel war es, die zierliche Gestalt des neuen Sportlers hervorzuheben, die sich in den Fotos der Prototypen abzeichnete. Zumindest umhüllte die F4-Verkleidung den kompak­ten Motor wie ein viel zu großer Anzug. Die in MOTORRAD 18/2010 angekündigte, einfach ausgestattete und kostengünstige Version der Brutale könnte dem Vernehmen nach den hübschen Namen „Brutalina“ erhalten.
Computerretusche: Bezzi
Yamaha FZX 1000: Eine FZX 1000, ja überhaupt eine Nachfolgerin der aktuellen Yamaha FZ1, ist pure Spekulation. Dennoch gibt es einiges, was dafür spricht, nicht zuletzt die zu einem solchen Motorrad passende Charakteristik und der Klang des R1-Motors mit 90 Grad Hubzapfenversatz.
Yamaha FZX 1000: Eine FZX 1000, ja überhaupt eine Nachfolgerin der aktuellen Yamaha FZ1, ist pure Spekulation. Dennoch gibt es einiges, was dafür spricht, nicht zuletzt die zu einem solchen Motorrad passende Charakteristik und der Klang des R1-Motors mit 90 Grad Hubzapfenversatz.

Yamaha

Schweigen und Indizien: Die Neuheiten-Informationspolitik von Yamaha besteht seit Jahren aus eisernem Schweigen. Schweigen über das, was es geben, aber auch das, was es nicht geben wird. So auch auf die Frage, ob die beiden Supersportler YZF-R1 und YZF-R6 überarbeitet werden. Dennoch weiß MOTORRAD: sie werden nicht. Freundliche Yamaha-Händler teilten nämlich mit, dass die Ersatzteilcodes der 2011er-Modelle dieselben sind wie die der 2010er; es bleibt also, abgesehen vielleicht von anderen Farben, alles beim Alten.

Möglicherweise ist dies bei der FZ1 und der FZ1 Fazer nicht so. Die Fazer des Jahrgangs 2010 war nämlich bereits Mitte August ausverkauft, von der unverkleideten FZ1 ist offenbar nur noch ein kleines Kontingent verfügbar. Nachschub ist erst im Dezember zu erwarten. Gut möglich, dass bis dahin eine Nachfolgerin auf den Markt kommt. Gerüchte, die von einer FZ1 mit einem drehmomentoptimierten R1-Motor wissen wollen, halten sich schon seit längerem. Der italienische Motorrad-Designer Oberdan Bezzi erinnerte sich aus diesem Anlass an die FZX 750 vom Ende der 1980er-Jahre und gestaltete mit deren Proportionen und moderner Technik eine zeitgemäße 1000er-Variante. Zwar fand die FZX 750 zu ihrer Zeit nur in Frankreich großen Anklang, doch das könnte sich mittlerweile geändert haben.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote