Szene Neuheiten 2013 Die Motorräder der Intermot 2012

Köln und seine Mundart waren vom 3. bis 7. Oktober das Herz der Szene. Auf der Intermot als "Messe im Viertel" zeigten sich die ersten Neuheiten 2013. PS ging auf die Pirsch.

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Nicht nur PS war in den Ausstellungshallen der Kölner Messe unterwegs. Insgesamt pressten sich an fünf Messetagen über 203000 interessierte Besucher durch die Hallen und Gänge. Sie sammelten tonnenweise Prospekte und Aufkleber ein, füllten abermillionen Terabyte Speicherplatz auf ihren Digitalkameras sowie Handys und zogen abends glücklich und zufrieden von dannen. Rückfragen bei den Ausstellern zeichnen ein insgesamt positives Bild von der größten Zweirad-Messe Europas. Es scheint, als würde die Lust auf Motorräder in Deutschland wieder wachsen. Und dies, obwohl die wirklichen Brüller am Markt dieses Jahr ausbleiben. Selbst der Bestseller BMW R 1200 GS, ab sofort mit wassergekühltem Boxer-Motor unterwegs, hält sich optisch dezent zurück. 

PS-Leser und die Fans heißer Brenner haben seit der Intermot Gewissheit und müssen jetzt tapfer sein. Denn was die Spatzen von den Dächern gepfiffen haben, ist leider harte Wirklichkeit geworden. Die Superbikes Ducati 1199 Panigale und die BMW-Geschwister S 1000 RR und HP4 werden in der kommenden Saison keine neuen Spielgefährten bekommen. Lediglich in der kleinen Klasse bis 600 Kubik tut sich etwas. 

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Kawasaki
Die Grünen bringen neben der überarbeiteten ZX-6R eine ZX-6R 636 mit aufgebohrtem, Landstraßen-orientierten Triebwerk zu den Händlern. Wie früher schon einmal, werden beide Modelle parallel verkauft. Technisch sind die Ninjas auf dem Stand der Superbikes angelangt. Traktionskontrolle, verschiedene Fahr-Modi und ein modernes, Rennstrecken-taugliches ABS sind mit an Bord. Die Aufrüstung hat aber leider ihren Preis - Kawa visiert 13195 Euro für die Sechser an. Deutlich günstiger ist die auf 800 Kubik gewachsene kleine Z. Für 9495 Euro soll das Mittelklasse-Naked über den Tresen wandern und dank straffer abgestimmtem Fahrwerk und „entfesseltem“ Motor der feurig-sportlichen Gangart zugetan sein. 

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Yamaha
Die Marke mit den gekreuzten Stimmgabeln gibt 2013 ein eher zurückhaltendes Bild ab. Neuer Lack, neues Dekor, ein wenig hier, ein wenig dort - Yamaha-Fans können sich an einer überarbeiteten FJR 1300 erfreuen, doch Sportfahrer warten vergeblich auf die neue YZF-R6 oder eine sportlichere FZ-1 mit R1-Triebwerk. Dafür macht der gezeigte Dreizylinder-Motor Hoffnung auf spannende, hoffentlich sportliche Modelle. Wenn Yamaha diesen 800 bis 900 Kubik großen Antrieb richtig umbaut, können damit Funbikes à la Triumph Speed Triple entstehen. 

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Nach einem kurzen Moment des Abwartens...
Nach einem kurzen Moment des Abwartens...

BMW
Die Münchner setzen erst mal den neuen, wassergekühlten Boxer-Motor in der großen GS ein. Mitte Februar wird die R 1200 GS präsentiert. Sonst hat die Marke für PS-Leser neben der bekannten HP4 2013 nichts im Programm. Weder ein 750er-Dreizylinder noch eine Nackt-Variante der S 1000 RR befinden sich im Landeanflug auf die Händler. 

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Triumph präsentiert auf der Intermot eine komplett neu überarbeitete Street Triple inklusive der höherwertigen R-Version mit einstellbarem Fahrwerk.
Triumph präsentiert auf der Intermot eine komplett neu überarbeitete Street Triple inklusive der höherwertigen R-Version mit einstellbarem Fahrwerk.

Triumph
Die Briten liefern zum Thema Sport und Nackt eine aufgefrischte Street Triple. Die geänderte Heckpartie und der neue Auspuff sind die markantesten Änderungen am quirligen Drilling. Wohin sich der Preis der Street Triple entwickelt, ist unklar.

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Honda
Die Japaner bringen endlich die bereits 2008 auf der Kölner Intermot gezeigte CB 1100 offiziell nach Europa. Applaus dafür! Außerdem wird Honda im nächsten Jahr mit Werksteam und einem neu entwickelten Rallye-Brenner auf Basis der CRF 450 bei der Rallye Dakar angreifen. Als sicher gilt, dass die neue CBR 600 RR im November auf der Eicma-Messe in Mailand gezeigt wird.

Foto: Hersteller

Suzuki
Durchhalten! Die Konzept- Studie einer großen V-Strom ist toll, die auffolierte Hayabusa auch. Eine neue GSX-R-Reihe wäre uns aber lieber. So bekommt die 1000er-Gixxer einen roten „Kuss-Mund“ aufgemalt. Grund dafür sind die Feierlichkeiten zur millionsten gebauten GSX-R. Ein wirklich tolles Jubiläum.

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Neben der Standardvariante, stellten die Österreicher die verschärfte R-Version vor. Im Vergleich zum Basismodell bietet die KTM 1190 Adventure R unter anderem mehr Bodenfreiheit sowie mehr Federweg.
Neben der Standardvariante, stellten die Österreicher die verschärfte R-Version vor. Im Vergleich zum Basismodell bietet die KTM 1190 Adventure R unter anderem mehr Bodenfreiheit sowie mehr Federweg.

KTM
Die Adventure 1190 attackiert mit 150 PS und 125 Nm und soll den Platzhirsch BMW R 1200 GS erlegen. 

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Technisch dagegen wurde die Ducati Multistrada 1200 S kräftig überarbeitet.
Technisch dagegen wurde die Ducati Multistrada 1200 S kräftig überarbeitet.

Italiener
Die Südländer hielten sich mit Neuheiten auf der Intermot zurück. Sie präsentieren die neuen Modelle auf ihrer „Haus-Messe“, der Eicma. Wir müssen also gespannt auf Mitte November warten, um den „Rest vom Fest“ des kommenden Jahrgangs genau unter die Lupe nehmen zu können

Foto: Archiv

PS-Meinungen

Uwe Seitz:
„Zwei Seelen schlagen, ach, in meiner Brust“, heißt es im Faust. So geht es mir mit der Intermot auch. Richtig gefreut hat mich der überwältigende Publikumszuspruch zur Messe, die interessanten Gespräche, die positiven Reaktionen auf die PS, wie auch die konstruktive Kritik der Leser auf unserem PS-Stand und die vielen neuen und intensiv gepflegten Kontakte zu Industrie und Szene. Selbstverständlich lassen auch die Neuheiten mein Herz höher schlagen. Sei es die Street Triple, die ZX-6R oder auch die GS. Aber genau da stellt sich die Gretchenfrage: „War es das schon?“ Auf den ersten Blick ist die Messe aus Sportler-Sicht eine Enttäuschung. Außer der neuen 6er von Kawa war nichts zu sehen - und die 636 ist entschieden zu teuer, um den 600ern wieder große Käuferschichten und Einsteiger zu bescheren. Aber hinter vorgehaltener Hand war von den Japanern schon zu hören, dass es Zeit wird, hier wieder zu investieren und zu entwickeln - und die meisten von ihnen haben es längst getan. Spätestens 2014 könnte dann das Jahr der Supersportler werden. Da kommt Freude auf.

Robert Glück:
Der große Heilsbringer für die kommende Saison blieb auf der Intermot wie erwartet aus. Die japanischen Hersteller haben große Mühe, die zur Krisenbewältigung durchgeführten Umstrukturierungen ans Laufen zu bringen - richtungsweisende Impulse kommen von ihnen momentan nicht. Stellt sich nur die Frage, ob es immer der große Knaller sein muss, um den Motorradfahrer zu begeistern. Nur als Beispiel: Honda und Suzuki haben vorzügliche V2-Motoren im Regal liegen. Warum nutzt man diese ehemaligen Sportler-Triebwerke nicht, um attraktive, günstige und fahraktive Naked Bikes auf die Räder zu stellen? Ducati kultiviert sein 1200er-Triebwerk in der neuen Multistrada mit Doppelzündung sowie Ride-by-Wire und sogar Royal Enfield bietet seinen Uralt-Oldie mittlerweile mit Einspritzung an. Technologien, die Honda und Suzuki im Regal liegen oder auf dem Rechner haben. Damit ließen sich die Twins aus VTR 1000 oder TL 1000 ganz einfach markt-fähig machen und klasse Bikes drum herum bauen. Aber ist wegen des mangelnden Mutes und der internen Schwierigkeiten der großen Vier die Branche tot? Hat die Intermot deshalb dieses Jahr die Strahlkraft eines Teelichts? Nein, auf keinen Fall. Denn im Kleinen geht es sehr lebendig zu. Vor allem die Retro-Welle mach Lust auf genussvolles Motorradfahren - und zwar nicht nur im Bummeltempo. Honda hat es nach vier Jahren endlich geschafft, die CB 1100 offiziell ins Programm zu heben, Triumph verkauft gute Stückzahlen seiner Retro-Bikes und Harley-Händler und die Customizer können sich nicht über die Auftragslage beschweren. Mir ganz persönlich gefällt, dass Honda nun wieder mit einem offiziellen Werksteam an der Dakar teilnimmt und so neuen Schwung in den Rally-Raid bringt. Bleibt nur zu hoffen, dass KTM, Honda oder das Husqvarna Speedbrain-Team endlich einmal bezahlbare Repliken dieser Boliden auf den Markt bringen. Mit haltbaren Motoren für den Kundensport und um die 20000 Euro - das wäre mein Traum!

Alexander Blome:
Überraschung! Kawasaki präsentierte auf der Intermot die Neuauflage der ZX-6R 636, ein Supersportler mit mehr Druck in der Mitte, Traktionskontrolle und ABS. Die interessierten Blicke und ausgiebigen Sitzproben der Besucher -lassen hoffen, dass die aufgebohrte 600er das eingeschlafene Supersportsegment wiederbelebt. Enttäuschung dagegen bei der japanischen Konkurrenz: Yamaha beschränkt die Weiterentwicklung seiner Sportmodelle R1 und R6 auf eine neue Lackierung. MotoGP-Star Jorge Lorenzo, der die neue Designlinie „Racing Blu“ persönlich vorstellte, wusste auch nicht so recht, was er dazu nun sagen sollte. Er sprach lieber von seiner Motivation, Rennen zu gewinnen. Bei Suzuki lenkte dagegen ein gut gelaunter Kevin Schwantz mit alten Geschichten davon ab, dass es 2013 im Sportbereich nichts Neues gibt. Umso schöner, dass sich an der Bekleidungsfront etwas tut. Beispielsweise gibt’s beim Hersteller Modeka frisch entwickelte Race-Klamotten, die hochwertig wirken und wenig kosten.

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