Neuheiten: Blick in die Zukunft Kleiner Twin ganz groß

15 – in Worten „fünfzehn“ – neue Modelle werde man auf den Herbstmessen präsentieren, lässt Yamaha verlauten. Darunter sind ziemlich sicher die neue YZF-R1 und der bezaubernde Café Racer auf XV 950-Basis. Und vielleicht auch eine Enduro mit dem tollen MT-07-Zweizylinder.

Foto (Zeichnung): Stefan Kraft

Wer glaubt, Yamahas neue Zwei- und Dreizylindermotoren seien einer zufälligen Laune japanischer Ingenieure entsprungen, ist komplett auf dem Holzweg. Die Sache liegt ganz anders. Bereits 2009, und damit auf dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise, sei eine „strategische Entscheidung“ für den Dreizylinder in der Hubraumklasse um 800 Kubikzentimeter gefallen, so Yamaha. Für den Reihenzweier im Hubraum-Segment darunter habe man sich sogar noch früher entschieden – aus drei Gründen: Zum Ersten, weil in dieser Hubraumklasse Drehmoment oberste Priorität habe und nicht etwa Leistung. Und eben dieses sei mit einem Twin leichter zu erreichen als mit einem Reihenvierer. Zweitens, weil der Twin in dieser kompakten und preisgünstig herzustellenden Konfiguration ein idealer Antrieb auch für den wachsenden Bedarf an Motorrädern über 300 Kubikzentimetern in den asiatischen Märkten und Schwellenländern sei. Und drittens, weil er wegen eben dieser Kompaktheit und dem daraus resultierenden niedrigen Gewicht auch ein perfekter Antrieb für eine Plattform-Baureihe sei. Mit seiner Bandbreite könne der Twin in ganz vielen unterschiedlichen Fahrzeugkonzepten zum Einsatz kommen.

Zum Beispiel in einer quirligen Reiseenduro. Auf diesen Gedanken muss kommen, wer jemals das Vergnügen hatte, den 75-PS-Twin mit 270 Grad Hubzapfenversatz und dem daraus resultierenden typischen V2-Charakter zu fahren: breites Drehzahlband zwischen 2000 und 10 000/min, lineare Leistungsentfaltung, ausgeprägtes Drehmomentplateau. Der MT-Zweizylinder deckt ganz unaufgeregt alle Situationen ab, die einem zwischen Bochum und Bolivien passieren können. Jedenfalls dann, wenn er in einem so vielseitigen Fahrzeugkonzept wie einer Reiseenduro steckt.

Anzeige

Alles an Bord, was bei Serien-Superbikes derzeit State of the Art ist

Sie muss leicht sein, quirlig und ganz sicher kein Koloss wie die vielen fetten 1200er. Ja, die neue 700er dürfte dank ihres ultrakompakten Motors sogar deutlich leichter ausfallen als die erfolgreiche BMW F 800 GS, die ja ebenfalls von einem Reihen-Zweizylinder mit ganz eigenwilligem Hubzapfenversatz angetrieben wird. Die GS wiegt nominell 214 Kilo. Legt man jetzt die offiziellen 179 Kilo einer MT-07 zugrunde, addiert zu den vorhandenen 14 Litern noch einmal sechs Liter Tankinhalt und zehn Kilogramm für die andere Fahrwerks- und Rahmendimensionierung sowie weiterer Anbauteile wie Kofferträger, erscheinen spürbar unter 200 Kilogramm möglich. Damit läge die – nennen wir sie XTZ 700 – rund 20 Kilo unter einer Suzuki V-Strom 650 und wäre sogar spürbar leichter als eine ähnlich starke, aber deutlich zierlichere Kawasaki ER-6n. Ein verlockender Gedanke, zumal Yamaha ja schon bei der Preispolitik der MT-07 und der MT-09 gezeigt hat, dass man nicht nur gut, sondern auch günstig kann.

Bei einer anderen jetzt bereits sicheren Yamaha-Neuheit dieses Herbsts spielt ein „Günstig“ hingegen nicht die entscheidende Rolle, ein „Gut“ aber umso mehr. Im Fall der neuen R1 bedeutet das: Es wird alles an Bord sein, was bei Serien-Superbikes derzeit State of the Art ist – Race-ABS, eine High-End-Traktionskontrolle und ein semiaktives Fahrwerk, wie es BMW mit der HP4 eingeführt hat. Und auch leistungsmäßig wird sich die neue R1 an der BMW messen lassen müssen, sie am besten sogar übertrumpfen. Eine Mammut-Aufgabe, zumal Yamaha selbstredend an dem Crossplane-Konzept des MotoGP-Bikes M1 festhalten wird, was zwar der Leistungsentfaltung, aber nicht unbedingt der Spitzenleistung zuträglich ist. Aber wie auch immer: Yamaha nimmt das Supersportsegment nach wie vor ernst und sieht die neue R1 als wichtigen Imageträger für die Marke.

Eine weitere Neuheit dieses Herbsts hat hingegen eindeutig das Zeug zum Sympathieträger. „Bolt Café“ war der Name einer bereits auf der Tokyo Motor Show vorgestellten Studie, die in erster Linie auf den US-Markt zielt, aber bestens in den Café Racer-Trend in Europa passt und daher wohl im Herbst auch hier präsentiert wird. Basis ist wie bei so vielen „Yard Built-Projekten“ die im letzten Jahr vorgestellte XV 950. Mithilfe von Speichenrädern, einem neuen Rahmenheck und Stummellenker wird aus der XV ein bildhübscher Café Racer, auf dessen Stapellauf als Serienbike man sich jetzt schon freuen darf.

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel