Neuheiten BMW, Ducati, Honda, KTM (Archivversion) Die Kunst des Weglassens

Ob als Studie oder in der Serie: Puristische, unverkleidete Motorräder sind sowohl bei BMW als auch bei Ducati, Honda und KTM schwer angesagt.

Bezaubernd schlicht und einfach – so präsentiert sich eine der größten Überraschungen dieses Neuheiten-Herbstes, die BMW-Studie Lo Rider. Auf der Basis der HP2 Megamoto schufen die BMW-Designer ein Motorrad, das moderne Linien mit Stilelementen aus den 20er und 30er Jahren zu einem ebenso stimmigen wie atemberaubenden Ganzen verbindet. Ob Jens vom Brauck, der aus einer Ducati Monster und MZ 1000 ähnliche Motorräder geschaffen hat, an der Lo Rider mitwirkte, gibt BMW nicht preis. Als Vordenker darf er sicherlich gelten.

Was den Lo Rider über vom Braucks Schöpfungen hinaushebt, ist seine Wandlungsfähigkeit. Auspuffanlage und Scheinwerfer wollen die Designer in je zwei verschiedenen Ausführungen gestalten; mit ergänzenden Accessoires wie Alu-Blenden für den Tank oder einem Sitzbankhöcker aus Alu-Blech sowie verschiedenen Farbvarianten für Motor und Tank ergibt sich eine Vielzahl von Kombinationsmöglichkeiten, aus denen jeder eine Maschine nach seinem Geschmack zusammenstellen kann.

In der Presse-Information zum Lo Rider steht kein Wort darüber, ob er in Serie geht. Es fällt nur auf, dass der erläuternde Text keine Konjunktive erhält, die Studie also BMW-intern dem Stadium der bloßen Möglichkeit längst entwachsen ist. Technisch wäre die Realisierung kein Problem, es bleibt also zu hoffen, dass die Publikumsreaktionen auf und nach der Messe die entscheidende Ermunterung schaffen.


Unterdessen diffundieren weitere Impressionen von der S 1000 RR in die Öffentlichkeit. Auf der Rennstrecke im spanischen Albacete wurden nicht nur Superbikes getestet, sondern auch Serienprototypen mit Blinkern, Spiegeln und allem Drum und Dran. Eine der Maschinen war mit einer verstärkten Schwinge ausgestattet, eine andere wurde in der Boxengasse von oben fotografiert und gewährt so erste Blicke ins Cockpit und auf das Arrangement von Tank und Sitzbank. Unter einer Tarnbemalung zeichnen sich asymmetrisch geformte Scheinwerfer ab. Entgegen früherer Vermutungen bestätigte ein BMW-Sprecher, dass auch das asymmetrische Design der Verkleidungsseiten mit den Kiemen auf der rechten Seite und der einzelnen großen Hutze links beibehalten wird.


Nach langer Wartezeit stellt BMW nun auch die F 800 R vor, einen Roadster auf Basis der F 800 S. Überraschenderweise erhielt die R doch den Rahmen der S und deren Motor mit um 30 Grad geneigter Zylinderbank, übernimmt aber nicht deren Einarmschwinge und Zahnriemen-Sekundärtrieb. Stattdessen wird das Hinterrad der R von einer ganz neu konstruierten Zweiarmschwinge geführt und über Kette angetrieben. Wie es für ein unverkleidetes Motorrad passt, das ja meist nicht mit hohem Dauertempo auf der Autobahn gefahren wird, haben die Ingenieure die Übersetzungen der Gänge vier bis sechs kürzer ausgelegt als bei der S-Version.

Aus Anlass der R wurde die Peripherie des 798er-Gleichläufers modifiziert. Eine neue Drosselklappenmechanik soll die Gasannahme verbessern, und der Kritik am klobigen Schalldämpfer der S trägt BMW mit einer neuen Auspuffanlage Rechnung. Detailpflege wurde auch dem optionalen ABS zuteil; ein neuer Drucksensor soll das Regelverhalten verfeinern. Im Cockpit fallen neu gestaltete Instrumente und dieselben Schaltereinheiten auf, die bei den K-1300-Modellen zum Einsatz kommen.

Außer in Deutschland darf sich der hübsche, leichtfüßig wirkende Roadster auch in Italien große Erfolge ausrechnen. Eine seiner Konkurrentinnen, die Honda Hornet 600, zählt dort seit Jahren zu den meistverkauften Motorrädern. Deshalb wurde das 2009er-Modell zart modifiziert und feierte sein Debüt in Mailand. Rahmen, Gabel und Schwinge sind jetzt in Anthrazit gehalten, die Federelemente einstellbar, außerdem wurde die Gestaltung der Anzeigeinstrumente geändert. Neue Farbvarianten sollen die Marktchancen der Hornet weiter verbessern.


Auch Ducati setzt für 2009 die stärksten Akzente bei den unverkleideten Motor- rädern. Nach der Präsentation der Monster 1100 hauen die Bologneser nun mit dem 155 PS starken Streetfighter so richtig auf die Pauke. Die gestrippte 1098 dient als Basis. Sie erhält einen konisch gezogenen Alu-Rohrlenker und eine kompakt geschnittene Scheinwerfereinheit mit aufreizend schräg stehenden Positionsleuchten. Der Wasserkühler ist zweigeteilt; eine keilförmige Wanne unter dem liegenden Zylinder nimmt einen Teil der Kühlerinstallation, die Batterie sowie den Regler auf.

Einen echten Hingucker bildet die aus dicken Edelstahlrohren kunstvoll geschlungene Auspuffanlage mit den beiden rechtsseitigen runden Schalldämpfern. Eng an das Motorrad geschmiegt, erreicht sie auf Anhieb eine optische Harmonie, welche den prinzipiell ähnlichen Arrangements der Monster S2R und S4R nie gelang.
Damit der Streetfighter mit dem bekannt herzhaft anreißenden Testastrettaevoluzione seinem Fahrer nicht bei jedem Gasaufreißen unter dem Hintern durchfährt, verlängerten die Ducati-Ingenieure – vermutlich mithilfe einer längeren Einarmschwinge – den Radstand gegenüber den Supersportlern um 45 auf 1475 Millimeter. Neben der edlen S-Variante mit den üblichen Luxus-Federelementen von Öhlins und zahlreichen Verkleidungsteilen aus Karbon kommt auch eine Standard-Variante mit Showa-Teilen auf den Markt. Es ist allerdings noch nicht sicher, dass das supersportliche Naked Bike auf Basis der 1098 wirklich Streetfighter heißen darf. Die Rechte an dieser Bezeichnung sind im Besitz einer anderen Firma.


Mit 100 cm³ mehr Hubraum und einer unverhältnismäßig großen Leistungssteigerung von zehn PS gehen die Ducati-Superbikes in die neue Saison. Sie heißen jetzt 1198 und 1198 S. Paradoxerweise behält die erste echte 1200er dieser Baureihe, die Basismaschine für die zu Ende gegangene Superbike-WM, weiterhin ihre Bezeichnung 1098 R. Von ihr übernehmen die Standardmodelle Bohrung und Hub, nicht aber die CNC-gefrästen Zylinderköpfe und die Titanpleuel. Die kostbare S-Variante unterscheidet sich vom Standardmodell wie gewohnt durch Öhlins-Federelemente, außerdem erhält sie leichte Schmiederäder und eine Traktionskontrolle, die man bei der Standardversion nicht nachrüsten kann.


Wo Ducati mit den Superbikes steht ganz oben –, würde KTM auch gerne stehen. Die 1190 RC8, welche letztes Jahr debütierte, war ein erster Schritt auf dem Weg, nun folgt die 1190 RC8 R als eigentliche Basismaschine für die Superbike-Weltmeisterschaft. Mit zwei Millimetern mehr Bohrung, also 105 statt 102 Millimeter, kommt sie auf 1195 cm³, schöpft somit die für Zweizylinder erlaubten 1200 cm³ fast vollständig aus. Zugleich wurde die Verdichtung erhöht und der Ölkühler vergrößert. Kupplung und Antriebsstrang haben die KTM-Entwickler ebenso überarbeitet wie das Kennfeld der Motorsteuerung. Die RC8 R soll so auf 165 PS und ein maximales Drehmoment von 123 Nm kommen, mit Akrapovic-Auspuff und angepasstem Steuergerät sollen es um die 180 PS sein. Weiteres Tuning wird dadurch erleichtert, dass die Nockenwellen einstellbar sind, das riskante nachträgliche Fräsen von Langlöchern in die Zahnräder des Nockenwellenantriebs entfällt. Titannitridbeschichtete Gabelgleitrohre und leichte Schmiederäder sind die sichtbaren Goodies des R-Fahrwerks, zudem sollen sieben Millimeter mehr Nachlauf für größere Stabilität sorgen.

Trotz aller Voraussetzungen ist es un-gewiss, ob die RC8 R im Jahr 2009 bei großen Rennen antritt. Um Kosten zu sparen, zieht sich KTM aus der 250er-WM zurück, klare Zielsetzungen für die Superbike-WM sind derzeit nicht zu hören.

Davon wenig betroffen sind die beiden anderen Neuheiten, die überarbeitete 990 Adventure und die 990 SMT. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich eine 990 Supermoto mit einer zierlichen Halbschalenverkleidung und einem Gepäcksystem mittleren Fassungsvermögens. Die Halter für die beiden Koffer halten sich diskret zurück. 19 Liter Tankvolumen und 160 sowie 180 Millimeter Federweg vorn und hinten sind weitere tourentaugliche, komfortverheißende Werte, dennoch behält das ganze Motorrad einen ausgesprochen sportlichen Charakter. 196 Kilo vollgetankt und 115 PS sind ja auch ein Wort.

Die Adventure-Modelle vollzogen als erste den Wechsel vom 950er- auf den 990er-Motor, in der ersten Ausführung noch mit 98 PS. Sie sind jetzt die letzten, die diesen Motor in leistungsgesteigerter Version erhalten. 106 PS und 100 Nm treiben in Zukunft das Standardmodell voran, das außerdem ein neues Cockpit und ein abschließbares Fach zwischen den beiden Tankhälften erhielt.

Ganz neu ist die Adventure R, Nachfolgerin der früheren S-Version. Sie erhält den 990er in 115-PS-Spezifikation, wie er auch in der SMT oder in der Supermoto zum Einsatz kommt. Für die Liebhaber harten Geländeeinsatzes bietet sie vorn und hinten je 265 Millimeter Federweg. Wie es sich für eine R geziemt, besitzt sie ein aufwendig lackiertes Outfit und einen orangefarbenen Rahmen. Beide Adventure benötigen künftig keine 1000-Kilometer-Erstinspektion mehr. Man kann also gleich ins große Abenteuer starten.

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