Neuheiten 2011 von BMW Neue Reisedampfer aus Bayern vorgestellt

Mit ihrem Sechszylinder-Motor sind die beiden BMW K 1600 die spektakulärsten Neuheiten der diesjährigen Intermot.

Foto: Hersteller

Sie macht nicht viel Aufhebens um ihren Motor. Kein Schwelgen in verschlungenen Krümmerrohren, kein zur Schau gestelltes, sechsendiges Ansauggeweih. Die BMW K 1600, erstes Serienmotorrad mit Reihensechszylinder seit der Einstellung der Kawasaki Z 1300, neben der Honda Gold Wing 1800 überhaupt das einzige mit sechs Zylindern, trägt zu beiden Seiten des Motors eine "6" und bläst ihre Abgase durch je drei Mündungen aus zwei Endschalldämpfern. Mehr Hinweise gibt sie nicht, sondern erschwert den Blick auf die imponierende Sechserreihe sogar noch durch tief herunter- und weit nach vorn gezogene Verkleidungsflanken.

Understatement passt zum Charakter eines solchen Motors, der keine freien Massenkräfte und Momente produziert, und deshalb auch ohne Ausgleichswelle besonders vibrationsarm läuft. Der auf Dampfhammergehabe verzichtet und trotzdem ein maximales Drehmoment von 175 Nm bei 5250/min abliefert; 70 Prozent davon stehen bereits bei 1500/min, knapp über Standgasdrehzahl, zur Verfügung. Kein Zweifel: Der diskrete Sechsling wird selbst einen Luxustourer der 300-Kilogramm-Klasse mitsamt Besatzung und Gepäck souverän voranbringen. Die BMW-Entwickler haben dafür den neuesten Stand der Automotorentechnik herangezogen; statt drei oder sechs Drosselklappen regelt eine einzige 52er-Klappe vor sechs enorm langen, drehmomentfördernden Ansaugrohren den Lastzustand.

Das Foto des Motors zeigt, dass die Lichtmaschine hinter die Zylinder verlegt wurde, die Schmierung erfolgt nach dem Trockensumpfprinzip. Das Öl läuft dabei nicht in eine Wanne unter dem Motor, sondern wird aus dem Kurbelraum in einen abgetrennten Bereich hinten im Motorgehäuse gesaugt und von dort wieder an die Schmierstellen gepresst. Diese Kniffe wie auch die relativ kleinen Bohrungen bei verhältnismäßig langem Hub machen den Reihensechser ungewöhnlich schmal und kompakt. Nur rund 13 Zentimeter ist er breiter als der Vierzylinder der K 1300-Modelle, dabei tragen allein schon die zwei zusätzlichen Zylinderbohrungen 14,4 Zentimeter auf, die Zylinderwände nicht eingerechnet. Mit vier Zylindern wäre der K 1600-Motor deutlich schmaler als der 1300er. Das Mehrgewicht des Sechszylinders gegenüber dem Vierzylinder hält sich in engen Grenzen, es beträgt etwa 15 Kilogramm.

BMW nennt zwar noch keine Fahrwerksdaten, doch das gleiche Fahrwerkskonzept mit Duolever vorn und Paralever hinten, die identische Neigung des Zylinderblocks bei Sechs- und Vierzylinder sowie die kompakten Maße des neuen Motors legen die Vermutung nahe, dass sich die Fahreigenschaften der K 1600 GT nicht sehr von denen der K 1300 GT unterscheiden werden. Und die sind vorbildlich. Die K 1600 GTL unterscheidet sich von der GT durch die reichere Serienausstattung (Topcase und Soundanlage inklusive) und eine andere Ergonomie. Die Sitzbank ist tiefer, die Fahrerfußrasten sind tiefer und weiter vorn, und der Lenker ist stärker nach hinten gekröpft als bei der GT.

Eine "amerikanische" Sitzposition sozusagen. Inwiefern dadurch Handlichkeit und Fahrstabilität beeinflusst werden, bleibt abzuwarten. Kein Spitzenprodukt kommt heute ohne vielfältig wirkende Elektronik aus, und so bieten auch die K 1600-Modelle von der elektronisch gesteuerten Drosselklappe über drei wählbare Leistungscharakteristiken, die serienmäßige teilintegrale Verbundbremse mit ABS bis hin zu den Sonderausstattungen ESA II und der erstmals bei der S 1000 RR eingesetzten Traktionskontrolle DTC alles, was nur mit schnellen Rechnern und fein ausgetüftelten Kennfeldern gesteuert werden kann. Auf Wunsch können Navigationsgerät, MP3-Player oder iPod integriert werden, das Navi kommuniziert dann zum Beispiel mit der Restreichweitenanzeige und weist den Weg zur nächstgelegenen Tankstelle.

Der sogenannte Multicontroller am linken Lenkerende ermöglicht per Drehen und Knopfdruck in Kombination mit einem Bildschirm im Cockpit die Bedienung der komplexen Funktionen ohne die Hand vom Lenker nehmen oder den Blick zu lange und zu weit von der Straße abwenden zu müssen. Noch raffinierter ist das adaptive Kurvenlicht, das gegen Aufpreis für beide K 1600 angeboten wird. Durch Stellmotoren wird der serienmäßige Xenon-Scheinwerfer schwenkbar und kann so Kurven gezielt ausleuchten. Auch werden die Nickbewegungen des Motorrads bei starkem Beschleunigen und Bremsen ausgeglichen ebenso wie die Leuchtweite bei Beladung. Eine Technik, die ebenso sichere wie faszinierende Nachtfahrten verspricht.

Hier geht's zur Vorstellung der BMW K 1600 GT auf der Intermot:


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