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Neuheiten: Retro-Studie von BMW und Star-Customizer Robert Sands Jetzt schlägt‘'s neunzig: Präsentation der BMW R 90 S-Studie

Vor 90 Jahren begann BMW mit der Motorradproduktion. Ein halbes Jahrhundert später entstand mit der BMW R 90 S der erste sportliche Boxer der Neuzeit. Und den ließ sich BMW jetzt von Star-Customizer Roland Sands zeitgenössisch interpretieren. Sensationell!

Die BMW R 90 S, eine pure, reduzierte, ziemlich geile Fahrmaschine

Cernobbio, Villa d’Este, Ende Mai 2013: Gerade glitt zum großen Erstaunen des erlesenen Publikums ein prächtig gestaltetes Coupé lautlos in den Garten des Luxusanwesens, als ungewohnte Töne Fragezeichen in die entrückten Gesichter malten. Was, um Himmels willen, soll das denn jetzt? Leicht irritiert wandten sich die Blicke vom Pininfarina-Vierrad zu einem deftig bollernden Zweirad. Klein, aber gemein dröhnend protzte sich ein orangefarbener Donnerkeil durch die Menge.

Einmal noch zupft er am Gas-Seil, demonstriert, was so ein luftgekühlter Boxer aus ziemlich offenen Tüten ansagt, dann lüftet Roland Sands den Helm und damit das kleine Geheimnis, das BMW und er seit vielen Monaten hüteten: Sie bauen zusammen eine Maschine, die äußerst spektakulär mal zeigen soll, was man sich bei BMW für die nächsten Jahre neben all dem Hightech-Getue auch noch vorstellen kann: Die BMW R 90 S, eine pure, reduzierte, ziemlich geile Fahrmaschine mit luftgekühltem Boxer-Motor.

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„Was meinen Sie, sollen wir so etwas Ähnliches bauen?“

Das Publikum, das normalerweise mit Motorrädern wenig anfängt, sondern sich bei dem jährlich von BMW ausgerichteten Klassikertreffen „Concours d’Elegance“ an ausgefallenen Automobil-Preziosen ergötzt, nickt anerkennend. Die Journalisten balgen sich um den besten Fotoplatz für die BMW R 90 S. „Was meinen Sie, sollen wir so etwas Ähnliches bauen?“, fragt Stephan Schaller, aktueller BMW Motorrad-Chef, schnürt aber gleich wieder davon, ohne unser vielstimmiges „Ja, klar!“ abzuwarten. Was für eine Frage.

Schon seit Jahren wartet die Motorradgemeinde sehnlichst auf die Realisierung der 2009 vorgestellten Studie „Lo Rider“, die nach Einspruch von Harley-Davidson heute „Custom Concept“ heißt. Und MOTORRAD-Leser konnten schon vor einem Jahr erste Erlkönigbilder der Classic-BMW R 90 S mit luftgekühltem Boxermotor bestaunen. Schaller-Vorgänger Hendrik von Kuenheim hatte das Thema angeschoben und die Studie entwickeln lassen. Das Projekt „K 21“, wie die neue Baureihe intern genannt wird, wurde schon 2010 auf Kiel gelegt.

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Emotionale, klassisch gestaltete Motorräder liegen voll im Trend

Damit hatte er den richtigen Riecher, denn emotionale, klassisch gestaltete und weitgehend plastikfreie Motorräder liegen voll im Trend. Nicht umsonst gewann eine Honda CB 1100 die MOTORRAD-Leserwahl in der hart umkämpften Naked Bike-Klasse, machen Moto Guzzi und Triumph Stückzahlen mit V7 und Bonneville. Und man schaue auf den Welterfolg von Harley!

Sich auf die eigene Tradition zu berufen und deren Werte in die Neuzeit zu transportieren, gelingt BMW schon lange mit MINI. Die knuffig gestalteten Wägelchen werden von Damen jeglichen Alters gerne gefahren und von Kerlen flott um die Ecken geprügelt. Ein Bombenerfolg für den Konzern. Warum sollte der bei den Motorrädern wie der BMW R 90 S nicht auch möglich sein? Wichtig dabei ist, nicht bei einem Einzel-Motorrad zu verharren. 

BMW R 90 S: The Concept Ninety-Story

Die BMW R 90 S-Studie zeigt bereits weitgehend serienreifen Bauteile

Man kann sich leicht einen ganzen Reigen von BMW-Classic-Modellen vorstellen. In der „Custom Concept“ von 2009 waren schon eine Menge Varianten aufgezeigt. Die Basis stellten dabei immer ein Stahlrohrrahmen, der den Motorblock als tragendes Element integriert, eine dicke Telegabel und die bekannte Paralever-Schwinge wie bei der BMW R 90 S. Tank-Sitzbank-Kombinationen, Lenker und Räder konnten variiert werden. Ein kostensparendes Konzept, aber typisch BMW. 

Bei der BMW R 90 S-Studie hier wurden bereits die weitgehend serienreifen Bauteile Motor, Rahmen, Gabel und Schwinge verwendet. Verkleidung und Tank in schöner Lackierung sowie die Sitzbank gelangen dem Designteam außerordentlich attraktiv und wurden kunstvoll aus Blechen gedengelt. Und die vielen von Roland Sands veredelten Anbauteile sowie der Motordeckel zeugen von der großen handwerklichen Liebe, die der Künstler seinem Objekt angedeihen ließ.

Während sich das Publikum langsam wieder entspannte und die Motorrad-Journalisten ihre Artikel durchspielten, begann der norditalienische Himmel zu weinen. Dicke Tropfen nässten die teuren Garderoben, man sah zu, schnell unter ein Dach zu kommen. Nur die feuer-orange BMW R 90 S blieb trotzig stehen. Und man hatte das Gefühl, der Regen machte respektvoll einen Bogen um sie.

Alle Motorrad-Neuheiten für 2014 auf einen Blick

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