Neuheiten: Die Neuen der Eicma Neuheiten der Eicma

Auf der EICMA in Mailand kamen zahlreiche Neuheiten aus der Wundertüte. Vom dominant gestylten Macho-Bike bis zur schlanken, sportlichen Schönheit sind starke Persönlichkeiten darunter.

Foto: Hersteller

Könnte man ein solches Design aus einer Kundenbefragung herausdestillieren? Wohl kaum. Das liegt daran, dass die meisten von uns als Laien in Sachen Gestaltung dazu neigen, das Vorhandene und Bewährte zu bestätigen. Sicht-, berühr- und fahrbare Motorräder wirken eben stärker als solche, die zunächst nur als Idee oder Skizze eines Kreativen existieren.

Ein Motorrad wie die Diavel zu bauen, erfordert deshalb viel Mut. Sie ist eigenständig und im Wortsinn eine Wucht. Nicht so verspielt oder gar barock gestylt wie die Yamaha Vmax oder die Triumph Rocket III, sondern sachlich. Amerikanisch? Das trifft es nicht. Ihre Frontpartie, massig und hoch zugleich, ist in der Chopper- und Cruisertradition ohne Beispiel. Auch widerspricht die geballte moderne Technik jeder Kühlrippenromantik, und der im amerikanischen Design so wichtige freie Blick durchs Motorrad ist nicht etwa versperrt, sondern gar nicht erst gewollt. Andererseits besitzt die Diavel eine durchaus "amerikanische" Länge; die Sitzbank des Fahrers und die kurze Beifahrerrutsche sind weit hinten und tief unten angeordnet.

Man sieht: Sie nimmt Einflüsse auf, hat aber kein Vorbild. Die Technik besteht aus bekannten Ducati-Elementen: Gitterrohrrahmen mit Alu-Gussteilen verschraubt, Einarmschwinge, Upside-down-Gabel und eine durchaus renntaugliche Bremse. Den Motor leiteten die Ingenieure aus der Entwicklung der Multistrada 1200 ab. Das heißt, dass er die gleiche Ventilüberschneidung von elf Grad aufweist, allerdings bekam er dank überarbeiteter Kanäle mehr Spitzenleistung als die Multistrada, nämlich 162 statt 150 PS. Drei verschiedene Kennfelder stehen ebenso zur Verfügung wie ABS und die Ducati-Traktionskontrolle. Weil der Fahrer fast auf dem acht Zoll breiten Hinterrad mit 240er-Reifen sitzt, wird die aber wohl nur bei extrem glatter Fahrbahn eingreifen müssen.

Schon das Standardmodell der Diavel wirkt gediegen; wer sich noch mehr Luxus gönnen will, kann für 3300 Euro mehr die Diavel Carbon mit Verkleidungsteilen aus Kohlefaser und um 2,5 Kilogramm leichteren Schmiederädern ordern. Noch einmal 200 Euro Aufpreis kostet die Carbon-Red-Variante.

Anzeige
Foto: Ducati

Wenngleich die ebenfalls in Mailand vorgestellte Monster 1100 EVO naturgemäß im Schatten der Diavel stand, so sind doch die Änderungen, die sie erfuhr, ziemlich bedeutend. Ins Auge springt die neue Auspuffanlage mit den seitlich rechts angeordneten Schalldämpfern, zugleich wurde wie bei der Monster 796 die Sitzbank geändert und der Lenker um 20 Millimeter nach oben gesetzt, was die viel kritisierte Ergonomie verbessern soll. Serienmäßig bietet die größte Monster nun auch ABS und die Traktionskontrolle DTC.

Ihr luftgekühlter Zweiventiler ist ohnehin ein Phänomen. Während es die Ingenieure anderer Hersteller längst für unmöglich erklärt haben, moderne Abgasnormen mit luftgekühlten Motoren zu erfüllen, entwickeln ihn die Bologneser unverdrossen weiter und schafften es sogar, ihm trotz seines Temperaments bescheidene Trinksitten anzuerziehen. In der 1100 EVO erreicht das Unikum erstmals die 100-PS-Marke.

Ganz andere Absichten verfolgt ein anderes, sparsam verkleidetes Motorrad aus Italien, die Aprilia Tuono V4 R. Sie ist eine kaum gezähmte Variante des Supersportlers RSV4 ohne Seitenverkleidungen und Verkleidungskuppel sowie mit konifiziertem Alurohrlenker. Der Motor stammt aus der kürzlich vorgestellten RSV4 Factory Special Edition, das heißt, er bekam bereits alle Modifikationen wie die wälzgelagerte Ausgleichswelle. Durch eine nicht näher bezeichnete "reconfiguration" wurde die Leistung um 18 PS reduziert, das Spitzendrehmoment sank um fünf auf 110 Nm, die jedoch bereits bei 9000 statt bei 10000/min anfallen. Eine Rolle dabei wird wohl die neue, zwei Kilogramm leichtere Auspuffanlage spielen. Auch die Räder sollen zwei Kilogramm leichter sein als die der RSV4 R und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch die von den neuen Errungenschaften profitieren wird.

Anzeige
Foto: Ducati

Ohne Aufpreis wird die Vierzylinder-Tuono jedenfalls mit dem Aprilia Performance Ride Control-Paket ausgestattet. Es beinhaltet eine Traktions- und Wheeliekontrolle sowie einen Schaltassistenten. Den Clou des Systems bildet die "Launch Control", mit deren Hilfe die Tuono ohne Risiko für den Fahrer aus dem Stand "wie eine Rakete" beschleunigt werden kann. Solche Ambitionen sind der neuen RS4 125 mit ihren 15 PS fremd. Dennoch ist sie nicht nur als verführerisches Einsteigermotorrad im Design der RSV4 bedeutsam, sondern auch deshalb, weil sie eine lange Ära beendet: die der RS 125 mit Rotax-Zweitaktmotor. Diese Zäsur lag nahe, weil Aprilia unter anderem mit der spanischen Marke Derbi im Piaggio-Konzern verbunden ist und also auch den wassergekühlten Vierventil-Viertakter nutzen kann, der seit Jahren Modelle wie die Derbi Mulhacèn 125 antreibt. Zweitakt-Fans werden es mit Wehmut lesen.

Schon länger vorbei ist das Zweitaktzeitalter bei den 125er-Hondas. Die viertaktende CBR 125 R war vor Erscheinen der Yamaha YZF-R 125 einige Jahre lang meistverkaufte 125er in Deutschland, jetzt soll ein Facelift ihre Stellung gegenüber der mächtigen Konkurrenz wieder stärken. Ihr wassergekühlter Zweiventiler mit 13 PS blieb unangetastet, doch das Outfit wurde komplett umgekrempelt und wirkt jetzt wie eine Synthese aus Fireblade und VFR 1200 F, also sehr erwachsen. In diese Richtung geht auch die Verbreiterung der Felgen und der Bereifung auf 2,5 und 3,5 Zoll, beziehungsweise einen 100er-Vorderradreifen und einen 130er hinten. Weil Honda neben BMW am entschiedensten die Verbreitung von ABS fördert, wird die kleine CBR in Deutschland serienmäßig damit ausgestattet. Deshalb steigt freilich auch ihr Gewicht von 124 auf 137 Kilogramm mit vollem Tank.

Ein eher kleineres Facelift wurde den beiden Naked Bikes Hornet 600 und CB 1000 R zuteil. Die Hornet erhielt eine neue Lampenmaske, darin integriert finden sich ebenfalls neue Instrumente. Das Heck wurde nach dem Vorbild der CB 1000 höher gezogen und schlanker als bei der Vorgängerin. Die CB 1000 R selbst wird jetzt durch einen leichten, stabilen Alulenker gesteuert, und das Positionslicht unter den Scheinwerfern besteht aus sieben LEDs. Beide Modelle sind in neuen Lackierungen erhältlich.

Foto: Honda

Ziemlich raffiniert ist die Idee der Honda-Produktplaner, die Hornet 600 mit einer sehr gefälligen Vollverkleidung auszustatten und als Wiedergeburt der CBR 600 F, sprich, als alltagstaugliches und preisgünstiges Sportmotorrad auf den Markt zu bringen. 102 PS und die wunderbar lineare Leistungsentfaltung des Hornet-Vierzylinders sind dafür genau richtig. Als feinsinnige Anspielung kommen bei der Version ohne ABS sogar die Nissin-Doppelkolben-Schwimmsättel in der "alten" Form wieder zum Einsatz. Die ABS-Version trägt Dreikolben-Schwimmsättel. Das italienische Honda-Werk in Atessa wird durch die CBR 600 F als Produktionsstandort für Volumenmodelle noch wichtiger. Dort werden auch die Hornet, die CB 1000 R und alle CBF-Modelle nach den gleichen Konstruktionsprinzipien produziert: Vierzylinder-Reihenmotor und ein Rückgratrahmen aus Aluminium mit geschraubten, dem Motor angepassten Aluprofilen um die Schwingenlagerung.

Die Produktion von V4-Modellen behielt sich die japanische Zentrale stets selbst vor, und so kommt die spektakulärste Honda-Neuheit aus Japan, die Crossrunner. Auf den ersten Blick ist ihr die nahe Verwandtschaft zur VFR 800 kaum anzusehen. Doch es stimmt: Unter der neu gestalteten Schale des Funbikes mit dem kurzen Schnabel und dem flachen Heck steckt lupenreine VFR-Technik. Das VTEC wurde so überarbeitet, dass sich die zusätzlichen zwei Ventile pro Zylinder sanfter zuschalten, die Leistung ist minimal reduziert und die Federwege sind auf Komfort verheißende 165 Millimeter vorn und 145 hinten verlängert. Im Zusammenspiel mit dem hochgezogenen Lenker verspricht dies entspannte, dynamische Landstraßenfahrten. Ein optional erhältliches Gepäcksystem sowie eine höhere Scheibe und seitliche Windschilde auf Wunsch erhöhen den Fernreisekomfort.

Damit haben die Motorräder auf der letzten Doppelseite dieser Geschichte nichts am Hut. Sie wollen vor allem schnell sein. Und schön. Das gelingt einer Neuschöpfung am besten, die wohl erst gegen Ende 2011 auf den Markt kommen wird und dennoch in Mailand ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte. Als Solitär in einem weißen Kubus. Die Rede ist von der MV Agusta F3, einer zierlichen Schöpfung mit 675er-Dreizylindermotor. Neben ihrer Erscheinung ist vor allem der projektierte Verkaufspreis eine Sensation: 11500 Euro. Sollte die neue MV-Geschäftsleitung diesen Preis halten können, bekäme die Triumph Daytona 675 ernsthafte Konkurrenz. Gut, dass die Briten ihre Sportlerin darauf vorbereitet haben und 2011 erstmals auch als R-Version mit hochwertigen Komponenten, nämlich Federelementen von Öhlins und Brembo-Monobloc-Bremszangen anbieten. Dritte und Stärkste im Bunde der neuen Supersportler ist die überarbeitete KTM RC8 R mit Respekt einflößenden 175 PS. Zugunsten besserer Verbrennung erhält ihr 1195er-V2 Doppelzündung, und er lässt sich künftig nach Aktivieren eines entsprechenden Kennfelds auch mit 95-Oktan-Sprit fahren, falls Superplus, wie etwa in Süditalien, nur schwer zu bekommen ist. Einem besseren Rundlauf im unteren Drehzahlbereich dient die größere Schwungmasse. Auch die auf der Rennstrecke höchst effiziente, auf der Straße aber brettharte Federungsabstimmung haben die KTM-Entwickler gemildert. Dafür sehen die neuen Lackierungen hochspektakulär aus.

Hier geht's zur Vorstellung der MV Agusta, der Ducati Monster, der Honda Crosstourer und der Honda CBR 600:





Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel