Die ersten echten Neuheiten Neuheiten von Ducati, Harley-Davidson und Triumph

Ducati und Harley-Davidson präsentieren die ersten neuen Motorräder für 2011 – ungetarnt, mit allen Daten und Fakten. Triumph lässt immer mehr Fotos von Vorserien-Exemplaren der Tiger 800 zu, welche ohne Prototypen-Maskerade durch die Lande fahren.

Foto: Ducati

Ducati 848

Die Kleine ist eine echte Größe bei Ducati. Seit der Markteinführung der 848 im Jahr 2008 wurden in Deutschland etwa 1000 Motorräder dieses Typs verkauft. Sämtliche 1098- und 1198-Modelle zusammen kamen im gleichen Zeitraum auf etwa 1700 Einheiten. Der Grund dafür liegt nicht nur im günstigeren Preis der 848, sondern auch an den Tugenden, die einem temperamentvollen Motor von gleichwohl moderater Leistung und einem Fahrwerk mit schmalerer Hinterradbereifung zu verdanken sind: bessere Laufkultur, weniger Stress durch ständigen Leistungs-Overkill und leichteres Handling.

Die Suzuki GSX-R 750 hat vorgemacht, wie gut dieses Konzept hierzulande ankommt. Nach der dritten Saison war es jedoch Zeit für eine Modellpflege, die vor allem dem Motor zugute kam. Die Techniker montierten größere elliptische Drosselklappen, was einer Vergrößerung des Querschnitts von 56 auf 60 Millimeter gleichkommt, überarbeiteten die Einlasskanäle und installierten Nockenwellen, die den Ventilhub um drastische 1,5 Millimeter erhöhen und den Öffnungswinkel der Einlassventile um vier auf 257 Grad vergrößern. Auch die Brennraumform wurde optimiert, die Verdichtung stieg von 12 auf 13,2.  Dies alles soll sechs PS mehr bringen,  die 848 Evo kommt also nominell auf glatte 140 PS. Neu ist auch eine zweite Lambda-Sonde, die es ermöglicht, für jeden Zylinder das optimale Gemisch zu bilden.

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Foto: Ducati
Wie die 1198-Modelle bekommt jetzt auch die 848 Evo einen Lenkungsdämpfer. Und ist in roter Lackierung erhältlich.
Wie die 1198-Modelle bekommt jetzt auch die 848 Evo einen Lenkungsdämpfer. Und ist in roter Lackierung erhältlich.
Was die Ausstattung betrifft, so fallen die neuen Brembo-Monobloc-Bremszangen und der Lenkungsdämpfer ins Auge. Beides übernimmt die 848 Evo von den größeren und teureren Schwestermodellen. Erfreulicherweise bleibt der Preis gleich wie bei der 848, nämlich 13250 Euro plus Nebenkosten.

Technische Daten
Zweizylinder-Viertakt-V-Motor, Bohrung/Hub 94/61,2 mm, 849,4 cm³, 103 kW (140 PS) bei 10500/min, 98 Nm bei 9750/min, Gitterrohrrahmen aus Stahl, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 320 mm, Einscheibenbremse hinten, Ø 245 mm, Sitzhöhe 830 mm, Gewicht (trocken) 168 kg, Preis 13250 Euro plus Nebenkosten

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Foto: Triumph

Triumph Tiger 800

Keine offizielle Bestätigung, sondern ein einfacher Größenvergleich offenbart, dass die neue Triumph Tiger 800 in zwei Varianten angeboten wird. Neben der schon bekannten Hardcore-Geländeversion mit grobstolligen Reifen und elastischen Drahtspeichenrädern, vorn mit 21-Zoll-Felge, soll es eine Ausführung mit Gussrädern geben, die als Vorderrad einen klassenüblichen 19-Zöller erhält und ihren Fokus hauptsächlich auf Straßenbetrieb legt. Dazu passend gibt es zwei unterschiedliche Ausführungen der Frontverkleidung; die Geländeversion trägt unter den Hauptscheinwerfern einen Entenschnabel, die Straßenversion ein deutlich kürzeres Teil, das aussieht wie eine leicht vorgeschobene Unterlippe.

Die Geländeversion trägt zusätzlich einen knapp geschnittenen, eng über das Vorderrad gezogenen Kotflügel, während die Straßen-Tiger mithilfe einer breiteren und längeren Abdeckung vor aufspritzendem Wasser und Schmutz schützt. Es ist anzunehmen, dass der zusätzliche Kotflügel der Geländeversion für den richtigen Offroad-Einsatz rasch demontiert werden kann, damit weder anhaftender Schlamm noch verklemmte Steine das Vorderrad blockieren. Als Reaktion auf die Berichterstattung über die Tiger 800 in MOTORRAD 15/2010 räumte ein Triumph-Sprecher ein, dass der Motor der neuen Enduro tatsächlich auf  dem 675er basiert, "möglicherweise mit einem längeren Hub für eine flachere Drehmomentkurve". Über den genauen Hubraum und die Modellbezeichnung wolle man jedoch noch nichts sagen, wörtlich "die Lippen geschlossen halten". Herrliche britische Zurückhaltung angesichts einer Tatsache, welche die Spatzen bereits von den Dächern pfeifen. Klare Worte findet der Sprecher zu einigen Details: Der neue Motor erhält den gleichen Zylinderkopf sowie die gleichen Drosselklappenkörper wie der 675er. Um die Motorcharakteristik den Anforderungen an eine Enduro anzupassen, hätten die Entwickler jedoch etwa 80 Prozent des Triebwerks neu konstruiert. Da darf man auf die endgültige Präsentation auf der Mailänder EICMA am 2. November gespannt sein.

Harley-Davidson

Tief, also eher in als auf einer Maschine zu sitzen, ist ein Ideal der amerikanischen Motorradkultur, und Harley-Davidson präsentiert jetzt  einen der tiefsten Sitze, die man zwischen zwei Rädern und hinter einem Motor erhalten kann.

Nur 648 Millimeter über dem Boden thront der Fahrer auf der Super Low, einer Variante der Sportster 883. Trotzdem war noch Luft für eine weiche Polsterung der Solositzbank. Den Preis dafür muss die tiefer gelegte Kundschaft allerdings in Federweg bezahlen; die gekürzten Federbeine lassen nur noch 54 Millimeter an der Hinterhand zu. Ob sich da wirklich der angekündigte „geschmeidige Fahrkomfort“ einstellt?

Jedenfalls verspricht Harley ein harmonisches Fahrverhalten dank einer neu definierten Fahrwerksgeometrie. Im Unterschied zu den Standard-Sporties, die auf einem 19-Zoll-Rad vorn und einem 16-Zöller hinten rollen, bekam die Super Low vorn ein 18-Zoll- und hinten ein 17-Zoll-Rad. Bezogen mit eigens entwickelten Michelin-Reifen der Dimension 120/70 ZR 18 und 150/60 ZR 17. Zugleich wurde der Lenkkopf um 1,4 Grad flacher gestellt, der Nachlauf wuchs von 117 auf 145 Millimeter. Ein Vergleich zwischen der Super Low und den nach alter Sitte gebauten Schwestermodellen dürfte also interessant werden. Wie alle anderen neuen Motorräder von Harley-Davidson ist auch sie ab sofort erhältlich; sie kostet in einfarbig schwarzer Lackierung 8295 Euro, die Zweifarb-Variante kommt 480 Euro teurer. Die neuen Michelins kommen übrigens auch beim 2011er-Jahrgang der V-Rod-Modelle zum Einsatz.

Ein Wiedersehen mit alten Bekannten bieten die Softail- und die Tourer-Baureihe. Im Stil der 1950er-Jahre prunkt die Softail Deluxe mit Weißwandreifen auf Drahtspeichenrädern, üppigen Kotflügeln und aufwendigen Lackierungen. Wie alle anderen Softail-Modelle außer der Cross Bones, deren Parallelogrammgabel dafür wohl nicht taugt, bekommt auch die Deluxe serienmäßig ABS – weit weniger auffällig als ihr Äußeres, doch überaus angenehm und sicher. Harley weitet damit das Angebot an Motorrädern mit ABS stark aus, die Tourer werden schon seit dem vergangenen Jahr serienmäßig mit ABS ausgerüstet.

Konsequenterweise auch die Electra-Glide Classic, die wie die Softail Deluxe im traditionellen Look mit neuer Technik aufwartet. Sie und die anderen Touring-Harleys erhalten einen Big Twin mit 103 cubic inches, das entspricht 1690 cm³.

Es sind sicher nicht die Hammer-Innovationen, die Harley-Davidson nach dem Krisenjahr 2009 gebracht hat. Aber immerhin ein CAN-Datenbussystem und ABS serienmäßig für alle Softail-Modelle (Cross Bones ohne ABS) und für die Tourer einen Motor mit mehr Hubraum.

Foto:
Harley-Davidson XL 883 L Super Low: Man sinkt zwar auch in den USA nicht gern tief, tief sitzen gilt dagegen als cool. Diesem Wunsch kommt die Super Low entgegen und platziert den Fahrer lässige 648 Millimeter über dem Asphalt. Das Fahrwerk unterscheidet sich stark von dem der Standard-Sporty.
Harley-Davidson XL 883 L Super Low: Man sinkt zwar auch in den USA nicht gern tief, tief sitzen gilt dagegen als cool. Diesem Wunsch kommt die Super Low entgegen und platziert den Fahrer lässige 648 Millimeter über dem Asphalt. Das Fahrwerk unterscheidet sich stark von dem der Standard-Sporty.

Die Harley XL 883 L Super Low

Man sinkt zwar auch in den USA nicht gern tief, tief sitzen gilt dagegen als cool. Diesem Wunsch kommt die Super Low entgegen und platziert den Fahrer lässige 648 Millimeter über dem Asphalt. Das Fahrwerk unterscheidet sich stark von dem der Standard-Sporty.

 

Technische Daten
Zweizylinder-Viertakt-V-Motor, Bohrung/Hub 76,2/96,8 mm, 883cm³, Leistung k. A., 76 Nm bei 7350/min, Doppelschleifenrahmen aus Stahlrohr, Einscheibenbremse vorn, Ø k. A., Einscheibenbremse hinten, Ø k. A, Sitzhöhe 648 mm, Gewicht (fahrfertig) 260 kg, Preis ab 8295 Euro plus Nebenkosten

Foto: Harley-Davidson
Harley-Davidson Electra Glide Classic: Batwing – Fledermausflügel – wird die markante Frontverkleidung genannt. Sie erschien erstmals 1969, die Bezeichnung Classic ist also vollauf gerechtfertigt.
Harley-Davidson Electra Glide Classic: Batwing – Fledermausflügel – wird die markante Frontverkleidung genannt. Sie erschien erstmals 1969, die Bezeichnung Classic ist also vollauf gerechtfertigt.

Harley-Davidson Electra Glide Classic

Batwing – Fledermausflügel – wird die markante Frontverkleidung genannt. Sie erschien erstmals 1969, die Bezeichnung Classic ist also vollauf gerechtfertigt.

 

Technische Daten
Zweizylinder-Viertakt-V-Motor, Bohrung/Hub 98,4/111,1 mm, 1690 cm³, Leistung k. A., 134 Nm bei 3500/min, Doppelschleifenrahmen aus Stahlrohr, Doppelscheibenbremse vorn, Ø k. A., Einscheibenbremse hinten, Ø k. A., Sitzhöhe 740 mm, Gewicht (fahrfertig) 413 kg, Preis ab 23785 Euro plus Nebenkosten.

Foto: Harley-Davidson
Harley-Davidson Softail Deluxe: Auch sie zeigt mit Drahtspeichenrädern, Weißwandreifen und den üppigen Kotflügeln klassische Stilelemente. Kombiniert mit moderner Technik.
Harley-Davidson Softail Deluxe: Auch sie zeigt mit Drahtspeichenrädern, Weißwandreifen und den üppigen Kotflügeln klassische Stilelemente. Kombiniert mit moderner Technik.

Harley-Davidson Softail Deluxe

 

Auch sie zeigt mit Drahtspeichenrädern, Weißwandreifen und den üppigen Kotflügeln klassische Stilelemente. Kombiniert mit moderner Technik.

 

Technische Daten
Zweizylinder-Viertakt-V-Motor, Bohrung/Hub 95,3/111,1 mm, 1584 cm³, Leistung k. A., 125 Nm bei 3500/ min, Doppelschleifenrahmen aus Stahlrohr, Doppelscheibenbremse vorn, Ø k. A., Einscheibenbremse hinten, Ø k. A., Sitzhöhe 670 mm, Gewicht (fahrfertig) 330 kg, Preis ab 19790 Euro plus Nebenkosten.

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