Neuheiten 2010 Honda präsentiert Doppelkupplungsgetriebe

Im Inneren handelt es sich bei der Honda-Neukonstruktion um ein fast normales, mechanisches Getriebe mit einem entsprechend guten Wirkungsgrad. Die geteilte Eingangswelle und die Peripherie mit automatischer Kupplungsbetätigung, Gangwechseln per Elektromotor und – keinesfalls zu vergessen – einer ausgefeilten Elektronik machen es zur echten Sensation.

Foto: Honda
Bei Honda wirft ein neues Motorrad seine Schatten voraus, das geradezu vollgestopft ist mit Innovation. Die VFR enthält so viel neuartige Technik, dass man es für geboten hält, diese schon einmal vorab zu präsentieren. So überrascht der weltgrößte Motorradhersteller mit einem Doppelkupplungsgetriebe, das den Bedienungskomfort einer Automatik mit dem Wirkungs- grad eines mechanischen Getriebes vereint und schnellere Gangwechsel ermöglicht als ein Supersportler mit Schaltassistent.

Im Autobereich ist diese Technik schon länger verbreitet, Honda gebührt das Verdienst, sie auf Motorraddimensionen verkleinert zu haben. So sind die zwei Kupplungen weit weniger als doppelt so breit oder schwer wie eine herkömmliche Kupplung. MOTORRAD wird die Funktion des durchaus komplexen Doppelkupplungsgetriebes in einem eigenen Artikel genauer erklären, hier nur das Grundlegende: Im Zentrum des ganzen Systems steht eine geteilte Getriebe-Eingangswelle.

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Zeichnung: Hersteller

Der innere Teil nimmt die Zahnräder der ungeraden Gänge auf, der äußere Teil die Räder der geraden Gänge. Jede Welle trägt eine eigene Kupplung, diejenige der inneren Welle dient als Anfahrkupplung und scheint, wie die Schnittzeichnungen nahe legen, stärker ausgeführt zu sein als die andere. Die Kupplungen werden auf Befehl der Elektronik hydraulisch betätigt, den dafür nötigen Öldruck baut die Motorölpumpe auf. Wenn nun automatisch oder auf Wunsch des Fahrers per Knopfdruck der Gang gewechselt werden soll, wird mithilfe eines Elektromotors auf dem gerade nicht aktiven Teil der Getriebeeingangswelle das Zahnrad des gewünschten Ganges mit seinem Gegenüber auf der Abtriebswelle in Eingriff gebracht.

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Der nächste Gang wird also vorgewählt und dadurch aktiviert, dass „seine" Kupplung den Kraftschluss herstellt, während die des vorher aktiven Gangs nun trennt. Unterhalb der Getriebeabtriebswelle liegt eine Zwischenwelle, welche die Drehbewegung um 90 Grad umlenkt, unabdingbar für einen Kardanantrieb zum Hinterrad. Mit den CAD- und Schemazeichnungen des Doppelkupplungsgetriebes bestätigt Honda so ganz nebenbei, dass der Motor der neuen VFR tatsächlich über unterschiedliche Zylinderabstände in den beiden Zylinderbänken verfügt. MOTORRAD hatte über ein entsprechendes Patent berichtet (siehe Ausgabe 12/2009). Die hinteren Zylinder sind extrem eng zusammengelegt, was durch eine bislang noch nie gewählte, asymmetrische Anordnung der Pleuel ermöglicht wird.

 

So kann der Motor in diesem Bereich extrem schmal gebaut werden. Wie sich nun gezeigt hat, ist diese Bauweise nicht allein ergonomisch motiviert. Ein paar Millimeter breiter als eine normale Kupplung ist die Doppelkupplung nämlich doch geraten. Und die werden durch den minimierten Zylinderabstand ausgeglichen. Kein Zweifel: Der größte Motorradhersteller der Welt läuft derzeit mit einem mächtigen Antrieb in Richtung Zukunft.


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