Neuheiten: Horex VR6 Vorab-Vorstellung

Noch dauert es ein paar Tage bis die neue Horex enthüllt wird. MOTORRAD-Designer Stefan Kraft hat seine Vorstellung von dem neuen Projekt schon vorab gezeichnet.

Foto: Kraft
Das neue Motorrad, die kurz vor der Präsentation stehende Horex mit VR6-Motor, nimmt derzeit nicht nur eine, sondern gleich mehrere mögliche Gestalten an. So finden sich auf www.das-neue-motorrad.de widersprüchliche Hinweise auf die Ausführung des Scheinwerfers. Neben dem Porträt von M. D., nunmehr als Professor Martin Doll von der Hochschule München identifiziert, ist die Zeichnung einer Frontpartie mit dreiecki-gem Scheinwerfer zu sehen. In der von Designer Peter Naumann gezeichneten Ansicht von oben wird hingegen ein Rundscheinwerfer angedeutet; die Entscheidung für die eine oder andere Möglichkeit war für Stefan Kraft reine Glückssache. Er hat eine Variante des dreieckigen Scheinwerfers und damit die modernere Lösung gewählt. Eines ist klar: Der Schlüssel zum Aussehen der neuen Horex liegt in der Kombination von klassischen und modernen Stilelementen. Brückenrahmen und Einarmschwinge zählen zu den letzteren, das Rücklicht, die Farbgebung und "klassisch geformte Schutzbleche" - tatsächlich so bezeichnet - zur erstgenannten Kategorie. Eleganz kommt vor Auffälligkeit, der fahrdynamische Ehrgeiz der Horex richtet sich auf flotte Landstraßenfahrt, Rennstrecke ist kein Thema. Das liegt im Trend, wie die Beliebtheit von Naked Bikes beweist.

Dazu passt das Motorenkonzept. Die VR6-Konfiguration eignet sich nämlich nicht für Hochleistungsmotoren. Zwar ermöglichen die im 15-Grad-Winkel zueinander stehenden, auf Lücke versetzten Zylinderreihen einen äußerst kompakten Block, sie zwingen jedoch zu Kompromissen bei der Kanal- und Brennraumgestaltung und schaffen Probleme mit der Kühlung. Da beide Zylinderreihen ihr Gemisch von derselben Seite erhalten, müssen die Ansaugkanäle der vorn liegenden Zylinder nahe an den Brennräumen der hinteren vorbei durch den Zylinderkopf geführt werden. Dadurch heizt sich das angesaugte Gemisch auf und dehnt sich aus, die Füllung wird verringert.

Ein auf der Projekt-Website gezeigtes Foto, das einen gefrästen Zylinderkopfdeckel mit aufwärts gerichtetem Stutzen zeigt, lässt es zumindest möglich erscheinen, dass der VR6 zur Milderung des oben geschilderten Problems echte Fallstromkanäle erhält. Auch die wenig strömungsgünstige Krümmung der Ansaugkanäle könnte dadurch begradigt werden. Wie die von der Patentschrift des Projektleiters Clemens Neese inspirierte Motorzeichnung deutlich macht, würde es allerdings auch bei einer solchen Lösung eng für die Kanäle der vorderen drei Zylinder. Sie müssten zwischen der mittleren und der hinteren Nockenwelle hindurchgeführt werden, ihr Querschnitt wäre stark begrenzt.
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In seiner Patentschrift rechnet Neese den VR6 mit 57,6 mm Bohrung und 64,4 mm Hub durch; das ergäbe 1005 cm³, und der lange Hub wäre ein weiteres Merkmal, das gegen Hochleistung spricht. Möglicherweise erhält die künftige Horex deshalb mehr als 1005 cm³, um auf standesgemäße Leistung zu kommen. Die BMW K 1200 RS mit dem liegenden langhubigen Vierzylinder erreichte 138 PS, die Horex sollte nicht weit darunter liegen.

Andererseits haben Konstrukteur Martin Doll und Rupert Baindl, der offenbar die Prototypenteile aus dem Vollen gefräst hat, Erfahrung mit ungewöhnlichen Motoren. Beide waren an der Entwicklung des Neander-Diesels beteiligt, einem Reihenzweizylinder dessen Kolben durch jeweils zwei Pleuel mit gegenläufigen Kurbelwellen verbunden sind, was für bemerkenswerte Laufruhe sorgt. Darüber hinaus ist Baindl durch seine pfeilschnellen Einzylinder-Rennmaschinen mit Apfelbeck-Zylinderkopf bekannt. Diese von Ludwig Apfelbeck erfundenen Vierventiler mit radial angeordneten Ventilen, bei denen sich die Ein- und Auslassventile diagonal gegenüberstehen, könnten übrigens auch einem VR6 richtig Leistung einhauchen. Vorausgesetzt, die Entwickler verheddern sich nicht in den je zwölf Saugrohren und Auspuffkrümmern, und die Projektleitung erlaubt enormen Aufwand. Was kaum wahrscheinlich ist.

Als vor einiger Zeit die Produktionsanlagen des französischen Motorradherstellers Voxan versteigert wurden, haben die Initiatoren des Horex-Projekts mitgeboten. Das ist zugleich ein Indiz für eine geplante Serienfertigung und dafür, dass bis dahin noch viel Arbeit zu leisten ist. Hoffentlich führt sie zum Ziel.

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