Neuheiten Kawasaki und KTM Sommernachtsträume

Wenn die Kawasaki-Fans in milden Sommernächten bei Kerzenschein und einem Glas Wein von der kommenden Saison träumen, manifestiert sich das Bild einer neuen, wieder richtig knackigen ZX-10R. Fun-biker hingegen fiebern der großen Versys entgegen. Und KTM-Jünger freuen sich auf die 690er-Enduro.

Computerretusche: Guerin
Während einer der Träume wohl erst mal ein Traum bleiben muss, werden die beiden anderen schon bald Realität. Sicher ist nämlich: In Paris wird im September die neue KTM 690 Enduro (siehe Seite 12) vorgestellt. Und alle zwei Jahre kommt eine neue ZX-10R. Das gilt selbstredend auch für das Modelljahr 2008. Das Beste daran: Die neue 10er wird wieder mehr die Alte sein. Weniger erfreulich: Die große Versys, wie sie sich unser Computerkünstler Guerin wünscht, wird es zunächst nicht geben.

Schon allein deshalb, weil die Grünen dafür eigens einen völlig neuen Motor entwickeln müssten. Punkt. Daher zunächst zurück zur ZX-10R. Nach dem gelinde gesagt durchwachsenen Erfolg der aktuellen Top-Sportlerin dürfte eins klar sein: Die Nachfolgerin muss zurück zu den Ursprüngen. Denen der 10er-Baureihe – und denen von Kawasaki. Aggressiv, straff, knackig. Dazu wird auf jeden Fall gehören, dass man den irgendwo im Nirwana zwischen Hinterrad und Rahmenheck hängenden Schalldämpfer beerdigt und eine Suzuki-ähnliche Lösung mit Sammler im Verkleidungskiel und kurzem Auspuffstummel vorstellt.

Ein Plan, der technisch jedoch mit einem anderen Kawasaki-Bekenntnis kollidiert, nämlich dem zur maximalen Spitzenleistung. »Die Leistungsauslegung ist eher konservativ«, heißt es in Kawasaki-Kreisen, was selbst PS-Freaks angesichts der in dieser Klasse erreichten Maximalleistung von rund 180 PS wohl nicht ernsthaft abschrecken dürfte.Was der neuen ZX-10R sonst noch ins Lastenheft geschrieben wurde, wird eingefleischte Sportfahrer hingegen freuen: weniger Gewicht, zierlichere Abmessungen, gierige Optik.
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Foto: KTM

Die neue Hard-Enduro-Klasse

Ganz real und klar umrissen sind dagegen die Pläne von KTM, die ab 2008 die neue LC4-Einzylinder-Baureihe auf eine breite Basis stellen. Für die kommende Saison sollen gleich drei neue Varianten folgen. Das erste Modell wird die bereits im Rallye-Raid-Rennsport einge-setzte 690 Enduro sein, von der es nun erste offizielle Fotos gibt. Motorisch ist die Enduro weitgehend identisch mit der in diesem Frühjahr auf den Markt gekommenen Supermoto, allerdings mit geringfügig geänderten Spezifikationen.

Das liegt einerseits an dem einzelnen Auspuff, der wegen des verringer-ten Volumens ein wenig Power in der Spitze kostet. Andererseits steht bei der Abstimmung der Offroad-Variante viel Drehmoment im unteren Bereich im Vordergrund. Trotzdem wird die Enduro-Version auf jeden Fall die 60 PS überschreiten, und zwar ganz legal. Mit offenen Zubehördämpfern dürfte für den Sport sogar noch etwas möglich sein. Ernsthafter Wettkampfeinsatz ist bei der 690er durchaus keine Illusion. Sicher stellt sie keine Konkurrenz für die leichten EXC-Sportenduros dar, aber mit langhubigen Federelementen und KTM-typischen Features kehrt sie wieder zur Hardenduro-Basis zurück, von der sich die alte LC4 in den letzten Jahren doch ziemlich weit entfernt hatte.
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Foto: KTM
Die 690er wird zudem deutlich leichter als die Vorgängerin, um die 150 Kilogramm vollgetankt sollten im Rahmen der Möglichkeiten liegen. Die Unterschiede zwischen Supermoto und Enduro sind tiefgreifender, als man auf den ersten Blick vermutet. Das beweist schon der etwa zwölf Liter fassende Hecktank der Offroad-Version, während die Supermoto ihren Spritvorrat konventionell vor dem Sitz bunkert. Auch die Rahmengeometrie ist dem Geländeeinsatz angepasst.

Nachdem die 690 Supermoto als Lifestyle-Maschine mit ihren – durchaus umstrittenen – Auspufftöpfen neue Käuferschichten erschließen soll, folgt 2008 für die typisch sportlich orientierte KTM-Klientel die 690 SMC. Eine vom Design her eher konventionell gestaltete, leichtere Sportvariante, vermutlich abgeleitet von der Enduro mit oben liegendem Auspuff. Das Potenzial der SMC darf der Fahrer auch mal auf der Kartstrecke ausloten, sie ist vermutlich kaum langsamer als die echten Rennmaschinen. Die 690 Duke mit Auspuff unterm Motor wurde bereits in MOTORRAD 17/2007 als Prototyp gezeigt, sie wird ebenfalls im Herbst auf den Messen präsentiert und kommt wie die beiden anderen Versionen im Frühjahr auf den Markt. Ob irgendwann später eine RC4, also ein vollverkleideter Sporteinzylinder für die Knieschleiferfraktion, folgt, ist hingegen noch nicht entschieden. Erste Prototypen (siehe MOTORRAD 15/2007) laufen momentan im Versuch. SoS-Freaks dürfen also noch ein bisschen träumen.

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