Neuheiten: Neuer Design-Trend Tracker im Trend

Wenn ein Customizer aus Kalifornien, ein spanischer Hersteller, ein schwäbischer Triumph-Händler und viele andere unabhängig voneinander dieselbe Idee verfolgen, zeichnet sich ein neuer Design-Trend ab: Inspiriert von der amerikanischen Dirt-Track-Szene entstehen luftige Motorräder für Stadt und Landstraße.

Foto: Motorcorner

Wie alle konsequent konstruierten Rennmotorräder sind Dirt-Tracker reine Zweckbauten. Geschaffen, um auf erdigen Ovalpisten von einer oder einer halben Meile Länge linksherum und möglichst schnell ihre Runden zu drehen.

Als effizienteste Fahrtechnik hat sich dabei das Driften erwiesen. Vor den Kurven ziehen die Fahrer ihre Motorräder durch einen energischen Lenkimpuls und Einsatz der Hinterradbremse quer zur Fahrtrichtung, bremsen seitwärts rutschend ab und geben gleich wieder Gas, um mit durchdrehendem Hinterrad quer stehend die Kurve zu vollenden. Zur Abstützung dient das ausgestellte linke Bein, dessen Fuß durch eine gleitende Stahlsohle geschützt wird.



Konsequenterweise verzichten echte Dirt-Track-Renner auf eine Vorderradbremse. Die Auspuffanlage verläuft meist auf der linken Seite, während rechts eine ergonomisch günstige Kontaktfläche für das kurvenäußere Bein geschaffen wird, das auf der Fußraste steht. Ein speziell gekröpfter Rohrlenker schafft den nötigen Hebelarm, um feinfühlig die Drifts auszusteuern. Der Rest ist rasch aufgezählt: Stahlrohrrahmen, Schwinge, Gabel, Getriebe, Räder, Sitzbank, Heckbürzel, Motor. Mehrheitlich XR 750-V-Twins von Harley-Davidson. Zusammengeschraubt ohne jede gestalterische Ambition.



Und dennoch hat sich in den rund 100 Jahren, seit diese erzamerikanischen Bahnrennen ausgetragen werden, ein Formenkanon, ein typisches Design entwickelt. Design meint im Verständnis der Amerikaner die technische, in Europa dagegen die optische Gestaltung eines Gegenstands und beschreibt mit dieser transatlantischen Doppeldeutigkeit genau das, was Dirt-Track-Rennmaschinen in den Augen ihrer Betrachter drüben und hüben ausmacht: In den USA sind sie die Voraussetzung für Show und Sieg, in Europa entfalten sie losgelöst von Action und Motorendonner einen starken optischen Reiz.

Offenbar entspricht der puristische Look der Dirt-Tracker dem Bedürfnis vieler Menschen nach einer dynamischen Art von Schlichtheit, einem Gegenpol zur Technik an der Grenze des Machbaren. Singlespeed-Fahrräder ohne Gangschaltung, mit klassischen Stahlrahmen und handgefertigten Speichenrädern aufgebaut, wirken ähnlich faszinierend.

Selbstverständlich wird kein Umbauer, der seine Maschine tatsächlich auf der Straße fahren will, den Dirt-Track-Stil eins zu eins umsetzen können. Ohne Beleuchtung, Vorderradbremse, Kennzeichen und wenigstens einen Rückspiegel kommt man nicht weit. Deshalb bleibt die Hellfire auf Bonneville-Basis von Triumph-Händler Wahl in Wangen bei Göppingen ein reines Showbike, dafür ist eine zulassungsfähige Hellfire auf Basis einer Street Triple schon weit gediehen. Allenthalben ist die Arbeit an cleveren Detaillösungen im Gange. Weil die platt vor den Lenkkopf gehängte Startnummerntafel ein wichtiges Stilelement bildet, hat der Kalifornier Gregg Desjardins bei seinem Tracker (mehr ab Seite 138) viel Mühe darauf verwendet, den Scheinwerfer in eine solche Platte zu integrieren. Die Designer von Derbi fanden eine elegante Möglichkeit, in einem Dirt-Track-Heckbürzel Rückleuchte und Blinker zu installieren. Das lässt auf weitere schöne Motorräder hoffen.



Zwei Kollegen von MOTORRAD spielen ebenfalls mit Tracker-Stilelementen. Die Frontpartie von Mini Kochs im Umbau befindlicher Suzuki GS 400 kommt den Vorbildern sehr nahe, die CX 500 C von Thorsten Dentges wandelt sich allmählich zum gechoppten, coolen Stadtflitzer. Und der Autor selbst dachte intensiv über einfache Technik nach, als er beim Wiederaufbau der ehemaligen Dauertest-Fireblade 38 Steckverbindungen zusammenstöpselte.

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