Neuheiten von Buell, Harley-Davidson und Moto Morini, Triumph-Erlkönig, neues zur Yamaha Vmax und Suzuki GSX-R 125 Zwischen Plan und Wirklichkeit

Auf dem Weg zwischen diesen beiden Polen sind die Motorräder dieser Geschichte unterschiedlich weit
gekommen. Eine Harley und eine Buell schon bis zu den Händlern, zwei Morinis immerhin auf eine Motorrad-Messe. Zwei Prototypen waren kurz in der Öffentlichkeit zu sehen, und ein Projekt scheint noch sehr umstritten.

Sie wurden im falschen Moment erwischt. Testredakteur Rolf Henniges und Fotograf Rossen Gargolov hatten eben eine Fotoproduktion mit der Moto Guzzi Stelvio (siehe MOTORRAD 3/2008) beendet und standen am Straßenrand. Der eine kramte nach trockenen Handschuhen, der andere packte seine zimmergroße Kameratasche, als ein ungewöhnliches Motorrad vorbeifuhr. Zunächst wirkte es wie eine MV Brutale mit neuem Scheinwerfer, dann überschlugen sich die Eindrücke. Der Motorklang passt nicht, kein Reihenvierzylinder, das muss ein V ..., aber kein V2 ... Das war die neue Vmax. Henniges pfiff auf Handschuhe, stülpte sich den Helm über und hechtete mit der Guzzi hinterher, nur um wenige Kurven später an eine Abzweigung zu gelangen, die vier Wege eröffnete. Leider entschied er sich für den falschen, die Vmax war weg. Doch was er gesehen hat, reicht für einen Vergleich mit der hier gezeigten Computerretusche. Diese basiert auf einer von Yamaha schon mehrmals präsentierten Studie und trifft die Frontpartie mit dem kleinen Scheinwerfer recht genau. Die Ansaugrohre an der Tankattrappe wurden für die Tests möglicherweise durch dezentere Teile ersetzt, denn Kollege Henniges hat sie als nicht so auffällig in Erinnerung. Die Kühlerpartie, da ist er sich sicher, war im Vergleich zur eher hemdsärmeligen Installation der Studie sorgfältiger gestaltet. Auch das Heck wirkte zierlicher als der massive Aufbau des Showroom-Bikes. Es geht also voran mit der Vmax, sie soll noch in diesem Jahr präsentiert werden. Einige Tage nach der Begegnung lieferte das Italien-Netzwerk von MOTORRAD die Information nach, dass neben der Vmax die neue Super Ténéré und die nächste R1 erprobt würden. Weiter fortgeschritten, nämlich ab sofort erhältlich ist die neue Harley-Davidson FLSTSB Cross Bones.
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Foto: Computerretusche
Das soll an die gekreuzten Knochen von Piratenflaggen und Rocker-Emblemen erinnern, und dementsprechend ist das Motorrad weitgehend in Böse-Buben-Schwarz gehalten. Die Oberflächen der Auspuffe, Zylinderdeckel oder Federn und des Dämpfers an der Springer-Gabel kontrastieren damit. Wer hellere Farben will, kann unter drei weiteren Lackierungen, zum Beispiel olivgrün, wählen. Technisch bietet die Cross Bones den neuesten Stand, also den 73 PS starken Twin Cam 96 B mit Ausgleichswellen, Einspritzung sowie dem klangkulturell wertvollen Auspuffklappensystem – wo nicht gemessen wird, darf’s bollern. Komplettiert wird die Antriebseinheit von einem Cruise-drive-Sechsganggetriebe und Zahnriemenantrieb. Die Cross Bones kostet ab 19195 Euro. Im Harley-Land USA genießt Triumph traditionell einen guten Ruf, den die Briten in jüngster Zeit mit der Rocket III wieder mächtig aufgefrischt haben. Weil es sich aber nicht jeder leisten kann, mit einem 2,3-Liter-Big-Block durch die Lande zu cruisen, hat Triumph einen 1700er-Twin entwickelt. Hauptsächlich, doch nicht ausschließlich für die USA bestimmt, soll er noch in diesem Jahr präsentiert werden.

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Foto: Breutel

Blick in die Zukunft

Was dem Gespann Henniges/Gargolov verwehrt blieb, glückte dem walisischen Motorradfan Richard Carr’att: Er erwischte einen Prototyp per Handygrafie. Auf seinem Foto ist die enorme Größe des Reihenzweizylinders zu erkennen, dessen Auspuffkrümmer wie bei den historischen Bonnevilles seitlich ausschwingen. Das schafft Platz für eine schmale, hohe Kühlerfront, sozusagen einen Kühlturm. Ob die beiden Kolben als Gleich- oder Gegenläufer arbeiten oder gar wie beim Thruxton-Motor mit 270 Grad Versatz, ließ sich nicht in Erfahrung bringen.

Auf einer kleineren Motorradmesse, der Bike Expo im italienischen Padua, überraschte Moto Morini mit zwei neuen Modellen: der 1200 Sport und der Scrambler. Beide tragen den bekannten 87-Grad-V2-Motor mit 1200 cm³ in der Version mit 117 PS und 102 Newtonmetern. Vom Gitterrohrrahmen über die 50-Millimeter-Upside-down-Gabel und das Mono-Federbein bis zu den Bremsen und Rädern stammen sämtliche Komponenten von italienischen Zulieferern. Wie der Name sagt, zielt die Sport mit 17-Zoll-Rädern und flachem Lenker auf sportliche Fahrer und unterstreicht dies durch den weißen Rahmen und die orange-blaue Lackierung im Stil des Ford GT40, des legendären Le Mans-Siegerautos. Die schwarzweiße Scrambler hingegen signalisiert mit ihrem 19-Zoll-Vorderrad und den Offroad-Reifen Karoo von Metzeler eine gewisse Geländetauglichkeit. Der in Padua gezeigte Lenker wird in der Serie gegen ein höheres Modell getauscht. Beide Motorräder verfügen über einen 21-Liter-Tank und bekommen ein reiches Zubehör­programm, zu dem unter anderem Koffer und Tankrucksack gehören. Die 1200 Sport gibt es außer in Orange-Blau auch in Grün-Gelb. Sie soll im April erscheinen und wird voraussichtlich 11600 Euro kosten. Im Juli folgt die Scrambler für 11700 Euro.
Foto: Buell
Viel Zubehör ist bei der Buell Ulysses XB12XT schon im Kaufpreis von 12299 Euro plus Nebenkosten enthalten. Ein kompletter Koffersatz von Hepco/Becker etwa, ebenso ein Windschild, Heizgriffe und Handprotektoren. Leicht gekürzte Federwege reduzieren die Sitzhöhe auf 782 Millimeter. Mit dem Verzicht auf den BMW imitierenden Entenschnabel und dank eines normalen Vorderradkotflügels lässt diese Ulysses-Variante auch keine irreführenden Offroad-Assoziationen mehr aufkommen. Eine solche Klarheit ist im Zusammenhang mit der Suzuki GSX-R 125 nicht zu erzielen. Vom britischen Suzuki-Importeur war zu hören, der Kleinsportler sei eigentlich schon verspätet, werde aber immerhin ab 2009 gegen die Honda CBR 125 R und die Yamaha YZF-R 125 antreten. Ein Sprecher von Suzuki Deutschland schloss dies für die nächsten drei Jahre aus. Offenbar bildet sich hier eine Auseinandersetzung ab – zwischen den Deutschen, die einen modernen Vierventilmotor fordern, um leistungsmäßig gegen die Yamaha gerüstet zu sein, und den Briten, die möglichst früh konkurrieren wollen. Und sei es mit dem alten, kreuzbraven Zweiventiler.

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