Neuheiten von Honda, Triumph, Benelli, Erlkönige von Aprilia und KTM (Archivversion) Spannende Zwischenzeit

Es ist die Zeit zwischen den großen Motorrad-Messen von Paris, Mailand und Tokio, doch die Spannung ebbt nicht ab. Im Gegenteil: Ständig neue Nachrichten, Fotos von Studien, Erlkönigen und Prototypen halten die Neuheitenbörse auf Trab.

Fortschritt durch Schaltfaulheit – in Sachen innovativer Motorradtechnik könnte dies der Trend des Herbsts werden. Die Aprilia NA 850 Mana kam eben auf die Straße, die Yamaha FJR 1300 AS wurde wie der Großroller Tmax 500 jüngst modellgepflegt, und nun macht Honda Ernst mit der Automatik im Motorrad.
Auf der Tokyo Motor Show vor zwei Jahren stellte Honda, der größte und technisch avancierteste Motorradhersteller der Welt, die DN-01 vor, damals noch als Studie. Ein Tourenmotorrad mit dem 680er-Motor der Deauville, rollerähnlich tiefer Sitzbank und einem Automatikgetriebe, dem sogar regelrecht humanitäre Qualitäten zugeschrieben werden. Human-Friendly-Transmission (HFT), zu deutsch »menschenfreundlicher Antrieb«, wird das System genannt. Jetzt, rechtzeitig vor Beginn der nächsten Motor Show, gab Honda bekannt, das Motorrad in Serie produzieren zu wollen. Honda Europe North in Offenbach bestätigte, dass die DN-01 auch in Deutschland angeboten wird.
Das Herzstück des Antriebskonzepts besteht aus einem kompakten Getriebe, in dem das Drehmoment des Motors zunächst in Öldruck umgesetzt wird, ähnlich einer Pumpe. Über ein Gleitstück und eine Taumelscheibe kann dann das hydrau­lische Übersetzungsverhältnis zwischen »Pumpe« und der zweiten Stufe, dem Hydromotor, welches für das entsprechende Drehmoment am Getriebeausgang sorgt, stufenlos variiert werden. Drei verschiedene Schaltmodi sind möglich, normal mit moderaten oder sportlich mit höheren Drehzahlen sowie mit sechs festen Gangstufen. Bei Erreichen der direkten Übersetzung stellt die Automatik auf starren mechanischen Durchtrieb, um die Motorleistung möglichst verlustfrei zu übertragen und Benzin zu sparen. An weiteren Besonderheiten erkennbar sind auf dem Foto der DN-01 ein ABS-Sensorkranz im Vorderrad sowie ein Dreikolben-Schwimmsattel, wie ihn Honda bei Verbundbremssystemen verwendet.
Auf solche Raffinessen verzichtet die Triumph Rocket III Touring leichten Herzens. Ihre fünf Gänge werden per Fuß geschaltet, die Räder unabhängig von­einander und allein vom Fahrer dosiert verzögert. Nur klassische Zutaten allenthalben, die aber aus dem Vollen geschöpft werden. Für den Tourer-Einsatz musste der 2,3 Liter mächtige Dreizylinder 32 PS (es bleiben 108 PS) an Spitzenleistung abgeben, erreicht jedoch ein maximales Drehmoment von 208 Newtonmeter. Es liegt bereits bei 2000/min an, womit angedeutet ist, dass die Kurve fülliger ausfällt als bei den anderen Rocket-Modellen.
Dafür begnügt sich der sechzehnzöllige Hinterreifen mit 180 Millimeter Breite, was den Riesendampfer handlicher macht und ihm laut Auskunft eines Triumph-Mitarbeiters, der ihn bereits gefahren ist, zu einem besseren Lenkverhalten verhilft als bei der Standard-Rocket mit ihrem 240er. Und das, obgleich die Touring im fahrfertig vollgetankten Zustand satte 395 Kilogramm wiegt. Wie es sich gehört, gehen da immer noch 220 Kilogramm Zu­-ladung obendrauf. Ab Januar 2008 wird das neue Rocket-Modell in Deutschland bei den Händlern stehen, und zwar zum Preis von 18990 Euro plus Nebenkosten. Wer nicht auf den Euro schauen muss, findet in einer Auswahl von 70 Zubehör­teilen reichlich Gelegenheit, seine persönliches Exemplar noch weitaus kostbarer ausstatten zu lassen.
Die Benelli-Mannschaft arbeitet zurzeit daran, die Modellpalette nach unten zu erweitern. Der bereits im Herbst 2006 als Prototyp präsentierte Motocrosser BX 505 ist fast serienreif, ebenso eine Supermoto-Variante. Und der 753er-Zweizylinder mit Namen Due wird in seiner endgültigen Form Anfang November in Mailand präsentiert. Die Lücke zwischen diesen Motorrädern und den stämmigen 1130er-Dreizylindern werden zwei neue 899er-Versionen des kultigen Naked Bikes TnT schließen: die Basisversion für 9950 Euro sowie die Sport mit einstellbarer Gabel und gestufter Sitzbank für 10490 Euro.
Aprilia hat in diesen Wochen die ersten SL 750 Shiver an die deutschen Händler ausgeliefert und lässt der Ankündigung, auf Basis ihres Motoren- und Fahrwerkskonzepts neue Modelle zu entwickeln, sogleich Erlkönige folgen. Um genau zu sein: eine zierliche Motard mit längerer, einstellbarer Gabel und geänderter Schwinge. Von den bewährten, verhässlichenden Tarn­maßnahmen, die man an solchen Motorrädern gerne einsetzt – man beachte das aparte Klebestreifendesign der Schwin­ge (siehe linke Seite) – sollte sich der Betrachter nicht täuschen lassen. Die Motard ist bereits recht weit gediehen. Anfang November wird sie auf der Mailänder Messe vorgestellt, im kommenden Frühjahr soll sie bereits bei den Händlern stehen. Angesichts der bereits abgeschlossenen Homologation der Shiver erscheint dieser Termin sogar realistisch. Allerdings war gerüchteweise vom Wechsel auf ein anderes Einspritzsystem zu hören; es könnte also sein, dass die nötige Abstimmungsarbeit Verzögerungen mit sich bringt.
Der zweite Erlkönig dieser Geschichte – die KTM 990 Supermoto – bewegt sich diesbezüglich in erprobten Bahnen. Schließ­lich ist der 990er-Motor mit Einspritzung, welcher dann auch in der Super Enduro anstelle des 950ers zum Einsatz kommen soll, nur für sie eine Neuerung, von den Adventure- und Superduke-Modellen dagegen bereits bestens bekannt. Trotzdem scheint der Motorwechsel nicht so leicht und rasch vonstatten zu gehen, dass die neuen Modelle noch in diesem Herbst vorgestellt werden könnten. Die aus den Tiefen der Elektrik in den Tankrucksack führenden Kabel deuten auf die emsige messtechnische Erfassung des bisherigen Entwicklungsstands.

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