Neuheiten von KTM und Royal Enfield, Studien von Suzuki und Triumph Zum Nachtisch

Die eine oder andere Neuheit wurde bisher etwas stiefmütterlich behandelt, außerdem präsentierte sich manche bekannte Maschine mit interessantem neuem Zubehör. MOTORRAD hat sie als Dessert angerichtet.

Foto: Mitterbauer
Sie kam aktuell ins letzte MOTORRAD und deshalb etwas kurz: die KTM 990 Supermoto. Dabei erforderte die Neuauflage des letzten zweizylindrigen Vergaser-Mohikaners von KTM mehr als das Zusammenstecken bekannter Baugruppen. Viel Detailarbeit war zu leisten.

Der 990er-Motor mit Einspritzung etwa, nötig geworden durch die obligatorische Euro-3-Abgasnorm, wurde nicht eins zu eins aus der Adventure oder der leistungsstärkeren Super Duke übernommen, sondern eigens für die Supermoto abgestimmt. Ziel war es, die Charakteristik der ursprünglichen 950er zu erhalten, deren Leistung sich anders als bei der explosiven Super Duke, nämlich sanfter, fast perfekt linear entfaltete. Wohl deshalb geriet die 990 Supermoto mit 115 PS nicht ganz so kräftig wie die Super Duke, der Zuwachs gegenüber dem Vorgängermodell beträgt immer noch stolze 17 PS.
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Womit der nächste Aufwand bereits programmiert war. 115 PS machen erhebliche fahrwerkstechnische Vorkehrungen notwendig. Mehr Offset der Gabelholme sorgt für einen kürzeren Nachlauf. Und weil Fahrwerksunruhen bei unverkleideten Motorrädern häufig durch starken Auftrieb am Vorderrad entstehen, wurde die Sitzbank mitsamt der Frontpartie so umgestaltet, dass der Fahrer jetzt etwa zwei Zentimeter weiter vorne sitzt als zuvor, also mehr Gewicht aufs Vorderrad bringt. Relativ harte Gabelfedern, die mit viel Negativfederweg gefahren werden, dienen dem gleichen Ziel.

Im Verborgenen, doch hiermit wenigstens nicht mehr unerwähnt bleiben Fortschritte in der Verarbeitungsqualität wie etwa die höherwertigen Steckverbindungen oder die besseren Polster- und Bezugsmaterialien für die Sitzbank. Die aufgewertete 990 Supermoto soll Ende Januar produziert werden und kommt im Februar für 11595 Euro plus etwa 200 Euro Nebenkosten in den Handel.
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Foto: raptorsandrockets.com

Suzuki

»Aufgewertet« ist auch der passende Begriff zur Beschreibung der Suzuki Bandit 1250 GT, wie sie vor Kurzem auf der Birminghamer Messe NEC gezeigt und genannt wurde. Denn obwohl das Aussehen und die Zusatzbezeichnung einen neuen Tourer suggerieren, handelt es sich um ein normales S-Modell, das mit Verkleidungskit, Koffersatz und Navigationssystem aus dem Suzuki-Zubehörangebot aufgebrezelt wurde. Für rund 2900 Euro. Nichts, was man nicht auch hierzulande haben könnte, wie Bert Poensgen von Suzuki Deutschland etwas knurrig bemerkte. Darüber hinaus zeigt die GT, wie nahe Suzuki mit Bandit-Technik einem speziell konstruierten Tourer kommt. Der größte Aufwand wäre die Entwicklung eines Kardanantriebs. Oder besser Wiedererweckung, denn die GSX 1100 G aus den neunziger Jahren besaß ja bereits einen Kardan, der für hohe Leistungen und Gewichte ausgelegt war. Neben dem Motor das Einzige, was an der 1100 G überzeugen konnte.
Computerretusche: Triumphchepassione.com

Triumph

»Triumph ist bekannt dafür, ganze Baureihen zu produzieren und nicht nur einzelne Modelle.« Dies war der einzige Kommentar von Uli Bonsels, Pressesprecher von Triumph Deutschland, über die Gerüchte um eine Tiger 675. Immerhin widerspricht er nicht einer Nachricht aus anderer Quelle, die von einem neuen Triumph-Modell spricht, das Mitte 2008 für die folgende Saison präsentiert werden soll. Die hier gezeigte Computerretusche ist zwar in Sachen Federwege und Fahrhöhe noch zu nahe bei der Street Triple, eine Tiger würde deutlich höher ausfallen. Die Linien von Verkleidung und Sitzbank geben indes schon einen passablen Eindruck von einer möglichen Design-Option.
Foto: MCN
Einen ähnlichen Versuchsballon wie bei der Bandit mit Touring-Zubehör startete Triumph in Gestalt einer Scrambler und einer Thruxton. Sie wurden mit Triumph- und Harris-Zubehörteilen veredelt. Die Schrambler, mattschwarz, mit Stollenreifen und Scheinwerfergitter, tendiert in Richtung Militärmotorrad, ihr puristischer Look übt freilich auch auf Zivilisten einen starken Reiz aus. Eine hochgezogene Arrow-Auspuffanlage mit minimalem Dämpfervolumen und Öhlins-Federbeine gehören zum Paket. Noch viel mehr Öhlins bietet die rot lackierte Thruxton, die ihr eher traditionalistisches Sportlertum mit einer Frontpartie vom Modernsten und Feinsten kombiniert. Zur schwedischen Upside-down-Gabel gesellen sich noch radial verschraubte Brembo-Vierkolbenzangen und 320er-Bremsscheiben.

Wegen des Zuspruchs, den diese beiden Ausstattungsvarianten auf den Messen in Mailand und Birmingham erfahren haben, denkt Triumph darüber nach, einige der Komponenten, die von Harris stammen, ins eigene Programm aufzunehmen. Ob es auch komplette Sondermodelle gibt, ist noch nicht entschieden.
Foto: MCN

Royal Enfield

Royal Enfield scheint sich in einer Art indisch-europäischem Zwiespalt zu befinden und hält sich deshalb in Sachen neuem Motor sehr zurück. Schon vor zwei Jahren gab es Exemplare, die über 100000 Kilometer in der Dauererprobung gelaufen waren, und für Indien wäre der als überaus sparsam angekündigte und kostengünstig herzustellende Einzylinder genau das richtige Triebwerk. Mit 30 PS sogar ein veritables Prestigeobjekt.

Doch ob er das bietet, was europäische und US-amerikanische Fans in einer Enfield suchen, ist unsicher. Die stehen auf die echte alte Technik, die seit den 1950er Jahren ohne Unterbrechung produziert wird. Zuerst in England, dann in Indien. Wie sie auf das erste Modell mit dem neuen Motor, die Modern Classic, reagieren, wird sich im Frühjahr zeigen. MOTORRAD kann demnächst Fotos vom kompletten Motorrad zeigen.

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