Neuheiten von Suzuki, Kawasaki und KTM (Archivversion) Phantombild

Phantombild zeichnen einmal anders: Statt Haare dunkler lieber Scheinwerfer tiefer, Verkleidung offener und so weiter. Bei dieser kriminalistischen Arbeit halfen Zeugen, welche die Vorformen der neuen GSX-R 1000 und anderer Projekte bereits sehen durften.

Mancher mag es vielleicht nicht mehr hören, doch das Thema wird noch lange aktuell und von höchster Wichtigkeit bleiben: die Euro-3-Abgasnorm als Anlass für Änderungen, Neuerungen und tief greifende Eingriffe in lange gepflegte Entwicklungslinien. Auch die Nachfolgerin der Suzuki GSX-R 1000, die im September präsentiert wird, bleibt davon nicht unberührt. Wie schon jetzt zu erfahren war, nimmt die Supersportlerin um etwa den gleichen Betrag an Gewicht zu wie die aktuelle Kawasaki ZX-10R, also etwa sechs Kilogramm. Des Weiteren kann es passieren, dass die aufwen-dige Abgasreinigung, vermutlich mit zwei Katalysatoren, und die Neuabstimmung des Motors sogar eine Abkehr vom Suzuki-typischen seitlichen Auspufftopf erfordert. Zwar hat die Euro-3-Homologation bei der 600er- und 750er-GSX-R auch mit den
originellen seitlichen Auspuffstummeln geklappt, doch eine 1000er mit rund 170 PS hat eben einen wesentlich größeren Durchsatz, braucht mehr Dämpfer- und Kata-
lysatorvolumen. Zudem kommen, vereinfacht ausgedrückt, lange Auspuffrohre dem Drehmoment zugute. Dies alles ist an kompakten Supersportlern am leichtesten unterzubringen, wenn die Schalldämpfer bis unter das Heck gezogen werden.
Der Kronzeuge in Sachen Suzuki GSX-R 1000 hat Zeichnungen oder Modelle
gesehen, die in diesem Punkt noch un-
entschieden waren, konnte folglich keine
Angaben zur Auspuffkonfiguration machen. Er ist aber überzeugt davon, dass die
Suzuki-Ingenieure sich mit Klauen und Zähnen gegen den Verzicht auf das von ihnen gepflegte Konzept wehren werden. Das meinen auch die Redakteure von MOTORRAD, doch Computerzeichner Jean-Marie Guerin und seine »french connection« befürchten, die Underseat-Auspuffe würden den Entwicklern nicht erspart bleiben.
So oder so bleibt die GSX-R 1000 ein homogen gestaltetes Motorrad in typischem
Suzuki-Look. Allerdings ändern sich Form und Anordnung des Scheinwerfers und seiner Nebenleuchten, wodurch sich das Flaggschiff bei aller Ähnlichkeit zu den kleineren Schwestern in einem markanten Bereich von diesen unterscheidet.
Vor einer ähnlichen Aufgabe, wenngleich in einem anderen Segment, steht
die Designabteilung von Kawasaki bei der Gestaltung der neuen Z 1000. Es gilt, ein erfolgreiches Motorrad zu modernisieren und trotzdem seine spontane Erkennbarkeit als Z 1000 zu erhalten. Klar, dass es unter solchen Vorgaben bei den vier Endrohren der Auspuffanlage bleiben wird.
Groß in Mode stehen bei Kawasaki seit einigen Jahren vordere Blinker, die in Voll- oder kleine Kühlerverkleidungen integriert sind. Diesem Trend wird sich die neue
Z 1000 nicht entziehen; sie erhält dazu eine seitliche Maskierung des Kühlers, die möglicherweise sogar großflächiger ausfällt als in der hier gezeigten Computer-
retusche. Wie ein japanischer Journalistenkollege zu erzählen wusste, bleibt der Stahlrohrrahmen der Z 1000 weitgehend erhalten, ähnlich wie bei den ER-6-Modellen bekommt er jedoch zwei seitliche Züge, die vom Zylinderkopf bis in den
Bereich der Schwingenlagerung reichen. Aus gleicher Quelle stammt übrigens die
Information, dass mit der Z 1000 auch die
Z 750 modernisiert wird.
Zum Motor der nächsten großen Z
gab es noch keine sicheren Informationen. Wegen seines attraktiven Äußeren empfiehlt sich der bisher verwendete Vierzylinder, selbstverständlich leistungsgesteigert, in Sachen Leistungsentfaltung verbessert und – da war’s wieder – nach Euro 3
homologiert. Andererseits haben Honda mit der CBF 1000 und Yamaha mit der FZ1 offen gelegt, dass es Produktionskosten spart, ein Supersporttriebwerk modernster Bauart moderat gedrosselt auch in einem
anderen Motorradtyp zu verwenden, weil die Entwicklungs- und Teilekosten auf eine höhere Stückzahl umgelegt werden können. Im Fall des ZX-10R-Triebwerks könnte es sich zudem kostensenkend auswirken, da es bereits die geforderte Abgasnorm erfüllt, was eine Menge Mess- und Abstimmarbeit erspart. Computerzeichner Hugo van Waaijen hat deshalb diesen Vierzylinder in die Z 1000 eingebaut. Mal sehen, welche Lösung Kawasaki bevorzugt.
Womit diese Geschichte den Bereich des kriminalistischen Kombinierens und Sammelns von Indizien verlässt und sich ganz konkreten Neuheiten zuwendet. Den Modellpflegemaßnahmen an der Suzuki
V-Strom 650 nämlich und zwei pixeligen, trotzdem faszinierenden Fotos, die einiges über den neuen Einzylinder von KTM verraten. Zunächst zur kleinen V-Strom. Sie rüstet sich fürs folgende Modelljahr, das
ab sofort beginnt, mit ABS, und deshalb mussten die Räder, Bremsscheiben, -zangen sowie die Lenkerarmaturen überarbeitet werden. Außerdem erhielt sie eine längere Schwinge. Ein weiteres Paket von Maßnahmen umfasst die Modifikation des Motors wegen – logisch – Euro 3. Der kultivierte und kräftige V2 bekam Doppelzündung, Luftfilterkasten sowie Schalldämpfer wurden geändert und die Zünd-/Einspritzanlage angepasst. Die Motor-Modifikationen dürfte bald auch die SV 650 erhalten, Spekulationen um eine SV 700, wie sie
auf verschiedenen Internetseiten zu finden waren, sind damit haltlos. Der Preis der 650er-V-Strom mit ABS erhöht sich gegenüber dem bisherigen Modell um 210 Euro. Ein mehr als faires Angebot.
Obgleich er von der Serienreife noch ein gutes Stück entfernt ist, meldet sich ein nagelneuer Einzylinder von KTM bereits mit kräftiger Stimme zu Wort. Bei
der Sardinien-Rallye hat der Prototyp mitgedonnert, tagsüber unverdächtig unter einer ausladenden Verkleidung verborgen. Merkwürdig war nur die Antriebskette auf der linken Seite statt wie beim LC4-Motor rechts. Abends beim Service offenbarte sich dann ein Gitterrohrrahmen, in dem ein zierlicher Single mit aufrecht stehendem, eventuell sogar leicht nach hinten geneigtem Zylinder hing – genau lässt sich das nicht erkennen. Der Zylinderkopf, der nach Art der V2-Köpfe aufgebaut scheint, ist jedoch nicht umgedreht; der Einlass sitzt in Fahrtrichtung hinten, die Airbox unter der Sitzbank. Zu diesen Details wollte ein KTM-Sprecher keine Auskunft geben, bestätigte aber immerhin, dass dieses Motorrad tatsächlich der Prototyp einer neuen Einzylinder-Reihe sei, die mit einer Supermoto eröffnet werde. Aus knapp 700 cm3 Hubraum soll der Motor über 60 PS schöpfen, die Supermoto damit über 200 km/h schnell sein. Da BMW und nach jüngsten Gerüchten auch Husqvarna an ähnlichen Projekten arbeiten, scheint eine glorreiche Einzylinder-Renaissance bevorzustehen.

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