Neuheiten: Vorstellung Honda Fury Puristischer Japan-Chopper

Die Honda Fury besticht nicht nur durch gelungene Formen und Proportionen, sie strahlt dabei auch noch eine raffinierte Schlichtheit aus.

Foto: Honda
Am 16. Januar dieses Jahres wurde die Honda Fury in New York der amerikanischen Presse vorgestellt, in Kürze werden die ersten Motorräder in den USA ausgeliefert. Damit nicht genug, die Fury wurde hauptsächlich in den USA entwickelt und wird dort gebaut, sie ist also ein fast komplett amerikanisches Motorrad. In der deutschen Honda-Niederlassung beantwortete man Mitte Januar die Frage nach einem Europa-Import noch freundlich-indifferent und abwartend. Mittlerweile kommen von derselben Adresse deutliche Signale, die anzeigen, dass die Fury während einer der Herbstmessen in Europa vorgestellt und in der Saison 2010 auch in Deutschland angeboten wird. Honda müsste dann allerdings den Motor, welcher baugleich mit dem der bis 2007 in Europa angebotenen VTX 1300 ist, nach Euro-3-Norm homologieren. Der mit 89,5 Millimeter Bohrung und 104,3 mm Hub ausgesprochen langhubige V2 erfüllte zuletzt nur Euro 2 und leistete in dieser Spezifikation 75 PS. Wahrscheinlich erfolgt dann im gleichen Zug die Wiedergeburt der VTX 1300 in Europa. Der 1312er mit den leicht verdrehten Zylinderköpfen repräsentiert eine Verbindung moderner Technik und klassischer Stilelemente. Dank seiner Kühlrippen sieht er aus wie ein klassisch amerikanischer, luftgekühlter V2-Motor und ist doch wassergekühlt. Den dazugehörigen Radiator setzten die Designer der Fury geschickt zwischen die beiden Rahmenunterzüge; so ist von der Seite nur eine kurze, verschämte Schlauchverbindung zu sehen und auch von vorne betrachtet bleibt der Kühler sehr diskret. Das entspricht genau der von Harley-Davidson und Victory bestimmten amerikanischen Schule des Motorradbaus, die Elektro- oder Kühlsysteminstallationen möglichst versteckt, um den Schwung der Linien nicht durch eine Vielzahl von Kabeln und Schläuchen zu unterbrechen. Doch die wohlgeordnete Technik ist nur ein Teil dessen, was die schlichte Eleganz der Fury ausmacht. Ein weiterer Teil besteht in der konsequenten Trennung der einzelnen Baugruppen. Der Tank beinhaltet keine zusätzliche Airbox oder ein Werkzeugfach und trägt auch keine Instrumente, der luftige Rahmen aus schlanken Stahlrohren ist nur Rahmen und sonst nichts. Die Teile der Fury haben keine Nebenjobs und setzen sich auch optisch klar voneinander ab, selbst bei der einfarbig in Silbermetallic lackierten Variante der Fury. Mit anthrazitfarbener Lackierung von Tank und Kotflügeln verstärken sich die Kontraste noch.
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Foto: Honda

Ausstattung und Komfort

Als zweite Abweichung vom amerikanischen Technikkanon neben der Wasserkühlung leistet sich die Fury statt des in Amerika weit verbreiteten Zahnriemen-Sekundärtriebs einen Kardanantrieb. Was das Entwicklungsteam nicht unkommentiert lassen wollte. Im Pressetext verweist man auf "große Anstrengungen", die man unternommen habe, um den Antriebsstrang möglichst gefällig zu gestalten. Das mutet kurios an, weil ein Riemenantrieb à la Harley oder Victory ja nicht unbedingt schöner aussieht als die wohlgeformte Metalltrommel des Fury-Hinterachsgetriebes. In vollkommener Übereinstimmung mit den US-Standards stehen hingegen die knapp 68 Zentimeter Sitzhöhe der Fury-Sitzbank, welche die beiden Oberzüge des Rahmens wirklich nur noch um Polsterstärke überragt. Die in die Dreiecke zwischen der Schwingenaufnahme und den Oberzügen eingepassten Abdeckungen verbergen das in der Zugstufe und fünffach in der Federvorspannung einstellbare Federbein der Fury – wie die Softail-Harleys bietet sie Hardcore-Starrrahmen-Optik und Federungskomfort gleichermaßen.

In den USA kostet die Fury in der Basisausstattung 12999 Dollar, das entspricht nach dem derzeitigen Kurs 9555 Euro. In matter Silbermetallic-Lackierung kostet sie 500 Dollar oder 367,57 Euro mehr, noch mal der gleiche Betrag wird für ein optional erhältliches ABS fällig. Angesichts dessen darf man auf die „europäischen“ Preise gespannt sein. Ein Motorrad, das in den USA produziert wird, sollte von der preistreibenden Aufwertung des japanischen Yen eigentlich nicht so stark betroffen sein, wie Fireblade und Co., die komplett in Japan gebaut werden. Zumal sich der Yen in den letzten Wochen gegenüber dem Euro bereits wieder deutlich verbilligt hat. Auf alle Fälle trifft die Fury in der Preisregion bis 11000 Euro auf harte „einheimische“ Konkurrenz: die Harley-Davidson Sportster 1200 Custom kostet 10695 Euro, die XR 1200 10990, alle anderen Sportster-Modelle sind sogar noch günstiger.
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