Neuheiten 2014/2015 Sommer-Hits

Sommerliche Neuheiten lassen die Temperaturen steigen: Ducati kommt mit einer neuen scharfen Monster zum vergleichsweise günstigen Preis, BMW zeigt ein spektakuläres Concept Bike. Und die Gerüchteküche in Sachen Neuheiten brodelt.

Foto: Ducati

Zwanzig Jahre lang war die Monster das eher zahme Einsteigergerät von Ducati. Doch damit ist es vorbei, denn ­Anfang des Jahres preschte die neue 1200er mit satten 145 PS auf den Markt – die erste Monster, die von vornherein mit wassergekühltem Motor konzipiert wurde, und die erste, die sich mit üppigeren Abmessungen und einer deutlich bequemeren Sitzposition auch für groß gewachsene Mitteleuropäer eignet.

Flugs lässt Ducati den nächsten Streich folgen und schickt eine kleine wassergekühlte Monster ins Rennen. Wirklich überraschend kommt das nicht, denn es entspricht inzwischen der Hauspolitik, auf ein neues großes Modell eine technisch leicht abgespeckte Variante mit weniger Hubraum und PS folgen zu lassen; so geschehen bereits bei der Streetfighter und bei der Panigale. Erfreulich für die Kundschaft: Die kleineren Varianten ähneln den Topmodellen verblüffend, kosten aber deutlich weniger. Das gilt auch für die Monster-Palette, denn die neue 821 gibt es bereits ab 10490 Euro, während für die 1200er in der einfachsten Ver­sion 13490 Euro fällig sind.

Noch liegen nicht alle technischen Daten der 821 vor, doch erste Bilder und Informationen direkt aus Bologna landeten bei PS. Beim Motor handelt es sich um einen Zweizylinder-Testastretta mit elf Grad Ventilüberschneidung, wie bei der 1200er, nur diesmal eben mit 821 cm³ Hubraum. Dieser Antrieb befeuert bereits die Hyperstrada und bringt es auf 112 PS. Da ihn die italienischen Entwickler nicht auf Spitzenleistung, sondern auf Drehmoment trimmten, das bei maximal 89,3 Newtonmetern liegt, dürfte er bestens zum muskulösen, puristischen Charakter der Monster passen.

Die Struktur der neuen 821 stammt von der 1200er, will heißen: reduzierter Gitterrohrrahmen, voll mittragender Motor, kurzes Heck, bulliger Tank, relativ langer Radstand für mehr Stabilität und bessere Fahrbarkeit sowie im Vergleich zur alten Monster um vier Zentimeter nach hinten und oben verlegte Lenkerenden. Wie die 1200er verfügt die 821 über ein sattes Elektronikpaket mit einstellbarem ABS, achtstufiger Traktionskontrolle und drei Power-Modi für unterschiedliche Leistungsentfaltung. Damit der geneigte Ducatista sich nicht in den zahllosen Menüs verirrt, fasst Ducati die elektronischen Helfer in drei sogenannten Riding Modes zusammen, die sich ganz einfach per Knopfdruck am Blinkerschalter aufrufen lassen.

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Foto: Ducati

Schon Mitte Juli

Bleiben noch Versionen, Preise und Daten: Kommen soll die 821 schon Mitte Juli. In der Version Dark (schwarzer Rahmen, schwarze Felgen) kostet sie 10490 Euro, in Rot (mit rotem Rahmen und schwarzen Felgen) und in Weiß (mit rotem Rahmen und roten Felgen) 10690 Euro. Alle Preise verstehen sich zuzüglich 305 Euro Nebenkosten. Zudem wird es eine 48-PS-Version für Einsteiger geben.

Freunde des luftgekühlten Zwei­zylinders von Ducati müssen angesichts der wassergekühlten Neuheit aber nicht verzweifeln. Noch sind die kleinen Monster 695 und 795 im Programm. Und dass der luftgekühlte ­Antrieb nicht in Rente geht, steht ohnehin fest, denn er wird Ducatis neue Scrambler antreiben, die im Herbst vorgestellt wird. Zunächst kommt eine Version mit 803 cm³ und 87 PS, also mit dem Zweizylinder-Zweiventiler der bisherigen Monster 795. Möglicherweise wird Ducati später sogar eine Version mit dem großen luftgekühlten 1100er-Motor mit Doppelzündung nachschieben, der sich zuletzt in der ausgemusterten Hypermotard 1100 fand.

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Foto: Schlegel

BMW – weiter mutig mit neuen Design-Ideen

Nicht nur Ducati beschert den Motorradfahrern einen sommerlichen Hit, auch bei BMW tut sich schon wieder was. Noch bis vor wenigen Jahren mit einem stockkonservativen Image behaftet, machen die Bayern richtig voran. Erst kam die stylische R nineT und zuletzt der pfeilschnelle, nackte Supersportler S 1000 R – das soll es aber noch nicht gewesen sein. Am mondänen Comer See zeigten die Münchner im Rahmen der Oldtimer-Parade ­„Concorso d’Eleganza“ ihre neueste Idee: ein aufsehenerregender Roadster mit spektakulären Formen.

Zugegeben, es handelt sich dabei nur um eine Konzeptstudie, das Motorrad wird in dieser Form nicht auf den Markt kommen. Doch schon vor einem Jahr präsentierten die Münchner am Comer See eine Studie, damals die Concept Ninety, aus der dann das Serienmodell R nineT entstand. Insofern darf man durchaus davon ausgehen, dass BMW die Szene in Kürze tatsächlich mit einem Serien-Roadster beglückt. Vieles deutet darauf hin, dass die nächste R 1200 R einiges vom Roadster abbekommen und schon dieses Jahr auf der Kölner Intermot zu sehen sein wird.

Ganz so spektakulär wie das Konzept-Bike wird die Serienversion dann natürlich nicht ausfallen, das belegen die Erlkönig-Bilder aus 2013. Schade, denn diese aggressiv keilartige Form mit niedriger Front und hohem Heck macht an. Ein wirklich extravagant geformtes Teil, weshalb immer mehr Gerüchte herumschwirren, BMW würde dieses Konzept-Bike doch in einer eigenen Form ins Programm nehmen – wohl aber erst 2016.

Keine Frage ergibt sich beim Motor, denn hier handelt es sich um den Wasserboxer mit 125 PS und einem maximalen Drehmoment von 125 Newtonmetern, der bereits die R 1200 GS und den Supertourer R 1200 RT antreibt. Bemerkenswert ist jedoch, dass BMW bei der Concept Roadster wiederum Abstand vom Telelever nimmt und eine Telegabel einbaut. Woraus sich schließen lässt, dass der Serien-Roadster und sein etwas braveres Pendant R 1200 R ebenfalls so ausgestattet sein werden, schließlich haben die Münchner das bei der R nineT vorexerziert.

Dafür gibt es eine ganz logische Erklärung: Der Telelever ist produktionstechnisch viel teurer als eine Upside-down-Gabel, mit dem Wasserkühler bleibt für diese aufwendige Konstruktion kaum Platz und so richtig begeistert waren sportliche BMW-Treiber von dieser Lösung nicht, lieferte ihnen der Telelever zu wenig Gefühl fürs Vorderrad.

Nicht zur Diskussion stehen bei der neuen R 1200 R die Einarmschwinge und der Kardanantrieb. Auch der leichte, beim Concept Bike in strahlendem Blau lackierte Gitterrohrrahmen gehört traditionell dazu, und der besonders flache Rundscheinwerfer in Voll-LED-Technik könnte ebenfalls Eingang in die Serie finden.

Wie bereits für die Concept Ninety und die daraus entstandene R nineT zeichnen Design-Chef Edgar Heinrich und Ola Stenegard, Leiter Fahrzeug-­Design, für die Concept Roadster verantwortlich. Besonders stolz sind die beiden auf den Motorspoiler, denn er dient nicht nur der Aerodynamik, ­sondern integriert zusätzlich den gesamten Vorschalldämpfer, was auch der Serie gut zu Gesicht stehen dürfte. Allein schon aus Kostengründen für den Serienbau weniger geeignet ist das spektakuläre, selbsttragende Heck aus blank gefrästem Aluminium sowie die weiteren handgefrästen Alu-Teile, von den seitlichen Luftkanälen bis hin zu den Ventildeckeln.

Foto: Schlegel

Yamaha R1 – sie kommt ganz sicher und gewaltig

Bei Yamaha ist die Auskunftsfreudigkeit nach dem Launch der MT-09 und MT-07 versiegt, was uns zusätzlich ­Garant dafür ist: Die neue R1 kommt noch in diesem Jahr. Die Intermot wird Premiere sein für das Superbike der nächsten Generation, denn unter vorgehaltener Hand haben wir aus Superbike-WM-Kreisen erfahren, dass die R1 mit 200 PS homologiert würde. Vom Tisch ist ein Dreizylinder. Stattdessen holen die Techniker alles aus dem Crossplane-Vierzylinder heraus. Wir haben in der Retusche rechts alle interessanten Features, die die neue R1 ausmachen werden, zusammengefasst. Bereits fertig, aber in Deutschland definitiv nicht zu haben ist die R 25. Yamaha sieht für dieses Motorrad bei uns keinen Markt.

Kawasaki ist ordentlich ge­laden – der Turbo ist zurück

Auf der Tokyo Motor Show im Winter stellte Kawasaki einen aufgeladenen Motor aus und weigerte sich hart­näckig, dazu etwas zu sagen. Auch ­Suzuki stellte das Konzept-Bike „Recursion“ mit Aufladung vor, aber seither ist Ruhe. Mittlerweile gibt es von Kawasaki jedoch neue Impulse in diese Richtung, denn Kawasaki Heavy Industries ließ sich die Namensrechte an einer „Ninja H2“ und „Ninja R2“ in Europa und den USA sichern – ein deutliches Indiz ­dafür, dass es auch tatsächlich bald neue Motorräder in Grün geben wird.

Kawasaki-Kennern fällt auf, dass es bereits eine H2 gab, nämlich von 1972 bis 1975. Das war ein wilder Dreizylinder-Zweitakter mit 750 Kubik, der seinerzeit als irre schnell galt. Mit dem Ninja-Zusatz tippen nun einige Experten auf ein kraftvolles Naked Bike mit einem Viertaktmotor. Es soll ähnlich leicht wie der ursprüngliche Namensspender von damals sein, dafür aber ge­waltig mehr Power per Aufladung haben. Allerdings dürfte die Ninja H2 einen Zylinder mehr haben, denn der ausgestellte Motor in Tokio hatte auch deren vier.

Sollten diese Spekulationen zutreffen, dann würde außer dem Naked Bike, wie es unsere Computer-Retusche andeutet, wohl noch ein Sportler mit diesem Motorkonzept in der Kawasaki-Palette dazukommen – wofür sollte das R in „Ninja R2“ sonst stehen? Das könnte ein neues Zeitalter der Aufladung einläuten – dafür sprächen auch einige Umweltschutz-Aspekte.

Suzuki hat Neuheiten – aber ­eine wird fehlen

Es ist praktisch amtlich: Nachdem nahezu alle Hersteller kraftvolle Naked Bikes auf Basis der ­jeweiligen Superbikes ins Programm gehoben ­haben, wird es im Herbst auf der Intermot endlich auch die nagelneue Suzuki GSR 1000 zu sehen geben. Was der Motor aus der aktuellen GSX-R 1000 dann leisten wird, war offiziell nicht zu erfahren, aber um die 160 PS wären angesichts der Konkurrenz absolute Pflicht. Eine Traktionskontrolle und ABS sowie verschiedene Riding-Modi sind heute ebenfalls usus. Ob das Bike dann so nah an der Silhouette der ­aktuellen GSR 750 liegt, wie das unsere Retusche andeutet, müssen wir noch etwas abwarten.

Leider noch deutlich länger als gedacht müssen Sportfans auf eine neue GSX-R 1000 warten. Jegliches Hoffen auf die Intermot wird vergebens sein. Dass es schon Anfang 2015 eine Art Replika der aktuell heiß getesteten ­Suzuki-MotoGP-Maschine zu kaufen geben wird, dem hat Suzuki eine Ab­sage erteilt. Erst recht nichts zu hören war zum geplanten Motor für ein neues Superbike, womit die Spekulationen noch weiter gehen dürften, dass der aktuelle, herkömmliche und bullige Vierzylinder in der nächsten GSX-R 1000 einem Crossplane-Konzept wie bei Yamaha weichen soll.

Zu neuen Modellen hört man aus Hamamatsu dafür mehr zu kleinen ­Rollern und einer überarbeiteten V-Strom 650, und auch die große­ ­Bandit bekommt ein leichtes Facelift. Damit sind auch die Fragen nach ­einem auf­geladenen Sportler, wie sie ­Suzuki in Tokio provoziert hat, erst einmal vom Tisch.

Honda – die Rückkehr des ruhmreichen Twins

Ruhig ist es bei Japans Bike-Produzenten Nummer eins im Vorfeld der Intermot. Alles, was zu uns dringt ist eine Neuauflage der Africa Twin, die für 2015 als sicher gilt. Leider viel zu ruhig aus unserer Sicht ist es bezüglich der einstmals angekündigten RC 30-Nachfolgerin. Es wird endlich Zeit für sportliche Neumodelle, ­liebe Honda-Verantwortliche.

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