Neuheiten Yamaha (Archivversion) Sechs statt Selters

Nach dem Vorbild der R1 kompromißlos auf Sportlichkeit gedrillt, plant die neue Yamaha R6 den Durchmarsch in der umkämpften 600er Klasse.

Vom Rennen in die Serie - das war einmal. Heute wird umgekehrt ein Schuh daraus - zumindest in der 600er Klasse. Wer dort prestigeträchtigen sportlichen Lorbeer ernten will, muß ein Serienmotorrad auf die Räder stellen, das alle Anlagen zum Hochleistungssportler hat. Als da wären: geringes Gewicht, hohe (möglichst noch ausbaufähige) Motorleistung und einen stattlichen hinteren Fußabdruck.So gesehen ist die YZF-R6, mit der Yamaha in aller Unbescheidenheit die Konkurrenz aufmischen will, bestens gerüstet: Mit einem Trockengewicht von 168 Kilogramm verspricht sie die Mitstreiter ebenso deutlich zu unterbieten, wie sie sie in Sachen Motorleistung mit 120 PS zu überflügeln anschickt. Um ihnen anschließend ihren fetten 180/55er Reifen auf 5,5 Zoll breiter Felge unter die Nase zu reiben.Klarer Fall, daß die R6 nicht die jünste Evolutionsstufe der YZF 600 R Thundercat ist (die - nebenbei bemerkt - weiter im Angebot bleibt), sondern ein von Kopf bis Fuß neues Motorrad. Wobei es nicht überrascht, daß sie sich in ihrem Layout stark an der R1 orientiert, die vor Jahresfrist in der offenen Klasse vorgemacht hat, wie satte Leistung, kompakte Abmessungen und geringes Gewicht unter einen Hut zu bekommen sind.Vorbildgetreu setzt der R6-Motor denn auch auf ein steifes Kurbelgehäuse mit integriertem Zylinderblock, auf einen Kurbeltrieb mit fünffach gelagerter Welle, hochfesten Pleueln und geschmiedeten Kolben, auf den rechts positionierten Nockenwellenantrieb, auf die übereinander angeordneten Getriebewellen.Anders als der Ein-Liter-Motor begnügt sich der 600er mit vier Ventilen pro Zylinder. Die Ansaugluft bezieht er durch eine Öffnung in der Verkleidungsnase (direct air intake system), die Abgase werden durch eine Vier-in-Zwei-in-Eins-Anlage mit Aluminium-Schalldämpfer entsorgt. Den zündenden Funken für das 12,4 : 1 verdichtete Kraftstoff-Luft-Gemisch liefern in die Kerzenstecker integrierte Zündspulen.Das R6-Fahrwerk gründet auf einen Aluminium-Brückenrahmen (Deltabox II), der den Triebwerksblock als tragendes Element einbezieht. Die Hinterradführung besorgt eine extra lange Schwinge mit versteifenden Oberzügen - ebenfalls aus Aluminium -, die sich auf ein voll einstellbares »Rucksack«federbein stützt. Das Vorderrad dreht sich in einer konventionellen Telegabel mit 43er Standrohren, die sich gleichfalls in Zug-, Druckstufendämpfung und Federvorspannung justieren läßt.Keine Experimente bei den Bremsen. Einteilige Vierkolbenzangen an 298er Scheiben bieten R1-Standard. Das gleiche gilt für die Arbeitsplatzgestaltung: Ein im Kniebereich schlanker 17-Liter-Tank dient dem Fahrer ebenso als integrierender Faktor wie die unterhalb der oberen Gabelbrücke angeklemmten Lenkerhälften. Das nüchterne Cockpit mit Drehzahlmesser und Digital-Tacho wirkt genauso vertraut wie das Beifahrer-Brötchen auf dem Sitzbankhöcker. Klar, wie die R1 ist die R6 ein Fall für Einzelkämpfer, in einem Detail sogar noch konsequenter: Dank des angeschraubten Rahmenhecks ist die Vollendung des Themas »Sechs statt Selters« ohne Säge und Trennschleifer möglich. Und das schon in naher Zukunft - bereits im November wird die 600er beim freundlichen Yamaha-Händler zu haben sein.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote