Norton wagt sich mit dem 1200er-V4-Supersportler ganz nach oben.

Norton V4-SS Best of British

Norton beweist seit Jahren, wie eine kleine, aber feine Motorrad-Manufaktur in den heutigen wilden Zeiten existieren kann. Nun wagen sich die Briten ganz nach oben, mit einem völlig neuen 1200er-V4-Supersportler: eine Augenweide.

Sechsundzwanzig Stunden dauert es, bis der handgefertigte Aluminiumrahmen so glänzt wie auf unseren Bildern. Eine handwerklich perfekte Arbeit abliefern, das ist es, was Norton mit der V4-SS will. Da genügt es auch nicht, eine Schwinge nur zu gießen oder gar Gussteile und Bleche zu verschweißen. Man nimmt in der neuen Produktionsstätte ­nahe der Rennstrecke Donington Park einen 70-Kilo-Aluminiumblock und zerspant diesen, bis die nur noch 3,1 Kilogramm wiegende Schwinge modelliert ist.

Anzeige

Motor der Norton V4-SS ist Euro 4-konform

Natürlich genügt nur feinstes Kohlefaser-Laminat den hohen Ansprüchen der Norton-Bauer, das aufwendigst lackiert dem
erfolgreichen Isle-of-Man-Renner nachempfunden ist, mit dem Norton einen guten siebten Platz in der Superbike-TT einfuhr. ­Pilot David Johnson verwendete dabei noch einen Aprilia RSV4-Rennmotor. Für die bereits ausverkaufte 200-Stück-Serie der ­edlen Norton V4-SS und die folgenden 250 V4-RR mit nicht ganz so auf­wendiger Verarbeitung entwickelte Norton einen eigenen, völlig neuen und extrem aufwendigen V4. Mit 1200 cm3, 72 Grad Zylinderwinkel und vier obenliegenden Nockenwellen, Titanventilen und variablen Saugrohrlängen bietet die 200-PS-Granate auch verwöhntesten Zweiradtreibern genug Power. „Wir haben einen etwas größeren Zylinderwinkel als die 65 Grad bei dem Aprilia-V4 gewählt, um mehr Platz für große Drosselklappen und die Airbox zu bekommen“, erklärt Chefingenieur Simon Skinner. Außerdem wollte man einen niedrigeren Motor bauen.

Einen völlig neuen V4-Motor zu entwickeln, ist das nicht ein bisschen verrückt? Norton-Eigner Stuart Garner verneint. „Unser Motor wurde in Zusammenarbeit mit Ricardo entwickelt und ist Euro 4-konform.“ Mit Stolz verweist er darauf, dass die aktuelle Bosch-Sechs-Achsen-Sensorbox sämtliche elektronischen Helferlein steuert, vom Blipper über die Wheelie-Kontrolle, von der Traktionskontrolle bis zum Quickshifter der Norton V4-SS. Da sei man auf der Höhe der Zeit.

Fabrik für maximal 6.000 Norton pro Jahr

Aus feinstem Stoff gelangen die Anbauteile der Norton V4-SS: 7-Zoll-TFT-Display im schlanken Cockpit, speziell entwickelte Öhlins-Federelemente, 330er-Scheiben mit Brembo-M50-Monoblocks.

Garner verfolgt mit Norton eine andere Strategie als beispielsweise MV Agusta. Er will aus sich heraus wachsen und lieber
weniger Maschinen bauen, diese aber gewinnbringend verkaufen, was bei Preisen von mindestens 28.000 Pfund für die einfache Version glaubwürdig erscheint. Sein großes Vorbild ist dabei Aston Martin. Der britische Sportwagenhersteller lebt mit 4.000 Stück im Jahr ganz hervorragend. Seine neue Fabrik ist für maximal 6.000 Stück pro Jahr ausgelegt. Derzeit arbeiten 75 Festangestellte bei Norton. In den bisherigen acht Jahren stellte Norton 2.000 Motorräder her, die weltweit verkauft wurden.

650er-Parallel­twin mit Turbolader

Der 1200er-V4 soll aber noch anders eingesetzt werden. „Wir schneiden eine Zylinderbank ab und bauen einen 650er-Parallel­twin.“ Stuart Garner möchte den aber mit einem Turbolader ausstatten und so ein sehr leichtes, aber auch leistungsfähiges Motorrad entwickeln. Die Präsentation soll noch im Jahr 2017 sein, wieder in Birmingham bei der NEC, wo vor Kurzem die Norton V4-SS gezeigt wurde.

Norton traut sich was, und bisher funktioniert die Herangehensweise. Das finden wir von MOTORRAD gut.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote