Optimierung Honda VFR 750 F (Archivversion) Niveau-Regulierung–––––

Sie galt bereits bei ihrem Erscheinen 1985 als nahezu perfekt: Sportlichkeit und Komfort sind bei Hondas VFR 750 F auf sehr hohem Niveau vereint. Ob sich an diesem Meilenstein des Motorradbaus noch etwas verbessern läßt?

Seit über zehn Jahren gilt die Honda VFR 750 F als Maßstab für das perfekte Allroundmotorrad. Sportlich genug, um im Straßenbetrieb problemlos mit der Superbike-Konkurrenz mithalten zu können, und gleichwohl so komfortabel, daß auch die große Urlaubstour richtig Laune macht. Dennoch sind die Zubehörkataloge voll mit Zutaten, die das fast schon Optimale optimieren wollen. MOTORRAD hat einige der angebotenen Teile unter die Lupe genommen und geschaut, ob sich bei der letzten Modellvariante der RC 36 unter dem ein oder anderen Aspekt doch ein wenig mehr heraus holen läßt. Dazu wurden verschiedene Reifenpaarungen ausprobiert, unterschiedliche Schalldämpfer angeschraubt und auf den Prüfstand gestellt, andere Methoden der Leistungsoptimierung untersucht, desgleichen die Bremsanlage ausgetauscht, am Fahrwerk Veränderungen vorgenommen und neben der Sportlichkeit auch die Tourentauglichkeit auf Verbesserungsmöglichkeiten überprüft. Breit ist das Angebot an Gummis für den Sporttourer - siehe Kasten Seite 130. Als sportlichste der sieben gefahrenen Paarungen erwies sich der Dunlop D 207. Wird dagegen oberste Priorität auf eine hohe Kilometerleistung gelegt, sind die Metzeler-Produkte ME Z2 und ME Z4 erste Wahl. Ernüchternd fielen die Meßergebnisse der Nachrüst-Endschalldämpfer aus (siehe Kasten Seite 128). Einige der getesteten Modelle sparen zwar ein paar Kilogramm Gewicht, bei beinahe deckungsgleichen Leistungskurven müssen sich aber alle Nachrüst-Produkte in puncto Spitzenleistung hinter dem Original einreihen.Auch wer die Hoffnung hegt, mit anderen Vergasersätzen der VFR mehr Leistung zu entlocken, wird enttäuscht. Sowohl der Kit von Dynojet (259 Mark bei Micron, Telefon 0911/9367411) als auch der von Factory (218 Mark bei Kainzinger, Telefon 06206/963298) verhilft dem V4 auf dem Prüfstand zwar zu einem spontaneren Ansprechverhalten, im Fahrbetrieb ist davon aber fast nichts zu spüren. Und die gemessenen Spitzenleistungen bewegen sich auf dem Niveau der Serie. Zudem beide Zubehör-Modelle weder TÜV-Zulassung noch ABE besitzen.Ebenfalls serienmäßig bereits überzeugend arbeitet die vordere Doppelscheibenbremse, aber so mancher VFR-Treiber wünscht sich einen klarer definierten Druckpunkt. Den bieten die stahlummantelten Bremsleitungen von Fren Tubo (149 Mark bei Micron), die außerdem durch gute Dosierbarkeit überzeugen. Mit schwimmend gelagerten Graugußscheiben von ABM (Telefon 07667/94460) plus der entsprechenden Bremsbeläge für zusammen 1018 Mark verzögert die VFR einen Tick effizienter als mit der Serienanlage.Deutlichere Verbesserungen lassen sich dagegen am Fahrwerk erzielen. Andere Gabelfedern und dickeres Gabelöl von Protech (siehe Seite 131) sorgen bei der ansonsten komfortabel abgestimmten Vorderradführung für ein besseres Feedback und für größere Reserven bei extremer Beanspruchung, ohne den Fahrer mit unzumutbarer Härte zu strafen. Gemischte Ergebnisse bei den getesteten Federbeinen. Während das Technoflex-Bauteil auch bei sportlicher Gangart reichlich Reserven bietet, bleibt das aufwendige Öhlins-Federbein eine echte Verbesserung gegenüber der Serie schuldig.Sportlicher gibt sich die VFR mit geänderten Umlenkhebeleien (Thurn, 199 Mark) für das hintere Federbein. Durch das höhergestellte Heck verbessert sich das Handling deutlich, und die Schräglagenfreiheit wird größer. Trotz der veränderten Fahrwerksgeometrie hält die VFR bei Topspeed stabil ihre Spur, lediglich beim scharfen Bremsen wird das Heck spürbar leichter und neigt zum Schlingern. Fußrastenadapter von Thurn Motorsport (Telefon 09352/6734) für 249 Mark, die zwischen den Rahmen und die Original-Rastenanlage geschraubt werden, ergeben für den Fahrer eine sportlichere Sitzposition. Der dem Schaltfuß dadurch allerdings weit entrückte Schalthebel muß bei Bedarf durch ein verlängertes Exemplar ersetzt werden. Eine komplette Fußrastenanlage, filigran aus Aluminium gefräst, hat Lucas (Telefon 02631/9120) für 539 Mark im Programm.Wer auf ein verbessertes Handling nicht verzichten möchte, aber lieber aufrecht sitzt, für den ist ein Superbikelenker-Umbau (Micron, ab 459 Mark) das Richtige. Aufgerüstet mit einem breiten Rohrlenker, wird die VFR zum Kurvenstar. Zum Anbau muß allerdings das Oberteil der Originalverkleidung gekürzt werden - wovor mancher in Anbetracht des des Preises von rund 3000 Mark für die komplette Verkleidung zurückschrecken wird. Die Nachbauten der aufwendigen VFR-Verkleidung von Pferrer (Telefon 02252/1331), Sebimoto (Telefon 06104/74632) oder Thurn kosten mit 620 Mark bis rund 1300 Mark deutlich weniger. Außerdem kann hier zwischen verschiedenen Werkstoffen und unterschiedlichen Formgebungen gewählt werden. Von der RC-45-Optik bis hin zum Streetfighter-Outfit für die VFR reicht das Programm. Zur weiteren äußerlichen Aufwertung hat Thurn in seinem umfangreichen VFR-Programm diverse Vorderradkotflügel (ab 199 Mark), eine Hinterradabdeckung aus Kohlefaser (398 Mark), eine Zentralmutteroptik für das Hinterrad (199 Mark) und verschiedene Kettenschutzbauteile (ab 98 Mark).Weniger dem guten Aussehen als dem praktischen Nutzen dient der 149 Mark teure Minigepäcktrager von Thurn. An Originalhaltepunkten befestigt, findet auf ihm das kleine Urlaubsgepäck sicheren Halt.VFR-Besitzer, die mit ihrem Gefährt häufig lange Touren machen, freuen sich über die straffer gepolsterte Sitzbank von Corbin (ab 736 Mark, Telefon 06371/18637), wahlweise mit Leder- oder Kunstlederbezug. Der Beifahrer stört sich jedoch an der harten Kante der Sitzbankstufe zwischen Fahrer und Beifahrer.Bleibt nach endlosen Prüfstandsläufen, Testkilometern und Werkstattstunden als Resümee: Die VFR 750 F läßt sich zwar in vielen Punkten noch einen Tick verbessern, zwingend nötig für eine ausgeglichene Beziehung zwischen VFR und Besitzer sind diese Veränderungen aber nicht.

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