Optimierung Suzuki TL 1000 S (Archivversion) Die Unvollendete

Den hochgesteckten Erwartungen vom bärenstarken Zweizylinder-Sportler folgte die Ernüchterung: Fahrwerksschwächen, mäßiges Handling und Probleme mit der Einspritzung. MOTORRAD rückte den Kinderkrankheiten mit bewährten Hausmitteln zu Leibe.

Die Suzuki-Techniker traf der Schlag aus anscheinend heiterem Himmel. »Sämtliche Prototypen und Vorserienmaschinen zeigten keinerlei Symptome der jetzt aufgetretenen Fehler, wir vermuten das Problem in der Serienfertigung. Alle TL 1000 S Kunden werden deshalb auf dem schnellsten Weg mit den geplanten Nachbesserungen versorgt.« kommentiert Suzuki Vertriebschef Bert Poensgen die Mängel an der MOTORRAD Langstreckentestmaschine. Das zuweilen heftige Lenkerschlagen hat Suzuki durch den nachträglichen Anbau eines Dämpfers an allen ausgelieferten TL 1000 S behoben. Die Lenkung bleibt damit tatsächlich ruhig, nur die Lenkpräzision beim Einlenken und das Umrunden enger Kehren wird durch den großen hydraulischen Widerstand oftmals zum eirigen Balanceakt. Wer sich den Kurvenspaß nicht verderben lassen möchte, kann auf TÜV-geprüfte, einstellbare Lenkunsdämpfer aus dem Zubehörmarkt zurückgreifen, die aber eintragungspflichtig sind. . Kritik gab´s auch zum Thema Bremsen, die für sportliche Verhältnisse eine zu hohe Handkraft, speziell bei kalten Bremse erfordern. Das Problem liegt hier weniger an der Konstruktion als vielmehr an der Reibpaarung von Belägen und Scheibe. Mit Belägen aus dem Zubehörmarkt bestückt, verbesserte sich Bremswirkung und Ansprechverhalten deutlich. Dem zu hohen Benzinverbrauch rückte Elektronik-Spezialist Bernhard Bludau zu Leibe. Sein komplett neu angelegtes Kennfeld für Zündung und Einspritzung reduziert den Verbrauch ohne gravierende Verluste in Sachen Ansprechverhalten und Leistungsentfaltung. Alle Werte deuten auch darauf hin, daß damit die teilweise beobachtete Ölverdünnung durch ein zu fettes Kraftstoffgemisch der Original-Abstimmung eliminiert werden könnte.störrische Hinterradfederung der Tl 1000 S. Die Ursache: Der Drehflügeldämpfer wirkt auch in weichster Einstellung bei schnellen, harten Einfederbewegungen zu progressiv. Der Umbau des Dämpfersystems von Wilbers Suspension-Service, die auch passende Gabelfedern im Angebot haben, brachte deutliche Anhilfe und reduziert damit die Kipp- und Aufstellneigung der überbreiten Serienbereifung in welligen Kurven spürbar. Das Kapitel Handling wird in erster Linie von der Bereifung bestimmt. Nach der Umrüstung auf die von Suzuki freigegebenen Bridgestone BT 50 Pneus war die TL 1000 S kaum mehr wiederzuerkennen: weniger Lenkkraft. leichtere Schräglagenwechsel, gute Lenkpräzision. Nur der maximale Grip und die Eigendämpfung auf holprigem Belag liegen unter dem Niveau der ME Z1 Racing-Pneus. Eine zu Versuchzwecken montierte 5.5-Zoll-PVM-Felge hinten mit 180er Pneu in Verbindung mit dem neuen Metzeler ME Z4 Front- Reifen demonstrierte das vorhandene Potential der TL 1000 S sehr eindrucksvoll. Extrem leichtes Einlenken, wenig Kraftaufwand in der Kurve und vorallem eine hervorragende Eigendämpfung am Vorderrad, die das Lenkerschlagen auch ohne Dämpfer überraschend stark reduziert. Wie man sieht, lassen sich die Mängel der TL 1000 S durchaus in den Griff bekommen, auch wenn die Modelleinführung unter einem schlechten Stern stand. Eine ausführliche Reifenempfehlung ist bei MOTORRAD derzeit in der Mache. Die Freigaben sind bereits jetzt schier unüberschaubar. Vom moderaten 180er Pneu bis zur 200er Walze kann die TL 1000 S besohlt werden. Arbeit genug also, die sich, wie die ersten Versuche zeigen, aber durchaus lohnt.

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