Platz 2 (Archivversion) BMW R 1200 C Montauk

Barock ’n’ Roll

Das C-Modell der BMW-Boxer-Reihe wurde von den Bikern sehr verhalten angenommen. 1997 präsentiert, blieb der Verkaufserfolg weltweit hinter den Erwartungen des Unternehmens zurück: 35455 Exemplare wurden inklusive aller Sondermodelle ausgeliefert. 2003 versuchte BMW seine Cruiser-Verkäufe durch ein Sondermodell namens Montauk anzuschieben. Mit mehr Chrom, einem kleinen Windschild sowie einem Vorderreifen in 150/80-Dimension gingen die Bajuwaren auf Kundenfang. Zwei Jahre später wurde die Produktion der gesamten Modellreihe der R 1200 C eingestellt.
Abgesehen davon, dass firmen-interne Erwartungen nicht erfüllt wurden, kann man nur mutmaßen, warum die Cruiser-Kundschaft der Barocksiedlung auf zwei Rädern so verhalten gegenüber trat: Ist das Weltbild der Cruiser-Community extrem durch amerikanische Idole mit luftgekühlten 45-Grad-V-Motoren geprägt und hat der breit bauende Boxer deshalb auf dem Planeten der Gemütlichkeit nie eine Chance gehabt? Oder war es schlicht so, dass der für das Design verantwortliche David Robb sich verzeichnet hat? Rein fahrdynamisch lag die Montauk jedenfalls nicht sehr weit von der Konkurrenz entfernt. Sie ließ sich relativ handlich einlenken, ermöglichte für Cruiserverhältnisse sogar ordentliche Schräglagen und kokettierte mit guter Verarbeitung sowie vorzeigbaren Chromflächen. Darüber hinaus trug sie den weiß-blauen Propeller, Gütesiegel und Imagekrone zugleich. Allerdings erweckten die 61 PS aus 1170 Kubik eher den Anschein chronischer Unlust. Denn der Motor war einfach zu lang übersetzt. Eins der wichtigsten Indizien in der Spurensuche, warum nicht nur die Montauk, sondern die gesamte C-Reihe floppte, war die Sitzposition: Bedingt durch den Boxermotor waren keine vorversetzten Fußrasten oder Trittbretter realisierbar. Das zwang die Beine des Fahrers in einen 90-Grad-Winkel. In Verbindung mit einem Lenker in Wünschelruten-Form hockte der in einer Keiner-sitzt-wie-ich-Haltung auf seinem Motorrad. Ganz nebenbei: Cool sah das nicht aus. Und es fühlte sich für potenzielle Umsteiger aus der Cruiserszene auch nicht so an. Ein Kollege (Name der Redaktion bekannt) meinte dazu: »Man hockt wie beim Zeitunglesen auf dem WC.« Das mag für einige zwar die einzige Freiheit des Tages bedeuten. Das Gros hingegen definiert Freiheit etwas anders ... Rhe

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