Platz 3: Triumph Speed Triple Born to run

Hinter dem Palast brüllen Motoren durch die Straßen. Mädchen kämmen ihr Haar in den Rückspiegeln, und die Jungs versuchen, verwegen auszusehen. Die Autobahn ist überfüllt mit gescheiterten Helden, die ihre letzte Chance suchen. Heute ist jeder auf der Flucht, aber es gibt keinen Ort mehr, wo man sich verstecken könnte. Wir müssen sehen, dass wir hier rauskommen, solange wir noch jung sind. Denn Landstreicher wie wir sind geboren, um auszureißen.«
Wenn Bruce Springsteen zum Mikro greift und »Born to run« anstimmt, dann triefen Blut, Schweiß und Tränen aus den Boxen. Damit ist der Kultsong eine perfekte Hymne für die Triumph Speed Triple. Denn wie in keinem anderen Modell spiegelt sich in der »Speedy« die bittere Geschichte des ältesten und bisweilen größten Motorradherstellers der Welt wider.
Ein ruhmvolles Empire, das in den Siebzigern ins Bodenlose stürzte und in den Achtzigern im Dreck versank. Zuvor hatten die Arbeiter noch verbissen versucht, die Marke und das Werk durch eine Kooperative am Leben zu erhalten. Erst nach einem Neu-Anfang in den Neunzigern boxt sich Triumph wieder nach oben. Beharrlich und zäh. Wir sind wieder wer.
Die Speed Triple ist keine hochnäsig dreinblickende Diva oder unnahbares, mit Vorliebe zickiges Glamourgirl. Sie schlürft keinen Prosecco aus langstieligen Gläsern, sie schwenkt keinen edlen Rotwein in bauchigen Kelchen. Nein, sie ist einfach anders. Eben ganz und gar englisch. Sie kommt sehr bodenständig daher. Die Speed Triple ist ein ehrlich eingeschenktes Pint Bier, das man in großen Schlucken trinkt, um den Durst zu löschen. Auf ihr sitzt man wie auf dem Barhocker in der Stammkneipe: Hier können Jahre wie im Fluge vergehen, hier werden Geschichten erzählt, hier wird geflirtet, gelacht, gestritten, diskutiert und geschwiegen.
Diesem Charakter ist die Speed Triple seit ihrem Start im Jahr 1994 bis heute treu geblieben. Äußerlich hat sie sich dagegen kräftig gewandelt. Aus dem mächtigen, wuchtigen Café Racer von einst ist ein durchtrainiertes Muskelpaket geworden. Das erste Modell, aus der T-300-Serie, kam mit tiefen Lenkerstummeln noch etwas grobschlächtig und tumb daher. Doch das Zwitschern des vergaserbestückten Triples machte von Anfang an süchtig, sorgte für wohliges Grummeln in der
Magengegend.
Ab 1997 setzte dann die Fitnesskur ein: Mit der T 509 rollte ein gestählt durchtrainierter Muskelprotz aus den Werkshallen von Hinckley. Provokant glotzten dazu zwei mächtige Scheinwerfer in eine verstört dreinblickende Motorradwelt. Unerhört, tuschelte man sich unter der Hand zu. Etwas derart Freches, Obszönes kannte man bis dahin nicht aus dem Serienbau. So etwas Schmutziges überließ man eher dunklen Hinterhofschmieden. Und nun das: Take it or leave it, lieben oder hassen.
Sportlich, oh ja, das war sie, und äußerst fahraktiv – als Schwester des edlen Supersportlers Daytona T 595. Aber aufrecht und erhaben. Auf kurvengespickten Landstraßen muss man mit einer »Speedy« weder Tod noch Teufel fürchten. Supersportler schon gar nicht.
Sehnig spannt sich der kunstvoll aus vielen Einzelteilen zusammengeschweißte Alu-Rahmen über den Muskelprotz von Triple. Mit den Updates T 595 (2002) und 515-NJ (2005) wird die Botschaft immer weiter verfeinert: drei Zylinder, zwei Lampen, ein Lebensziel – maximaler Fahrspaß. Getreu des Prinzips des englischen Fußballs: Kick and rush.
1990 begann die neu aufgestellte Triumph-Mannschaft unter Firmenboss John Bloor, die zweite Triumph-Generation zu verkaufen. Mit ihrem Dreizylinder-Konzept hat sie von Anfang an für Fuore gesorgt, exklusiv eine Nische besetzt. Mit der Speed Triple haben die Briten ihr erfolgreichstes Modell kreiert, weltweit bis heute weit über 40000-mal verkauft. Und zudem der Marke Triumph ein unverwechselbares Gesicht wie Image verschafft. »Ich will herausfinden, ob Liebe wild ist und ob sie echt ist.« Auf der Speed Triple, lieber Bruce, ist sie es. Garantiert. Sie ist »born to run«. Joel

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