Platz 6: Yamaha YZF-R1 (Archivversion) Die Synthese

Radikal, leicht und bärenstark. Was Yamaha da 1998 platzierte, war schlicht und einfach ein Geniestreich. Die YZF-R1 machte im Gegensatz zu Honda CBR 900 und Kawasaki ZX-9R das satte Litermaß Hubraum voll. Und schöpfte daraus bärige 150 PS bei gerade mal 202 Kilogramm Gewicht. In Worten: zwo-null-zwo. Wie so etwas geht? Durch eine filigrane Konstruktion, ausgeklügelten Leichtbau, bei dem jedes noch so kleine Bauteil, jedes klitzekleine Gramm auf dem Prüfstand steht.
Beispiele gefällig? Das durch den Rahmen geführte Schaltgestänge etwa, dessen Hebel nur auf der Unterseite (!) eine Gummi-Armierung trug. Technischer Pfiff ging mit formvollendetem Styling eine Synthese ein wie vielleicht nie zuvor bei einem Motorrad »made in Japan«. Und dann diese piekfeine Verarbeitung. Designer und Ingenieure zogen alle Register. Und an einem Strang. Ultrakompakt und kurz baute ihr Motor, dank übereinander geordneter Getriebewellen – heute gang und gäbe. Was wiederum eine sehr lange Schwinge zugunsten optimaler Traktion ermöglichte.
Ob die »R1« – allein schon der geniale Name – deswegen sofort zum Kultbike aufstieg? Oder wegen ihrer extremen Rasanz? Sie fuhr, als ob ein Engel schiebt! In Sachen Dynamik eröffnete das Biest mit den fünf Ventilen pro Zylinder eine neue Welt, stieg selbst im dritten Gang unvermittelt aufs Hinterrad. Durchaus zu viel Drehmoment war das für unerfahrene Piloten, wenn sie in Schräglage zu heftig am Quirl drehten und dann reihenweise abflogen. Aua. Nur die Harten kamen durch.
Wer den Umgang mit ihr beherrschte, dem offenbarte die Yamaha die Qualitäten ihres hervorragend abgestimmten Fahrwerks – an dem sich allerdings manch einer einen Lenkungsdämpfer wünschte – und exzellenter Bremsen. Daran hat sich
bis heute nichts geändert. 2002 kam eine Einspritzanlage, die dank vorgeschalteter, unterdruckgesteuerter Schieber ein sanftes Ansprechen ermöglichte, und ein neues Chassis mit geschraubtem Rahmenheck dazu. Die ebenso aggressive wie gediegene Silhouette blieb bei allen Typen erhalten. Gut so.Kein Wunder also, dass der allein in Deutschland bislang rund 23000-mal verkauften Yamaha YZF-R1 ein Platz im Motorrad-Olymp sicher ist. abi/tsr

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