Porträt Troy Corser (Archivversion) Monaco Franze

Ursprünglich war Troy Corser nur aus steuerlichen Gründen in Monaco gestrandet – wie etliche andere Sportstars auch. Inzwischen fühlt sich der Superbike-Weltmeister samt vierköpfiger Familie äußerst heimisch im Fürstentum an der Côte d’Azur.

Zu Hause wollt ihr mich besuchen? Klar, kein Problem«, überrascht der frisch gebackene Superbike-Weltmeister den etwas verunsicherten Reporter, der es bei ähnlichen Wünschen an mehr oder weniger berühmte Menschen nicht selten mit deren Starallüren zu tun bekam. »Nur: In welchem zu Hause sollen wir das am besten machen?«Diese Gegenfrage erweist sich im Falle Troy Corser als überaus berechtigt, hat er doch neben seinem offiziellen Wohnsitz in Monaco auch noch Feriendomizile in England und Australien. Der Meister entscheidet sich schließlich für ein Treffen an der Côte d’Azur, »denn wohnen meine Frau Sam und die Kinder Kalani und Kelisa und ich ja auch tatsächlich hier – nicht nur der Steuer wegen.« Grinsend zählt der Australier sogleich die Vorteile der Appartement-Wohnanlage in Hafennähe auf, in der sich auch Namensschilder von Weltmeister-Kollegen und Landsleuten wie Mick Doohan, Wayne Gardner und Troy Bayliss oder von Formel-1-Star David Coulthard finden. »Um die Ecke ist ein hervorragendes japanisches Restaurant, außerdem ein wunderschöner Kinderspielplatz, auf dem wir uns mit Kalani regelmäßig herumtreiben.«
Zwei weitere Spielplätze sind eher für größere Jungs, wie eben der Yachthafen, wo Herrn Corsers 15-Meter-Baia mit zwei jeweils 400 PS starken Diesel-Motoren liegt, oder die hauseigene Garage mit gleich zwei Lamborghini Diablo und einem Mercedes-Benz ML 55 AMG in Familienbesitz. Der gute Troy hat mit diesen Dingen ähnlich kindliche Freude wie sein zweijähriger Sohn auf dem Spielplatz. »Die Lamborghini sind wunderbare Sportwagen. Sie machen einen Riesenspaß im bergigen Hinterland von Monaco und entwickeln einen unglaublichen Sound, wenn du das Gaspedal durchdrückst – vor allem in den Tunnels. Die Möglichkeit, jederzeit mit dem Boot an der Küste entlang nach St. Tropez oder auch noch weiter gondeln zu können, macht das Leben hier natürlich ebenfalls sehr angenehm.«Was Troy Corser am Leben im Fürstentum ganz allgemein gefällt, liegt an seiner für Australier fast schon typischen Leichtigkeit des Seins, die er in Monaco wieder findet: »Das Leben in Monaco ist sehr locker. Alles, was du brauchst, gibt es in kürzester Entfernung, die Atmosphäre insgesamt ist äußerst relaxed.«Die Corser’sche Familienwohnung dagegen zeigt sich außer der Tatsache, dass sie eben in dem kleinen Fürstentum liegt, eher bescheiden. Der Hausherr klärt auf: »Ich wohne schon seit 1995 in diesem Appartement, ein Jahr, bevor ich meinen ersten Superbike-WM-Titel gewann. Damals war es absolut groß genug für mich allein. Zugegeben, mit unserer vierköpfigen Familie ist es ein wenig eng. Aber ich muss sagen, dass meine Sam uns hier perfekt organisiert hat. Es lässt sich ganz gut aushalten.«Angesichts der vielen berufsbedingten Reisen und der beiden angesprochenen Ausweichquartiere dürfte sich also an der Wohnsituation der Familie Corser kurzfristig eher nichts ändern. Zumal Hobbykoch Troy auch mit der etwas beengten Küche sehr gut klar zu kommen scheint. »An der Rennstrecke gilt das zwar nicht, da werden wir ja von Bruno, dem Küchenchef unseres Teams, in allerbester Qualität verköstigt. Doch sonst, egal, ob in Monaco, England oder Australien, stehe meist ich am Herd und bereite die Mahlzeiten zu.«Es wird nicht mehr allzu lange dauern, bis Troy Corser die unter ausländischen Monaco-Bewohner sehr begehrte »Carte de sejour« – die ständige Aufenthaltsgenehmigung – erhält. »Ich freue mich schon sehr auf diesen Moment, denn ich fühle mich hier inzwischen wirklich zu Hause.«Dass die meisten anderen permanenten ausländischen Monaco-Residenten das Leben von Luxus-Rentnern führen, beunruhigt den Superbike-Weltmeister nur kurz. »Nein, nein«, lacht er, »ich denke noch nicht an das Ende meiner Rennkarriere. In der Saison 2006 will ich unbedingt meinen WM-Titel mit Suzuki verteidigen. Und sollte dies klappen, spricht nichts dagegen, noch ein Jahr dranzuhängen und zu versuchen, mit einem eventuellen vierten Titel Carl Fogartys Rekord einzustellen. Das ist freilich alles sehr vage und weit in die Zukunft orakelt. Fakt jedoch ist, dass ich mich derzeit fit und gesund fühle und nach wir vor immensen Spaß am Rennsport habe.«Den möglicherweise größten Spaßverderber dabei trifft der Champion recht häufig. Denn Troy Bayliss, der Superbike-Weltmeister von 2001, wohnt nur ein paar Stockwerke entfernt und kehrt ähnlich wie vor einigen Jahren Corser aus der 500er-WM nach eher durchwachsener MotoGP-Erfahrung mit einer Werks-Ducati in die Superbike-WM zurück. Die Ergebnisse der letzten Superbike-Testfahrten in Qatar lassen es erahnen: Die Superbike-Weltmeisterschaft 2006 könnte sich auf den Kampf um den Titel des Hausmeisters in einem Wohnblock in der Nähe des monegassischen Hafens zuspitzen.

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