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Eicma 2009: V12-Studien von Moto Guzzi Klappt das?

Ungewöhnliche Technik, schier schwerelose Optik: Drei Studien von Moto Guzzi machten auf der Messe in Mailand Furore, denn sie setzen den charakter-starken V2-Motor perfekt und mit hochmodernen Mitteln in Szene.

Große Klappe, nichts dahinter? Von wegen. Der ungewöhnliche Klappmechanismus der drei Studien, die Moto Guzzi auf dem Mailänder Salon zeigte, hat durchaus einen Sinn. Wird die Einheit aus Tankattrappe, Sitzbank und Heck nach oben geklappt, präsentieren sich darunter Batterie und Elektrik auf-geräumt und gut zugänglich. "Die meisten Motorräder muss man für einen Kundendienst halb zerlegen", sagt Designer Pierre Terblanche. "Das kostet Zeit und Geld und nervt. Deswegen haben wir das mal ganz anders gemacht."

Zusammen mit Miguel Galluzzi, dem Design-Chef von Guzzis Konzernschwester Aprilia, entwarf Terblanche die drei viel bestaunten Schönheiten. Als Basis dient der traditionsreiche 90-Grad-Zweizylinder von Moto Guzzi in der modernsten Variante mit vier Ventilen und 1200 cm3; vom Hubraum leitet sich der Projektname V12 ab. Prominent und elegant sitzt der mächtige Motor in einem Alu-Feinguss-Rahmen, der den Modellen eine bei Guzzi seltene optische Leichtigkeit verleiht.

Gemeinsam sind dem Trio auch der pfiffige Hauptständer, der gleichzeitig als Ölwannenschutz dient, und eine sogenannte Heatpipe: Dieses Wärmerohr sitzt hinter den Kühlrippen über den Zylinderköpfen und kühlt die Abluft des Motors, wahlweise mit Hilfe eines Ventilators. "Der V2 von Guzzi strahlt ziemliche Hitze auf die Beine ab, was viele Fahrer stört. Da man diese Luft direkt am Motor nicht ausreichend kühlen kann, muss man sie dazu eben ableiten, erklärt Terblanche das Konzept. Damit nicht genug, ersetzen LEDs den Scheinwerfer, Minikameras auf den Zylinderköpfen filmen das rückwärtige Verkehrs-geschehen und übertragen es auf ein Display, Cockpit-verkleidung und Lenker lassen sich in der Höhe verstellen.

Aus diesem starken Grundkonzept entwickelten Terblanche und Galluzzi drei ganz unterschiedliche Motorräder: die rote Sportlerin V12 LM, Erbin der legendären Le Mans, den eleganten Tourer V12 Strada und das angriffslustige Funbike V12 X. Mit Plastikteilen gingen die beiden Designer dabei sparsam um. Den puristischen Charakter der drei V12 unterstreichen andere Details. Ein in die Schwinge integriertes Federbein bei der LM zum Beispiel.

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Einziges Manko des Trios: Ob es gebaut wird, steht in den Sternen. Mindestens zwei Jahre werde es dauern, so die Manager vom Mutterkonzern Piaggio, diese Motorräder zur Serienreife zu bringen. Und überhaupt sei darüber noch gar nicht entschieden; das große Hallo auf der Messe kam offensichtlich überraschend. Immer-hin will Piaggio in den nächsten Jahren rund 25 Millionen Euro in die Marke Moto Guzzi investieren und 2013 sogar einen neuen Motor auf den Markt bringen. In Kombination damit könnte das modular aufgebaute V12-Konzept Kosten sparen und die momentan eher unübersichtliche Modellpalette straffen.

Gibt es nach den Turbulenzen der vergangenen Monate, in denen das Ende des Werks nahe schien, nun also doch einen Neustart für Moto Guzzi? Mit solchen Motorrädern könnte es klappen.

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