Preisgünstige Sporttourer (Archivversion)

Modellgeschichte
Die ZZ-R 1100 werde schon bald Geschichte sein, orakelte ein ehemaliger Redakteurskollege nach dem ersten Test der Kawasaki GPZ 1100. Sicher ein kühnes Fazit, um seiner Begeisterung Ausdruck zu verleihen. Aber verständlich, denn die GPZ war 1995 mit 17990 Mark nicht nur der preisgünstigste Einstieg in die Big-Bike-Klasse von Kawasaki, sondern auch ein Sporttourer mit vielen Qualitäten.
Dazu zählen beispielsweise zwei bequeme Sitzplätze für lange Tagesetappen. Oder der gute Windschutz der gar nicht so üppigen Verkleidung. Nicht zu vergessen das stabile und leidlich handliche Fahrwerk mit straff abgestimmten Federelementen, die auch mal sportliches Kurvenwetzen problemlos mitma-
chen. Dazu bissige Bremsen und ein druckvoller, kultivierter Vierzylinder. Dieser stammt von dem Highspeed-Überflieger ZZ-R 1100, wurde jedoch über zahmere Steuerzeiten und reduzierte Vergaser-Querschnitte auf eine Maximalleistung von 129 PS gedrosselt. Ebenfalls an Bord sind praktische Dinge für Tour und Alltag wie verstellbare Handhebel, Gepäckhaken, Benzinuhr oder der Hauptständer.
Kritik gab es anfänglich für den sehr hohen Kraftstoffverbrauch, den Kawasaki jedoch mit einer neuen Vergaserabstimmung rasch auf zeitgemäße Werte um sechs Liter reduzieren konnte. Schöner Nebeneffekt dieser Maßnahme ist der noch etwas bulligere Antritt des wassergekühlten Triebwerks. Dennoch war der GPZ 1100 kein großer Verkaufserfolg beschieden. Daran änderte auch die 1996 nachgeschobene ABS-Variante – leider mit etwas grobschlächtigem Gebaren im Regelbereich – nichts. So nahm Kawasaki den Sporttourer Ende 1998 aus dem Programm. Die ZZ-R 1100 indes schlug sich noch bis 2001 recht wacker. Gut, dass besagter Ex-Kollege seine Brötchen nicht als Hellseher verdienen muss.
Marktsituation
Dem vergleichsweise günstigen Preis zum Trotz geriet die GPZ 1100 zum Flop. Zwischen 1995 und 1998 konnte der deutsche Kawasaki-Importeur ge-
rade einmal 1540 Stück losschlagen. Dazu addieren sich noch 251 Exemplare mit ABS. Auch drastische Preisnachlässe in Höhe von 2500 Mark ab 1997 brachten keine deutlichen Zuwächse.
Das Angebot an Secondhand-Maschinen ist also dünn gesät. Aufgrund der geringen Nachfrage bewegen sich die Preise auf einem sehr günstigen Niveau. Der Preisrahmen erstreckt sich von rund 2500 Euro für 1995er-GPZ 1100 mit Laufleistungen zwischen 30000 und 50000 Kilometern bis maximal 4500 Euro für Spitzenexemplare der letzten Baujahre mit Koffern und ABS und weniger als 20000 Kilometern auf dem Tacho.
Besichtigung
Das von der bekannt zuverlässigen ZZ-R 1100 abstammende Drossel-Triebwerk der GPZ gilt als äußerst standfest und kennt keine typspezifischen Schwächen. So kann man sich bei der Besichtigung auf Pflegezustand, Verschleißteile und eventuelle Sturzspuren konzentrieren.

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