Projekte von BMW und Kawasaki Junge Pflänzchen

Von Ralf Schneider; Zeichnung: Stefan Kraft, Computergrafik: Antoine Collignon

Zeichnung: Kraft
Nur eines der hier vorgestellten Motorräder wird ein zartes Pflänzchen werden. Jung sind sie jedoch beide; sie haben das Licht der Welt noch nicht erblickt.
Da war doch noch was. Über der allherbstlichen Flut von
Neuheiten, die uns ganz konkret und produktionsreif vor Augen
standen, wurden sie zeitweilig in den Hintergrund gedrängt, die noch nicht ganz so weit gediehenen Projekte. Aber selbstverständlich nicht vergessen.
Schließlich hat der Boss von BMW Motorrad, Dr. Herbert Diess höchstselbst, in einem Mitte Juli veröffentlichten Interview die Neuheit angekündigt, welche MOTORRAD-Zeichner Stefan Kraft für diese Geschichte visionär zu Papier gebracht hat. In dem spannenden Versuch, die Entwürfe der Haus-Designer vorauszuahnen, die lieber zu Stein erstarren würden, als eben diese Entwürfe vor der Zeit zu offenbaren.
Von einem Einzylinderbike hat Dr. Diess geredet, das ein Nischenmotorrad sein und nur 150 Kilogramm wiegen soll. Karge Informationen, die gleichwohl elektrisieren. Motorräder, die nur 150 Kilogramm wiegen, elektrisieren
immer. Und weil Diess als Liebhaber des Supermoto-Sports gilt, liegt es nahe, in dem solchermaßen umrissenen Projekt eine sportliche BMW mit Super-moto-Elementen zu sehen. Das bleibt seitens BMW auch unwidersprochen.
Es ist ein weiteres offenes Geheimnis, dass die Entwicklungsabteilung aufstöhnte, weil der Chef die ehrgeizige Gewichtsvorgabe so früh an die Öffentlichkeit gebracht und sie
damit festgenagelt hat. Zumal der
aktuelle F 650-Motor 50 Kilogramm wiegt und eine aufwendige Schlankheitskur braucht.
Was die zu erwartende Leistung betrifft, so
wird angesichts der
biederen 50 PS
des bestehenden Motors leicht vergessen, welche Hochleistungsgene in ihm schlummern. Der Zylinderkopf ist abgeleitet vom BMW M 3, er bietet eine gute Basis für rund 100 PS pro Liter Hubraum. Dieses Niveau sollte ein Einzylinder auch erreichen, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Da es BMW-Ingenieure nicht für sinnvoll
erachten, über die 650 cm3 hinauszugehen, weil dann unerwünschte
thermodynamische Effekte die Leistungsausbeute schmälern würden, läge die Spitzenleistung für den legalen Straßenbetrieb also bei rund 65 PS.
Analog zur Hard-Enduro HP2 passt für die Supermoto der Typencode
HP1. Im Gegensatz zur Zeichnung dürfte der Riemenantrieb zum Hinterrad weniger offen liegen, zumal die F 650 CS mit einer Extra-Abdeckung nach-
gerüstet werden müsste, um die Verletzungsgefahr zu verringern. Aber sonst: schlanke Linie, zierlicher Gitterrohrrahmen und keine Schnörkel. Das könnte BMW genau so bauen.
Wie das erste so ist auch das zweite Motorrad dieser Geschichte im wahren Sinn des Wortes Chefsache. Bei der Präsentation seiner Neuheiten in Paris
erwähnte Kawasaki-Präsident Shinichi Morita zur Überraschung aller eine
Maschine, die nicht 2006, sondern erst 2007 auf die Straßen kommen soll. Man sei gerade dabei, einen Tourer zu entwickeln, erzählte Morita fast
beiläufig, welcher den Vierzylinder der eben erst
enthüllten ZZR 1400 tragen werde, freilich mit Kardanantrieb. Und er ließ für ein paar kurze Sekunden eine Zeichnung auf die Großleinwand beamen. Zum Glück gab es Fotografen, die trotz Verblüffung draufhielten.
Ausgehend von dieser abfotografierten Zeichnung, ergänzt durch einige zusätzliche Informationen, hat MOTORRAD-Mitarbeiter Antoine Collignon eine Computergrafik des Tourers gezaubert, der GTR 1400 heißen könnte.
Er nahm dafür Technikdetails und Stilelemente der ER-6-Modelle sowie aktueller Kawasaki-Supersportler auf. Die Verkleidungsscheibe des recht sportlich gezeichneten Reisedampfers
wird einstellbar sein, und selbstverständlich bekommt er ein ABS.
Derzeit ist wohl noch nicht entschieden, ob die GTR 1400 tatsächlich mit Underengine-Auspuffanlage ausgestattet sein wird. Sollte das entsprechende Dämpfervolumen tatsächlich unter dem Motor unterzubringen sein, würde diese Lösung auf
elegante Weise Platz für Gepäck, Soziusfußrasten und eine geräumige Sitzbank schaffen, ohne die Schräglagenfreiheit zu sehr einzuschränken.
Deshalb ist eine Auspuffanlage mit zwei Schalldämpfern nach Art der ZZR 1400 auch weniger wahrscheinlich. Denkbar, sofern sie gut
belüftet werden kann, wäre auch eine Underseat-Anlage. Die Motorleistung wird gegenüber den 192 PS der ZZR deutlich reduziert, zugunsten eines höheren Drehmoments. Ein für die Klasse
rekordverdächtiger Wert von rund 150 PS sollte aber schon zu
erreichen sein. Weil man schließlich mit vielen Pferdchen am gemütlichsten reisen kann.

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