Projekte von Ducati, Honda und Aprilia (Archivversion) Mosaik-Bilder

Puzzle ist nicht der richtige Ausdruck, weil Puzzleteile bereits eine fest umrissene Form haben.
Diesen Luxus bieten die derzeitigen Neuheiten-Informationen nicht. Setzt man sie zusammen,
ergibt sich meist nur ein grob gezeichnetes Mosaik.

Daran gezweifelt hatte wohl niemand mehr, doch Ducati bestätigt es erst jetzt: Das puristische Funbike Hypermotard mit 1000er-Zweiventil-V2 wird in Serie gebaut. Als die Bologneser bei der Mailänder Messe im vergangenen November den Prototyp präsentierten, waren sie noch unsicher, ob sie das Abenteuer wagen sollten. Doch der enthusiastische Zuspruch der Fans sowie zwei Designpreise lösten alle Zweifel auf. Trotz längerfristiger Produktionsplanungen, in welche die Hypermotard eingeschoben wird, soll sie im Frühjahr 2007 bei den Händlern stehen. Auswirkungen auf die anderen geplanten Modelle soll das nicht haben. Darüber, welche dies sein werden, lässt Ducati kein Wort raus. Hartnäckig halten sich allerdings Gerüchte um einen Nachfolger des sportlichen Ducati-Flaggschiffs 999.
Nicht weniger maulfaul geben sich Honda-Offizielle zum Thema Neuheiten. Im Gegenteil, der größte Motorradhersteller der Welt scheint eine große Zahl von Maurermeistern zu beschäftigen, die sich erst dann zu neuen Modellen bekennen, wenn man sie ihnen mit ihren eigenen Prospekten nachweisen kann. Zum Glück finden sich in den Reihen eines jeden weltweit operierenden Konzerns auch unbefangene Menschen, die ab und zu ein kostbares Informationsschnipselchen herschenken. Manchmal fügen sich solche Schnipsel zu einem Bild zusammen.
Eines davon zeigt eine längst überfällige Nachfolgerin der Honda CBR 1100 XX. Lange schon wird darüber spekuliert, und MOTORRAD hatte bereits 2004 Hinweise, dass eine solche Maschine serienreif sei. Sie wurde jedoch nicht produziert – wie manche vermuten wegen der neuen BMW K 1200 S. Für 2007 scheint es endlich wahr zu werden. Ob die vermutlich aber zur Intermot 2006 präsentierte »neue« Neuentwicklung wirklich eine 1200er wird oder mit 1300, ja 1400 Kubikzentimeter Hubraum kommt, lässt sich noch nicht sagen. Weil Honda bei der Gestaltung neuer Modelle derzeit vorsichtig agiert, bleibt ihr Erscheinungsbild wohl im Grundsatz erhalten, wird jedoch zugespitzt und kantiger. Auch am Scheinwerfer dürfte sich
der Trend zu markanten Formen ablesen lassen. Zu erwarten sind zeitgemäße Komponenten, zum Beispiel eine Upside-down-Gabel und radial verschraubte Bremszangen. Was vom jetzigen Verbundbremssystem übrig bleibt, wird sich zeigen. Bei einem
Image- und Technologieträger wie einer CBR XX liegt es nahe,
raffinierte technische Lösungen einzubauen.
In der Frage, ob ein solches Motorrad mit Reihen-Vierzylinder oder einem V5-Motor an den Start geht, stehen die Chancen zwar zugunsten des Vierzylinders, endgültig ausgeschlossen ist eine Serienmaschine mit Fünfzylinder indessen noch nicht. Denn
es gibt Andeutungen, die von der Entwicklung eines innovativen Kühlsystems für den kompakten Kraft- und mithin auch Hitzewürfel sprechen. Trotz energischer Dementis halten sich Gerüchte über eine neue Honda Varadero und in
ihrem Gefolge ein Funbike namens FMX 1000. Die erstgenannte Neuheit ist weitaus wahrscheinlicher, völlig aus der Luft gegriffen ist die zweite jedoch nicht. Gut möglich, dass ein Funbike mit einem großen Zweizylinder erst fürs Modelljahr 2008 geplant ist oder nach mehr oder weniger weit gediehenen Vorarbeiten erst einmal wieder auf Eis gelegt wurde. Was kleinmütig von Honda wäre. Der Trend zu großvolumigen Supermotos ist zwar noch nicht zum Millionenmarkt herangewachsen, trägt deshalb noch ein Spekulationsrisiko in sich, aber in puncto Gestaltung, Innovation und Fahrdynamik geht dort die Post ab. Ein puristisches, scharfes Design gepaart mit einer guten Portion Honda-Verlässlichkeit würde das hohe Haus in diesem Segment würdig vertreten.
Doch jetzt zur Varadero: Seit dem letzten Facelift sind dreieinviertel Jahre vergangen; das jetzige Modell ist also in der vierten Saison, davor war die Erstausgabe ebenso lange in Diensten. Allein deshalb ist die nächste Evolution dringend angezeigt. Außerdem geriet die Varadero seit der Ausrüstung mit CBS/ABS, vollgetankt 291 Kilogramm schwer. Das geht, wie BMW mit der R 1200 GS vorgemacht hat, auch
gut 40 Kilo leichter, zumal Antiblockiersysteme der jüngsten
Generation unter zwei Kilogramm wiegen. Gewichtsersparnis ist folglich das Ziel, deshalb hat der Autor der Computergrafik seiner Varadero Speichenräder gegeben. Leichter als die derzeitigen Alu-Trümmer werden diese wohl sein, moderne, gewichts-
optimierte Gussräder können sie jedoch kaum unterbieten. Dem
Streben nach weniger Gewicht und mehr Dynamik folgend, wird das Design niedriger, gestreckter und pfiffiger ausfallen.
Keinen Zweifel mehr gibt es daran, dass eine neue Generation von Hornet-Modellen entsteht, deren Erscheinung vor allem durch einen schön verarbeiteten Alu-Rahmen aufgewertet werden soll. Die Illustration zeigt eine Hornet 1000 mit dem Motor der großen CBF, der wiederum vom Supersportler Fireblade abstammt. Wobei sie erst der zweite Schritt in die neue Hornet-Ära sein wird, denn zuerst kommt eine neue 600er. Der Grund dafür liegt auf der Hand – in Italien und Spanien, wo sich Motorräder vom Schlag
der Hornet 600, Suzuki GSR 600 oder Yamaha FZ6 massenhaft verkaufen, möchte Honda seine starke Stellung verteidigen.
Aprilia hat da ganz andere Prioritäten. Der oberitalienische Hersteller muss sich eine starke Stellung erst wieder erkämpfen. Zum Glück hat der neue Eigner Piaggio das für umfangreiche Neuentwicklungen nötige Budget kürzlich freigegeben. Und mittlerweile hat Aprilia den Designer Sergio Robbiano engagiert, um einen neuen Supersportler zu gestalten. Schon 2008 soll dieser in der Superbike-WM mitfahren (siehe auch Seite 148). Robbiano, ein Schüler des Ducati 916-Designers Massimo Tamburini, ist der Mann, der die Entwürfe
für die neuesten Bimota-Modelle DB5 und DB6 Delirio geliefert hat. Er verspricht, neben »seiner« neuen Aprilia würde alles andere alt aussehen. Die dem Stil bisheriger Robbiano-Designs nachempfundene Studie, die allerdings nicht von ihm selbst stammt, wirkt jedenfalls schon sehr interessant. Es ist offenbar noch nicht entschieden, was für eine Art Motor Aprilia bauen wird, momentan scheint ein V4 wahrscheinlicher als ein Reihentriebwerk. Sollte das Motorrad wirklich 2008 zum Einsatz kommen, kann diese Entscheidung nicht mehr lange auf sich warten lassen.

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