Ratgeber: Motorrad mieten (Archivversion) Miet for Speed

Wer bei der Ausfahrt mit den Bikerfreunden endlich einmal mithalten will, kann sich schlecht mal eben einen Supersportler kaufen. Da bietet sich eine Mietmaschine an. Das gilt auch für alle, die ein Motorrad vor dem Kauf ausführlicher Probe fahren wollen. MOTORRAD klärt dazu die wichtigsten Fragen.

Wie findet man einen Vermieter?

Die Suche nimmt etwas Zeit in Anspruch, meistens beginnt sie im Internet. Wer auf den einschlägigen Suchseiten „Motorrad mieten“ eingibt, erhält eine lange Liste mit Treffern, von denen viele auf kleinere, regionale Anbieter verweisen. Darunter befinden sich aber auch drei große Vermietplattformen: Motorradvermietung.net (Motorent) arbeitet wie ein Branchenverzeichnis und listet lediglich die Adressen und Kontaktdaten von Händlern oder Vermietstationen auf. Erento.com und Qrental.de stellen ebenfalls einen Kontakt her. Letztlich kann man den natürlich auch persönlich suchen. „Entweder man wendet sich direkt an den Händler seines Vertrauens oder bemüht die entsprechenden Verzeichnisse auf den jeweiligen Marken-Webseiten“, sagt Thomas Alber vom ADAC. Kawasaki, Harley-Davidson, Honda und Triumph vermieten sogar eigenständig Motorräder über ihr Händlernetz. Vorteil der Internet-Anbieter: Man ist bei der Anfrage nicht an Öffnungszeiten gebunden, und das Angebot ist markenübergreifend. Mehrkosten für Vermittlung und Service entstehen nicht.


Woran erkennt man seriöse Anbieter?

Händler sind über jeden Zweifel erhaben, da sie über den jeweiligen Hersteller oder Importeur vertraglich in der Pflicht stehen. Bedenken entstehen eher im Internet durch viele kleine, wechselhafte Angebote. Deshalb lautet der Tipp, sich an die bereits genannten Anbieter zu wenden: Qrental, Motorent und Erento arbeiten eng mit einzelnen Fachhändlern oder direkt mit den Importeuren zusammen. Auch wenn sie dabei letztlich nur vermitteln, hat man doch immer einen festen, zuverlässigen Ansprechpartner.


Welche Unterlagen werden benötigt?

Um ein Motorrad zu mieten, benötigt man einen rechtskräftigen Führerschein für die entsprechende Fahrzeugklasse („A1“ für Leichtkrafträder, „A beschränkt“ für Motorräder bis 34 PS und „A unbeschränkt“ für alle anderen) sowie einen gültigen Personalausweis. Alternativ wird auch ein Reisepass mit aktueller Meldebestätigung akzeptiert. Von den Dokumenten erstellt der Vermieter bei Vertragsabschluss für gewöhnlich eine Kopie. Aber keine Sorge: Er ist dem Datenschutz verpflichtet.


Vermieten alle Anbieter bundesweit?

Es ist meist nicht möglich, ein Motorrad in München anzumieten und in Hamburg wieder abzugeben. Für die sogenannte Einwegmiete fehlen entsprechende Händlerkooperationen. „Den meisten Händlern gehören die Motorräder, die sie vermieten, persönlich“, weiß ADAC-Mann Alber, „und jeder hat ein Interesse daran, dass sein Eigentum wieder zu ihm zurückkehrt.“ Einzig Harley-Davidson bietet die Möglichkeit, ein Motorrad bei Vermietstation A zu mieten und es bei Vermietstation B abzugeben. Qrental und Triumph planen ebenfalls ein solches Angebot. Im Zweifel kann es nicht schaden, auch Händler anderer Marken nach einer individuellen Lösung zu fragen.


Wer haftet bei Schäden?

Das hängt davon ab, welche Versicherung abgeschlossen wurde. Rechtsanwalt Ralph Andreß aus Heilbronn empfiehlt eine Vollkaskoversicherung mit niedriger Selbstbeteiligung: „Am besten sogar, man schließt eine Versicherung ohne Selbstbeteiligung ab, um nicht für Bagatellschäden zur Kasse gebeten zu werden“, sagt er, „allerdings steigt dann der Mietpreis.“ Der Regelfall ist eine Selbstbeteiligung in Höhe von 300 bis 1000 Euro. Wichtig ist auch, den Leistungsumfang zu prüfen. Die meisten Vollkaskoversicherungen schließen Betriebsschäden (Reifenplatzer) oder Bedienungsfehler aus. Davon abgesehen: Nicht für alle Motorräder gibt es eine Vollkaskoversicherung. Wer nur mit Teilkaskoschutz auf einem Mietmotorrad unterwegs ist, sollte bedenken, dass diese nur durch Unwetter oder Diebstahl entstandene Schäden übernimmt. Eine Haftpflichtversicherung ist ohnehin Pflicht. Sie tritt für Fremdschäden und Verletzungen des Unfallgegners ein. Deshalb ist es wichtig, bei einem Unfall die Polizei zu verständigen oder bei Fahrerflucht Anzeige gegen unbekannt zu erstatten, um sich zu entlasten. Die Mindestdeckungssumme der Haftpflicht sollte eine Million Euro betragen, empfiehlt Andreß.


Darf man mit einem gemieteten Motorrad auf die Rennstrecke?

Letztlich regeln das die Vertragsbestimmungen, die man aufmerksam lesen sollte. Meist ist allerdings die Teilnahme an Rennsportveranstaltungen und Fahrertrainings oder das Befahren von Rennstrecken dort ausdrücklich untersagt, so dass ein Mietmotorrad nur im öffentlichen Straßenverkehr bewegt werden darf. Außerdem kann die Reise in gewisse Länder (zum Beispiel nach Osteuropa) vertraglich ausgeschlossen sein. Auslandsfahrten sollte man grundsätzlich vorher mit dem Vermieter besprechen.


Was kostet es, ein Motorrad zu mieten?

Die Preise variieren je nach Marke, Modell, Termin und Kaution. Unter der Woche sind Maschinen unter Umständen günstiger zu mieten als am Wochenende oder während der Haupturlaubszeit. Harley-Davidson beispielsweise vermietet eine Sportster unter der Woche für 29 Euro, am Wochenende für 49 Euro pro Tag. Auf jeden Fall lohnt es sich, nach Spezialtarifen zu fragen. Kawasaki verlangt für einen Tag mit der ER-6n inklusive 300 Frei-Kilometern 49 Euro plus Kaution. Eine ZX-6R kostet 79 Euro pro Tag plus Kaution, die sich häufig an der Höhe der Versicherungsselbstbeteiligung orientiert. Sie liegt mitunter zwischen 500 und 1000 Euro, kann aber auch 2000 Euro betragen. Die meisten Vermieter akzeptieren EC- oder Kreditkarte. In den Tarifen eingeschlossen sind Wartung, Steuer, Versicherung mit Selbstbeteiligung und eine gewisse Anzahl an Frei-Kilometern. Die tatsächlich gefahrenen Kilometer werden bei der Rückgabe kontrolliert. Jeder Extra-Kilometer schlägt je nach Fahrzeugklasse mit zehn bis 45 Cent zu Buche. Auf Wunsch ist auch eine Vollkaskoversicherung erhältlich.


Was ist, wenn das Motorrad bei der Übernahme in schlechtem Zustand ist?

Da gibt es nur einen Ratschlag: „Das Motorrad auf gar keinen Fall übernehmen und umgehend reklamieren“, sagt ADAC-Experte Alber. In der Regel handelt es sich bei den Mietmotorrädern aber um Fahrzeuge aus der aktuellen Modellpalette und nicht um „alte Schinken“. Bei den Internetplattformen müssen die Vermieter schriftlich versichern, dass das angebotene Fahrzeug in einwandfreiem Zustand ist. Bei Defekten während der Mietzeit sollte unverzüglich der Vermieter kontaktiert werden.


Warum gibt es keine Vermietfirmen wie in der Autobranche?

Motorrad ist ein Saisongeschäft und stark vom Wetter abhängig. Im Winter tendiert die Nachfrage nach Maschinen gegen null, die sich dann buchstäblich kaputt stehen. Außerdem ist die Motorradszene ein vergleichsweise überschaubarer Kreis, die Zahl potenzieller Mieter gering. Für Händler wiederum lohnt sich das Zusatzgeschäft deshalb, weil sie damit im Prinzip nichts anderes anbieten als eine ausführlichere Probefahrt. Tatsächlich hat sich so mancher Mieter schon für einen Kauf entschieden, nachdem er das Produkt erst einmal getestet hat.


Wie lange darf man ein Motorrad mieten?

In den Preislisten erscheint eine Woche als Miethöchstdauer. Wer jedoch eine mehrwöchige Reise plant, kann individuell eine längere Nutzungsdauer vereinbaren. Wichtig: Es besteht kein Rücktrittsrecht. Wenn man eine Tour abbricht und das Motorrad vorzeitig zurückgibt, erhält man keinen finanziellen Ausgleich. Theoretisch ist auch eine Dauermiete denkbar, doch dann sind Leasing oder Kauf irgendwann günstiger.


Werden Mietmotorräder angeliefert?

In der Regel nein. Es sei denn, der Vermieter bietet den Service an, das Mietmotorrad nach Hause oder zum Flughafen zu stellen oder dort abzuholen. Meist werden dann zusätzliche Transportkosten fällig. Kawasaki zum Beispiel berechnet dafür pro Kilometer momentan einen Euro. Harley-Davidson stellt USA-Reisenden im Rahmen seiner Fly-and-ride-Urlaubsangebote das Mietfahrzeug beispielsweise am Flughafen des Ankunftsorts kostenlos abfahrbereit hin.


Worauf muss man achten, wenn man ein Motorrad im Ausland mietet?

Es gelten dieselben Punkte, die man auch bei einer Anmietung im Inland beherzigen sollte. Also: Vertrag aufmerksam lesen und auf Kleingedrucktes achten. Darüber hinaus ist zu klären, was „mit Versicherung“ bedeutet. Ist damit nur die Haftpflichtversicherung gemeint, die in Europa vorgeschrieben ist? Oder gehört auch eine Kaskoversicherung dazu? Der Versicherungsanbieter und die Art der Versicherung sollten im Vertrag genannt werden. Im Ausland ist es oftmals egal, wer den Schaden an einem Fahrzeug verursacht hat, es ist immer der Mieter verantwortlich – die Selbstbeteiligung ist daher meist um ein Vielfaches höher. Tipps: Bei einem fremdverschuldeten Unfall unbedingt die Polizei verständigen, damit der Unfallgegner benannt und zur Rechenschaft gezogen werden kann. Im Zweifel werden Streitigkeiten nach dem im Ausland geltenden Recht behandelt. Bei der Haftpflicht auf die Mallorca-Police im Vertrag achten, die die oft zu niedrigen Deckungssummen im europäischen Ausland ausgleicht. Falls möglich: Buchung bei hiesigem Vermieter.


Kann man auch Zubehör/Kleidung mieten?

Die Frage ist für Führerscheininhaber interessant, die selber kein Motorrad haben und nur gelegentlich fahren, so dass sich persönliche Schutzkleidung nicht lohnt. Bei Harley-Davidson bekommt man mit dem Mietmotorrad Helm und Regenkombi gestellt. Schwieriger sieht es bei anderen Marken aus. Nur vereinzelt stellen sie Zubehör oder Helm, Jacke und Hose zur Verfügung. Ein wichtiger Punkt ist die Hygiene, auf die man bei Leihkleidung achten sollte. Ansonsten hilft nur der Kauf, oder man fragt im Freundeskreis nach.


Wie gut ist die Verfügbarkeit?

Generell gut, vorausgesetzt man ist flexibel und nicht auf einen festen Termin oder ein bestimmtes Modell fixiert. „Während der Haupturlaubszeit – Juli bis September – sollte man allerdings längere Vorlaufzeiten von mindestens vier Wochen einplanen und gegebenenfalls reservieren“, rät Thomas Alber. Viele Vermieter bieten gegen eine Anzahlung eine Reservierung an. Außerhalb der Saison können Fahrzeug-Kontingente schon mal durch Veranstaltungen (Harley Days et cetera) eingeschränkt sein. Zu beachten ist außerdem: Nicht alle Händler haben alle Modelle in ihrem Miet-Portfolio.


Worauf muss man bei Vertragsabschluss achten?

Wichtig vor Vertragsabschluss ist, dass man die Bedingungen verstanden hat. Auch sollte man darauf achten, dass alles richtig eingetragen ist: Motorradtyp und Fabrikat, Leistung, Kilometerstand und – ganz wichtig – bereits vorhandene Schäden und Kratzer. Außerdem: Ist der Tank voll oder leer? Das Übernahmeprotokoll sollte man gemeinsam mit dem Vermieter ausfüllen. Die Kautionszahlung wird meist über die Kreditkarte abgewickelt. Je höher die Kaution, desto vorsichtiger wird gefahren, so die Devise der Vermieter. Niemals sollte man einen Blanko-Kreditkartenbeleg unterschreiben. Den unterschriebenen Beleg unbedingt nach der Fahrzeugrückgabe einfordern oder vor Zeugen vernichten lassen. Nicht zu vergessen: Berechtigt zum Führen des Mietmotorrads und dafür verantwortlich ist nur derjenige, der den Vertrag unterschrieben hat.


Acht Schritte bis zum Mietmotorrad

1. Vermieter suchen, entweder über den Handel oder im Internet
2. Auswahl treffen, Zeitraum und Modellwunsch nennen
3. Schutzkleidung besorgen, zur Not Vermieter oder Freunde fragen
4. Übergabetermin und -ort vereinbaren, nach Möglichkeit Bestätigungsschreiben einfordern
5. Mietfahrzeug kontrollieren, Mängel unbedingt schriftlich festhalten
6. Versicherungsmodalitäten klären, auf Kaskoschutz und Höhe der Selbstbeteiligung achten
7. Mietvertrag sorgfältig durchlesen und erst dann unterschreiben
8. Rückgabetermin und -ort einhalten. Wer überzieht, zahlt. Volltanken nicht vergessen.

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote