Ratgeber Werkstatt: Hebeleien (Archivversion) Alles eine Frage der Einstellung

Wer die Hebeleien am Motorrad korrekt eingestellt hat, fährt nicht nur entspannter, sondern auch sicherer.

Jeder Mensch ist anders: groß, klein, breit; einer hat lange Arme und große Hände, der andere kurze Beine und zierliche Füße. Beim Auto läßt sich die Sitzposition mit wenigen Handgriffen einstellen, beim Motorrad muss etwas geschraubt werden. Es kostet jedoch oft nur wenig Mühe, die Hand- und Fußhebel seiner Maschine an die persönlichen Bedürfnisse und anatomischen Gegebenheiten anzupassen. Ist alles richtig eingestellt, nimmt der Fahrkomfort zu – und damit auch die aktive Verkehrssicherheit, denn je perfekter Sitzposition und Hebellage dem Fahrer passen, desto wohler fühlt er sich auf der Maschine, und desto besser kann er sich auf das Fahren und den Verkehr konzentrieren.

Stellung der Handhebel
1. In Fahrposition aufsitzen, Lenker mit offenen Händen locker umfassen, Finger auf Kupplungs- bzw. Bremshebel auflegen.
2. Die gedachte Linie durch Unterarm und Handgelenk über den Lenker zu den Fingerspitzen soll möglichst gerade sein.
3. Ist die Linie nach unten abgebogen,
stehen die Handhebel zu tief. Ist die gedachte Linie im Handgelenk nach oben abgeknickt, stehen die Handhebel zu hoch. Beides ist für entspanntes Fahren wenig geeignet.

Handhebel einstellen
1. Schrauben der Klemmung lösen (nicht ausdrehen!), komplette Hebelarmatur in die passende Position drehen. Je nach Marke und Modell sind hier Inbus- oder Sechskantschrauben angebracht (bei manchen Motorrädern sind die Hebeleien allerdings mit Stiften fixiert und lassen sich nicht verstellen).
2. Befestigungsschrauben wieder festziehen. Zuerst die obere Schraube, bis die Klemmschale dicht anliegt, dann die untere Schraube (jeweils mit 10 Nm). Wenn die Klemmschale abgeschraubt war, so anbringen, dass Pfeil und/oder "UP" auf der Klemmschelle nach oben zeigen. Achtung: Keine Kabel einklemmen!

Schalthebel einstellen
Sitzt der Schalthebel direkt auf der Schaltwelle, geht das Einstellen leicht: Klemmschraube lösen, Hebel versetzen, Klemmschraube festziehen. Bei den meisten Motorrädern ist der Schalthebel allerdings auf der Fußraste oder Fußrastenplatte gelagert und mit der Schaltwelle über ein einstellbares Gestänge mit Kugelköpfen verbunden.

Grundsätzlich muss der kurze, auf der Schaltwelle sitzende Hebel (Bild ) senkrecht nach oben oder unten aufgesteckt sein (nur bei ganz wenigen Motorrädern steht dieser Hebel schräg, z. B. bei Yamaha R6/R1, Honda CBF 1000). Wichtig: NICHT den Winkel des Schalthebels verändern, indem der kurze Hebel in einer anderen Position auf der Verzahnung der Schaltwelle angebracht wird! Denn wenn dieser nicht senkrecht (bzw. nahe 90 Grad zum Schaltgestänge) auf die Welle aufgebaut ist, kommt es durch den ungünstigen Winkel zum Gestänge zu Schaltproblemen.

Bei vielen Motorrädern ist die Montageposition des kurzen Hebels auf der Schaltwelle mit einem Körnerpunkt gekennzeichnet. Dieser muss mit dem Klemmschlitz fluchten. Soll der Schalthebel nach oben oder unten verstellt werden, sollte folgendermaßen vorgegangen werden:
1. Beide Kontermuttern der Kugelköpfe an der Schaltstange lösen und mindestens zwei Umdrehungen zurückdrehen.
Beim Lösen (sowie beim späteren Festziehen) der Kontermuttern die Schaltstange mit einer Zange gegenhalten, sonst können die Kugelköpfe beschädigt werden! Lappen zwischen die Zangenbacken legen, um Kratzer an der Schaltstange zu vermeiden. Aufpassen: Eine Seite der Schaltstange hat ein normales Rechtsgewinde, die andere Seite ein Linksgewinde!
2. Durch Rechts- oder Linksdrehen der Schaltstange wird die Lage des Fußschalthebels nach oben oder unten verändert.
3. Wenn die richtige Einstellung gefunden ist, beide Kontermuttern gegen die Kugelköpfe kontern.

Fußbremshebel einstellen
In der Regel fährt man am komfortabelsten, wenn sich Bremshebel und Schalthebel auf gleicher Höhe befinden. Dafür zum Messen des Abstands zwischen Fußraste und Fußhebel eine Wasserwaage waagerecht auf die Fußraste legen und das Maß nach unten zur Hebelspitze bestimmen.

Entscheidend ist allerdings der Wohlfühlfaktor, und wenn der sagt, Bremshebel weiter nach unten, dann sollte man die Einstellung auch so vornehmen – wenn man beispielsweise mit dicken Endurostiefeln fährt, kommt man oft nicht umhin, die Fußhebel unterschiedlich einzustellen.

Die Einstellung des Fußbremshebels wird durch Ein- oder Ausdrehen der Druckstange, die zum Bremskolben im Hauptbremszylinder führt, vorgenommen. Achtung: Es muss ein wenig "Luft" sein zwischen Bremshebel, Druckstange und Bremskolben (man nennt das "Schnüffelspiel")! Falls der Fußbremshebel sich gegen eine Anschlagschraube stemmt, dann muss diese ebenfalls so eingestellt werden, dass ein Schnüffelspiel vorhanden ist.
1. Gabelschlüssel an Konter- und Einstellmutter, Kontermutter lösen und einige Gewindegänge freischrauben.
2. Obere Einstellmutter so weit verdrehen, bis die gewünschte Hebelhöhe erreicht ist.
3. Einstellschraube mit dem Gabelschlüssel halten und Konter-mutter festziehen.

Nach Abschluss der Fußbremshebel-Einstellarbeiten prüfen, ob das Bremslicht richtig funktioniert: Sobald die Bremskolben anliegen und sich eine erste Bremswirkung einstellt, muss das Bremslicht aufleuchten. Ist dies nicht der Fall muss der Bremslichtschalter eingestellt werden.

Er sitzt meist hinter der Fußrastenplatte und ist deswegen oft nicht besonders gut erreichbar. Über eine Feder ist er mit dem Bremspedal verbunden und wird auf Zug betätigt. Zum Einstellen des Ansprechverhaltens des Bremslichtschalters die Sitzmutter, in der der Bremslichtschalter in seiner Haltebohrung gelagert ist, entsprechend aus- oder eindrehen, wodurch der Bremslichtschalter nach unten oder oben verschoben wird. Dabei mit der einen Hand den Bremslichtschalter festhalten und mit der anderen Hand die Mutter entsprechend verdrehen.

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