Ratgeber Werkstatt: Simmerringe wechseln (Archivversion) Ölalarm

Wenn sich das Gabelöl den Weg ins Freie sucht, gibt’s Arbeit. Denn zum Tausch der Simmerringe muss die Telegabel komplett zerlegt werden. Eine Arbeit für Spezialisten oder begabte Hobby-Schrauber mit umfangreichem Werkzeugsortiment.

Aufbauend auf den Schraubertipps in MOTORRAD 4 und 6/2009 geht der Wechsel der Simmerringe noch einen Schritt weiter. Allerdings muss vorher das Gleitrohr auf eventuelle Beschädigungen in der verchromten Oberfläche untersucht werden. Schon kleinste Ausbrüche würden auch den neuen Dichtring in kürzester Zeit zerstören. Und tiefe Laufspuren und Riefen kann ein neuer Dichtrring nur für kurze Dauer ausgleichen.

Wer mit Hammer, Durchschlag und roher Gewalt ans Werk geht, macht mehr kaputt als ganz.

Die Arbeiten zum Wechsel der Simmerringe können beginnen, wenn Federn und Öl aus den Gabelholmen entfernt sind (MOTORRAD 6/2009). Alle weiteren Schritte sind bei konventionellen und Upside-down-Gabeln fast identisch. In beiden Fällen muss die zentrale Verbindung über den Dämpfereinsatz (A) gelöst werden. Die Hohlschraube sitzt, durch die Achsbohrung zugänglich, unten im Tauchrohr und ist meist eingeklebt. Was dazu führt, dass sich das Dämpfergehäuse in der Gabel mitdreht und über ein Spezialwerkzeug blockiert werden muss. Dieses kann sich der Tüftler aus einem passenden Stahlrohr basteln (B), wenn er die Verzahnungsform des Dämpfers ausfindig machen kann. Achtung: Beim Ausbau der Zentralschraube bleibt der Dichtring oft in der Bohrung stecken und kann beim Reinigen verloren gehen.

Im nächsten Schritt wird die Staubkappe über dem Simmerring mit einem Schraubendreher vorsichtig abgehebelt (C) und der darunter liegende Drahtsicherungsring entfernt (D). Unbedingt darauf achten, dass dabei die verchromte Oberfläche der Stand- oder Tauchrohre nicht beschädigt wird.

Damit sich der eingepresste Simmerring leichter aus dem Aluminium-Holm entfernen lässt, sollte dieser mittels Heißluftföhn erhitzt werden. Dann wird das Tauchrohr in einen soliden Schraubstock mit Aluminium-Schonbacken gespannt und das Standrohr mit kräftigen, ruckartigen Bewegungen herausgezogen (E). Mit dem Simmerring erscheinen auch die geschlitzten Lagerschalen, die durch Aufspreizen abgezogen werden. Un-bedingt auf Reihenfolge, Einbaurichtung und Verschleiß achten. Die meist graue Teflonschicht der Lagerschalen muss durchgängig erhalten sein. Schimmert das darunterliegende Metall durch, ist eine Erneuerung unumgänglich. Ein generelles Verschleißmaß oder Radialspiel gibt es nicht, weil die Einbautoleranzen je nach Konstruktion und Einsatz ausgelegt sind.

Beim Ausbau der Lagerschalen wirft sich oft am größeren Festlager ein feiner Grat auf, der mit einem geeigneten Werkzeug und einem 300er-Läpp-Leinen entfernt werden muss (F). Danach die Lagerschale und alle anderen Bauteile gründlich reinigen.
Vor der Montage des neuen Simmerrings sollten die eingedrehten, scharfkantigen Nuten der Lagerschalen mit dünnem Paketklebestreifen (G) abgedeckt werden. So werden die vorher mit Silikonfett eingestrichenen empfindlichen Dichtlippen beim Überstreifen nicht beschädigt. Danach die Klebestreifen entfernen, Lagerschalen und Stahlscheibe montieren und das gesamte Paket ins Tauch- oder Standrohr schieben. Der flexible Drahtring lässt sich auch nach dem Zusammenbau montieren. Zum Einpressen der Simmerringe kann bei konventionellen Telegabeln ein langes Rohr mit einer passenden Scheibe zum Schutz der Dichtringe verwendet werden.
Etwas komplizierter wird es bei Upside-down-Gabeln. Bei ihnen muss eine zweiteilige Hülse (H) zwischen Staubkappe und Simmerring eingelegt werden, über die sich dann Dichtring und Lagerschale einpressen lassen. Auch bei diesem Vorgang wird der Sitz im Aluminium-Stand- oder Tauchrohr vorher erwärmt und damit aufgeweitet.
Die Halbschalen lassen sich mit einem O-Ring, der im Durchmesser etwas kleiner ist als das Stand- oder Tauchrohr, sicher fixieren. Anschließend bleibt der O-Ring als Federwegsanzeiger auf dem Standrohr zurück.

ACHTUNG: Auf keinen Fall die Simmerringe mit einem Durchschlag eintreiben. Sie werden beschädigt, und wenn’s dumm läuft, ist auch die Chromoberfläche der Standrohre vermackt. Nach diesen Arbeitsschritten wird der Dämpfereinsatz wieder mit der Zentralschraube (Loctite) verbunden und die weitere Montage so fortgesetzt wie in MOTORRAD 6/2009 beschrieben. Wie das Lenkkopflager eingestellt wird, erfahren Sie in MOTORRAD 10/2009.

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