Rechtstipp: Anwaltssuche (Archivversion) Liebling Kreuzberg

Die meisten Leute kennen Anwälte nur aus dem Fernsehen. Bis sie selbst einen brauchen. Weil aber Liebling Kreuzberg, Abel, Dr. Renz, Edel und Starck nicht zu haben sind, muss ein anderer Jurist ran. Ralph Andreß, Rechtsanwalt in Heilbronn, erklärt, wie man den richtigen findet.

Den richtigen Anwalt – den finden
Sie in Ihrer Nähe. Und dass er der richtige ist, erkennen Sie daran, dass er
für Sie immer erreichbar ist, dass er sich Zeit nimmt für Sie, dass er Ihre Angelegenheiten zügig bearbeitet, dass er alle Dokumente und das Geld, das Sie erstreiten, schnell an Sie weiterleitet.
Wenn Sie sich für einen Anwalt entscheiden, werden Sie das allerdings noch nicht wissen können. Und wenn Sie später klug werden, hilft Ihnen das auch nicht weiter. Also: Was tun? Zunächst mal rumfragen im Bekanntenkreis oder bei Motorradclubs aus der Gegend. Oder noch
einfacher: Sie fragen bei Ihrer Haftpflichtversicherung nach, welche Kanzlei von
ihr regelmäßig beauftragt wird. Dabei
sollten Sie jedoch darauf achten, dass Ihr
Gegner vor Gericht nicht bei der gleichen
Assekuranz abgeschlossen hat.
Weiter bringen Sie auch die örtlichen Anwaltsvereine, dort erfahren Sie, wer
sich in welchen Spezialgebieten besonders gut auskennt. Das geht manchmal sogar aus den Gelben Seiten hervor, wo sich Anwälte nach eigener Einschätzung für ein bestimmtes Rechtsgebiet eintragen lassen können.
Lassen Sie auf jeden Fall die Finger von einer gebührenpflichtigen Hotline, denn was die Ihnen für Bares bieten, bekommen
Sie im Internet häufig schneller und für
lau (siehe Tipps Seite 113 unten). Ohnehin kann ein Blick ins Netz, auf die Homepages der einzelnen Kanzleien, sich als hilfreich erweisen. Doch sollten Sie nicht vergessen, dass diese Seiten vor allem
der Selbstdarstellung dienen und keine Aussage über die Qualität liefern.
Selbst wenn ein Jurist die Ansprüche seines Mandanten erfolgreich vertreten hat, muss das nicht heißen, dass man es mit
einem fähigen Vertreter seiner Zunft zu tun hat. Sogar der versierteste Anwalt kann bei einer eindeutigen Sachlage die Gesetze nicht zu Gunsten seines Klienten verbiegen; und auch der unfähigste schließt hin und wieder einen Fall erfolgreich ab.
Auch von Wortgewalt und Schauspielkunst sollten Sie sich nur vor dem Fern-
sehapparat beeindrucken lassen, nicht aber in der Realität. Ein Anwalt, der vor Gericht erst große Töne spuckt und dann kleine Kompromisse macht, wirkt nicht nur peinlich, er verspielt seinen Kredit bei den Richtern und erfreut allenfalls die Rentner auf der Zuschauerbank.
Ein guter Anwalt wird gleich zu Beginn Ihrer Unterredung über Geld sprechen.
Zuerst ist zu klären, ob eine Rechtsschutz-
versicherung zahlt. Das Thema Geld sollte
allein schon deshalb gleich zu Beginn
angesprochen werden, damit später keine böse Überraschung eintritt. So könnte
es durchaus passieren, dass Sie Recht
bekommen und dennoch draufzahlen.
In zivilrechtlichen Angelegenheiten, und dazu gehören auch Unfallregulierung oder Einklagen von Schmerzensgeld, ist die Vereinbarung einer höheren Vergütung
als der gesetzlich vorgeschriebenen nicht üblich. Deshalb lohnt es sich für einen
Anwalt manchmal einfach nicht, weit
entfernte Gerichtstermine wahrzunehmen. Und das, obwohl seine Honorierung zunächst fürstlich erscheint. Bei näherer Betrachtung ergibt sich jedoch ein anderes Bild. Dazu ein Beispiel. Nach einem Unfall betragen die Reparaturkosten 3000 Euro. Der Verursacher lehnt jede Haftung ab, es muss
geklagt werden. Ausgehend von den 3000 Euro Streitwert verdient der Rechtsanwalt für das Formulieren und Einreichung der Klage sowie alle Verhandlungen vor Gericht 472,50 Euro netto.
Dafür muss er folgende Leistungen bringen: Besprechung mit dem Mandanten – 30 Minuten; Anforderung Unfallakte und Aktenstudium – 30 Minuten; Fertigstellung der Klage – 30 Minuten; Hin- und Rückfahrt zum 100 Kilometer entfernten Amtsgericht – drei Stunden; Verhandlung – 30 Minuten. Ergibt summa summarum einen Zeitaufwand von fünf Stunden. Auf den
ersten Blick ein ordentlicher Stundenlohn, falls der Anwalt aber ein zweites oder
drittes Mal zur Verhandlung fahren muss, sieht die Sache anders aus. Außerdem ist Umsatz nicht gleich Gewinn. Von den
Gebühren muss der Anwalt seine Kanzlei, die Sekretärin, Telefon und was sonst noch zu einem Büro gehört, zahlen.
Weil es sich nicht rechnet, ein paar hundert Kilometer bis zum Gericht zu
fahren, beauftragt der Anwalt einen Kollegen vor Ort. In einem solchen Fall kann
zusätzlich eine »Verkehrsgebühr« in Höhe
von 189 Euro netto abgerechnet werden.
In aller Regel vereinbaren die Anwälte,
das Honorar zu halbieren, bleiben also für
jeden 330 Euro – und damit ein höherer Stundenlohn. Klar, welche Variante der Anwalt bevorzugen wird.
Wenn Sie in München wohnen, Ihr
Unfall aber in Köln passiert ist, suchen
Sie sich Ihren Anwalt am besten vor Ort, nicht am Unfallort. Sie sparen damit Zeit und Aufwand. Und in Zivilsachen wird der Rechtsstreit schließlich eh durch umfangreiche Schriftsätze an das Gericht vorbereitet, hierin liegt die Hauptarbeit, nicht im Auftritt während der Verhandlung.
Anders sieht es bei strafrechtlichen Angelegenheiten und Ordnungswidrigkeiten aus. Das fängt bereits beim Honorar an, da die gesetzliche Vergütung zur Kostendeckung hier meist nicht reicht. Deshalb wird eine Vereinbarung abgeschlossen. Je schwerer der Vorwurf, je mehr für den Mandanten auf dem Spiel steht, desto
höher der Arbeitsaufwand, desto höher das Honorar. Und bei Strafsachen macht sich der Anwalt auch auf die Reise, egal, wie groß die Entfernung ist. Denn in diesen Fällen schlägt der Auftritt vor Gericht viel mehr ins Gewicht als bei Zivilprozessen.
Der Anwalt ist der Interessenvertreter seines Mandanten. Das heißt jedoch nicht, dass er sich in den Fall so hineinsteigert und hineinversetzt wie der Mandant. Für den Mandanten ist das alles eine Aus-
nahmesituation, für den Anwalt Routine. Außerdem muss er die Distanz bewahren, die der Mandant oft nicht hat.
Bei Prozessen, in denen motorradspezifische Fragen auftauchen, kann es mit Sicherheit nicht schaden, wenn der Anwalt selbst Motorrad fährt. Doch das garantiert keine besseren Erfolgsaussichten, und prinzipiell kann jeder versierte Verkehrsrechtler Motorradfahrer adäquat vertreten.
Seit neuestem können Juristen sich zum »Fachanwalt für Verkehrsrecht« weiterbilden. Was diese Spezialisierung bringt, ist noch nicht abzuschätzen. Juristen, die sich seit Jahren erfolgreich mit Verkehrs-
unfällen und -delikten beschäftigen,
werden sich kaum den Strapazen und
dem Aufwand einer solchen Weiterbildung unterziehen. Sie sind aufgrund ihrer Erfahrung unter Umständen besser qualifiziert als ein frisch gebackener Fachanwalt.
Bevor Sie zum Anwalt gehen, sollten Sie selbst ein paar Dinge bedenken,
die Ihre zukünftige Zusammenarbeit erleichtern. Unangemeldete Mandanten sind allenfalls in der Glotze an der Tagesordnung, vereinbaren Sie also einen Termin. Sollte das innerhalb einer Woche nicht möglich sein, wechseln Sie am besten
den Anwalt, der Mann oder die Frau scheint überbeschäftigt zu sein oder kein Interesse an Ihrem Fall zu haben. Vor Ihrem Gespräch sollten Sie Ihre Unterlagen zusammenstellen und chronologisch ordnen. Alle Beweismittel müssen im Original vorgelegt werden.
Immerhin hat ein gut eingeführter Anwalt meist einige hundert Fälle parallel
zu bearbeiten. Und einen guten Anwalt
erkennen Sie auch daran, dass er mit offenen Karten spielt und ihnen mitteilt, dass die Entschädigung für Ihre abgebrochene Verkleidung hinter der drohenden Inhaftierung eines Familienvaters oder dem Führerscheinverlust eines Berufskraftfahrers zunächst mal hintanstehen muss.
Wer keine Rechtsschutzversicherung hat oder den Anwalt nicht aus eigener
Tasche zahlen kann, sollte beim Amtsgericht einen Beratungsschein bekommen. Jeder Anwalt ist verpflichtet, Mandanten mit einem solchen Schein zu beraten.
Die Kosten rechnet er dann direkt mit
dem Amtsgericht ab. Kommt es zu einem gerichtlichen Verfahren, kann Prozesskostenhilfe beantragt werden, wenn der Mandant als bedürftig gilt. (Sollte der Prozess verloren gehen, werden die Kosten der Gegenpartei freilich nicht von der Staatskasse getragen.)

Weitere Tipps und Informationen:
www.rechtsanwaltsuche.de; www.anwalt24.de; www.anwalt-suchservice.de; www.anwaltverein.de; www.rechtsanwaltssuchdienst.de

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