Report: Bimota DB5 (Archivversion) Und es ward Form

So schnell wie in der Bibel klappte der Schaffensprozess bei Bimota zwar nicht. Doch immerhin bekam die neue DB5 ihre Form in nur einem Jahr – und kassierte gleich den begehrten Design-Preis.

Rückkehr mit einem Paukenschlag: Lange schien es, als ginge Italiens Edelschmiede Bimota nach dem Konkurs im Jahr 2000 und mehreren neuen Anläufen die Puste aus. Nun aber meldet sich die kleine Firma aus Rimini mit der DB5 Mille eindrucksvoll zurück.
Bei der Entwicklung des Konzepts besann sich das Team um Technik-Chef Alberto Strada und Designer Sergio Robbiano auf die Tradition des Hauses. Ein Sportmotorrad sollte es sein, auf den ersten Blick als Italienerin und als Bimota zu erkennen. »In Sachen Antrieb war die Sache damit klar«, kommentiert Ingenieur Alberto Strada, 36. »Ein luftgekühlter Zweizylinder wie der von Ducati ist nun mal der klassische italienische Motor.« Dazu ein ebenso klassischer Gitterrohrrahmen aus Stahl, in typischer Bimota-Manier durch gefräste Aluminiumplatten verbunden. Fahrstabil und doch handlich sollte die DB5 werden, unter 160 Kilogramm wiegen, der Radstand 1430 Millimeter nicht überschreiten.
Mit diesen Eckdaten entstanden ab September 2003 die ersten Zeichnungen. Wobei sich Sergio Robbiano, 38, keineswegs nur fürs Aussehen zuständig fühlt: »Jeder Motorrad-Designer braucht technische Kenntnisse, nur dann kann er gut arbeiten.« Dieses Credo setzte der Genueser bei der DB5 flugs um, die Idee für die außergewöhnliche Schwinge stammt von ihm. Den Mix aus Gitterrohrverbänden und gefrästen Aluprofilen wählte er aus zwei Gründen: »Zum einen sieht es scharf aus«, meint der Hobby-Rennfahrer lachend. »Zum anderen bietet diese
Kombination handfeste Vorteile: Um die Geometrie grundlegend zu ändern, tauscht man einfach die Aluprofile der Achsaufnahme – und macht das Motorrad damit kürzer, länger, höher oder tiefer.«
Ende 2003 hatte er seine maßstabsgetreuen Zeichnungen fertig, Anfang des Jahres 2004 baute Bimota das Fahrwerk samt Motor auf und lieferte es an Robbianos Studio nach Genua. Der modellierte ab Mitte März auf dieser Basis die Form der DB5 in Ton. »Wir wollten ein Motorrad, das wie eine schnelle, vollverkleidete Grand-Prix-Maschine wirkt, aber dennoch den Blick auf die Mechanik des Motors und den Rahmen freigibt«, erläutert der Schüler von Italiens Motorrad-Guru Massimo Tamburini sein Ziel.
Nach 30 hektischen Tagen hatte er das Motorrad fertig, wie in der Branche üblich, modellierte er dabei nur eine Hälfte. Nun kamen wieder die Bimota-Ingenieure zum Zug, die sich in der Zwischenzeit vornehmlich um die Entwicklung des Rahmens
und der Schwinge gekümmert hatten,
und übertrugen die exakten Daten des
Tonmodells in den Computer, schufen ein dreidimensionales CAD-Modell. An dem perfektionierten sie nach und nach sämtliche Details, von den verstellbaren Fußrasten bis zur gefrästen Gabelbrücke.
In Sachen Federbein und Upside-down-Gabel fiel die Wahl auf komplett einstellbare Öhlins-Komponenten, die Leichtmetallräder stammen von OZ, die Bremsanlage von Brembo. Schwierig gestaltete sich die Auswahl von Blinkern, Spiegeln und Licht; die zugekauften Teile sollten nicht an andere Motorräder erinnern. Robbiano behalf sich mit kleinen Tricks und montierte zum Beispiel die Blinker der Benelli Tornado an der DB5 verkehrt herum.
Im August schließlich bauten die Techniker die ersten Prototypen auf. Eine wichtige Frage stand noch an: die Lackierung. Auch hier setzte das Team auf den klassischen Look: warmes Rot sowie kühles Silber mit blauen Lichtreflexen. Farben, die Leidenschaft und Technologie versinnbildlichen sollen und »für die Philosophie der alten und der neuen Firma Bimota stehen«, so Technik-Chef Strada.
Das Ergebnis scheint ein voller Erfolg, denn beim ersten Auftritt auf der Messe
in München erntete die DB5 nicht nur
die Zustimmung der Fachwelt in Form
des »International Design Award«, sondern überzeugte auch das Publikum. Importeur Tommy Wagner, der die DB5 ab April nach Deutschland bringt, verzeichnete viele Anfragen – trotz des gesalzenen Preises von rund 25000 Euro. Der lässt sich individuell sogar noch höher treiben. Unter dem
Namen »Bimota Corse« wollen die Riminesen nobles Zubehör bieten, vom Motor- bis zum Fahrwerks-Kit. Und der nächste Paukenschlag, so versichern sie, sei schon in Arbeit – natürlich formvollendet.

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