Report: Firmenportrait Wunderlich Die Geschichte des BMW-Veredlers Wunderlich

Die Geschichte beginnt mit einer raffiniert ausgetüftelten Ventilschmierung für den Yamaha XT-Single. 25 Jahre später ist Erich Wunderlich einer der bekanntesten BMW-Veredler. Ein Besuch in der Eifel.

Foto: Archiv Wunderlich

Was am Nürburgring funktioniert, ist auch im Rest der Welt gut zu gebrauchen!" Die Binsenweisheit der Region scheint die Unternehmensmaxime von Erich Wunderlich zu sein - klein, fein, aber äußerst wirksam und mit einer entsprechenden Portion Understatement. Das zieht sich durch die Produktpalette des 47-jährigen BMW-Spezialisten, die mittlerweile auf stolze 1500 Katalogseiten angewachsen ist: Handhebel, Fußrasten, Windschilde, Sitzbänke. Erich Wunderlich greift vor allem da ein, wo es seinem Gefühl nach schlecht um die Einheit von Mensch und Maschine bestellt ist. Wunderlich, so sagt sein Umfeld, geht dabei sehr methodisch zur Sache, hat Defizite von Motorrädern im Serienzustand selbst ausgiebig erfahren und sucht dann mit Hilfe von Popometer und Fingerspitzengefühl nach der Lösung.

Die kann dann zum Beispiel wie der "Variolever" aussehen: ein Handhebel, der sich nahezu jedem Bedürfnis anpassen lässt. Das Tüfteln an kleinen, aber entscheidenden Dingen hat Tradition im Hause Wunderlich. 1986 fing es an. Im Zentrum damals: die beliebte und sehr weit verbreitete XT-Generation von Yamaha. Die Standfestigkeit des robusten Einzylinders, so Wunderlichs Idee, ließe sich mittels einer Ventil-Direktschmierung gehörig steigern. Die Szene war baff, die ersten Lorbeeren für das junge Unternehmen waren geerntet.

Inzwischen ist Yamahas XT-Reihe schon längst vom Globetrotter-Thron gestoßen. Dafür ist nun BMWs GS-Reihe auf nahezu allen Pisten der Welt, vor allem aber den staubigen, zu Hause. Entsprechend konsequent hat Wunderlich sein Portfolio auf die Erfolgsmarke aus München abgestimmt. Für Wunderlich selbst markierte die R 100 GS den Wendepunkt. Für ihn war sie quasi Quell und Katalysator seiner Kreativität. Der Name, den sich Wunderlich bei den XT-Fahrern erarbeitet hatte, war zunehmend auch in der anspruchsvollen BMW-Klientel zu hören. Mit dem Erfolg in dieser Sparte wuchsen auch die Aufgaben und Herausforderungen, den weißblauen Bikes die spezielle Wunderlich-Note zu verpassen. Was wiederum Folgen fürs Geschäft mit den Yamaha-Teilen hatte: 2004 fiel Yamaha aus dem Programm, Wunderlich war fortan zu 100 Prozent BMW-Spezialist. Seine zahlreichen Veredelungen von BMW-Bikes tragen exotische Tiernamen wie Piranha (S 1000 RR), Tarantula (R 1200 RT) oder Jararacca (R 1200 GS). Eine Hommage an seine Herkunft. Erich ist das Kind deutscher Brasilienauswanderer. Die südamerikanische Lebensart, heißt es im Freundeskreis, prägt ihn bis heute: Sie zeigt sich u. a. dadurch, dass Ideen im Sekundentakt aus ihm heraussprudeln, er sich diebisch über gelungene Experimente freuen kann, aber auch schmerzfrei eigene Fehler akzeptiert.

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Foto: Archiv Wunderlich

Auch sein Führungsstil, sagen langjährige Mitarbeiter, sei von diesem interkulturellen Mix geprägt. Geschäftsführer Alexander de la Motte, im Unternehmen für Finanzen und Controlling zuständig und von daher sehr faktenorientiert, muss seinem Chef immer wieder ein hohes Maß an visionärer Treffsicherheit bescheinigen: "So manches Produkt hätte ich mich nicht getraut, auf den Markt zu bringen. Aber rückblickend muss ich zugeben, dass sein Riecher richtig war." Und fügt abschließend grinsend hinzu: "Vision gegen Kalkulation, Emotion gegen Ratio, das ist hier fast unser täglich Brot." Wunderlich selbst pflegt dabei den kooperativen Dialog mit seinen Mitarbeitern - allen voran Peter Hoppe, der Wunderlich von Firmengründung an zur Seite steht und mittlerweile die Verwaltung des mittelständischen Unternehmens betreut.

Wunderlich selbst ist der Dialog wichtige Stütze der Firma: "Die Qualität der Produkte kann ich nachhaltig nur über menschliche Qualitäten sichern." Bevor Erich im Alter von fünf Jahren nach Deutschland kam, konnte ihm der Großvater im fernen Brasilien noch den Zweiradbazillus einimpfen. Auf einer abgehalfterten Vespa wurden die Basis gelegt: Hier der Gasgriff, da die Bremse und für den Anfang reicht der erste Gang. Mittlerweile hat Wunderlich natürlich kräftig hochgeschaltet. Zukünftig auch wieder mit Yamahas: "Alte Liebe rostet nicht - jedenfalls nicht bei mir", lacht er, und sein Blick streift eine alte XT. Wahrscheinlich hat er schon wieder eine neue Idee parat...

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Foto: Archiv Wunderlich

Zahlen, Daten, Fakten

Das ist Wunderlich

Vom Garagenschrauber aus Ahrweiler zum international erfolgreichen BMW-Veredler. 2010 feierte das Unternehmen in der Eifel sein 25-jähriges Betriebsjubiläum.

1985 Firmengründung: erster Versand von Teilen für Yamaha SR- und XT-Modelle.

1986 Entwicklung der Ventilschmierung für Yamaha-Einzylinder.

1988 Einstellung des ersten Mitarbeiters.

1991 Präsentation der ersten Wunderlich-BMW R 100 GS .

2004 Einstellung des Yamaha-Programms. BMW-Zubehör wird künftig von 42 Mitarbeitern am Standort Sinzig betreut.

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