Report Royal Enfield (Archivversion) Neues vom Ältesten

Royal Enfield ist der älteste Motorradhersteller der Welt. Und der Besitzer dieser Firma sicherlich der jüngste. Beides zusammen ergibt eine interessante Kombination.

Es herrschte eine brütende Hitze in Stuttgart, und die MOTORRAD-Redakteure waren nicht so gekleidet, wie es sich beim Empfang eines von weither angereisten Gasts gehört. Zum Glück war dieser in keiner Weise pikiert, sondern zerrte sich während der verlegen gemurmelten Erklärung, man nehme es sonst nicht so locker mit dem Outfit, seinerseits die Krawatte vom Kragen. Mit einer gewissen Erleichterung.
Eine spontane Geste, die viel aussagt über Siddhartha Lal, 32, Geschäftsführer und Hauptanteilseigner des indischen Konzerns Eicher Motors Limited, zu dem auch der Motorradhersteller Royal Enfield gehört. Zwischen 2001 und 2004 hatte Lal ausschließlich als Leiter von Royal Enfield gearbeitet.
Der Einladung von MOTORRAD zu einem Interview folgte er im vergangenen August anlässlich einer Geschäftsreise in Deutschland. Über eine Stunde stand er Rede und Antwort, erklärte die Verbindungen seiner Familie zum einst urschwäbischen Traktorenbauer Eicher, sprach freimütig über Produktionsziffern, die Entwicklung des indischen Motorradmarkts und darüber, wie Royal Enfield versucht, den Spagat zwischen Indien und Europa, zwischen Tradition und Moderne zu schaffen. Obgleich er im Gespräch diszipliniert bei seiner Firma, seinem Land und seinem Thema blieb, offenbarte sich nebenbei, welch intensive Kontakte er zu BMW, Ducati, Harley-Davidson, Triumph sowie den japanischen Herstellern geknüpft hat. Lal weiß, wo Enfield im internationalen Vergleich steht. Dank eines großen, entspannt eingesetzten kommunikativen Talents, von dem sich auch die Interviewer überzeugen konnten.
Im Anschluss sorgte eine längere Motorradtour durch schattige Wälder am Rand des Nordschwarzwalds für Abkühlung. Mit Bedacht wählte Siddhartha Lal dafür die Dauertest-BMW F 800 S, die er bislang noch nicht gefahren war und deren ABS ihn sichtlich interessierte. Eine Suzuki GSX-R 1000 lehnte er mit dem Hinweis auf die geduckte Sitzposition und die zu hohe Leistung ab. »Viel zu abgehoben, dieses Motorrad hat ebenso viele PS wie unser stärkster Lkw. Dabei gilt unsere Bullet 500 mit ihren 22 PS in Indien als Superbike.“

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