Report: Werksschließung bei MZ Macht MZ zu?

Der malaysische Mischkonzern Hong Leong will sein Engagement in Zschopau mit Ablauf dieses Jahres beenden. Verhandlungen mit möglichen Investoren blieben bislang ohne Ergebnis. Ob es für MZ noch eine Chance gibt, ist mehr als ungewiss.

Es war ein Schreiben der Geschäftsleitung, das am 5. Juni 2008 die MZ-Händler in Aufregung versetzte. Der Brief, eine Seite lang und unterzeichnet, aber wohl kaum aufgesetzt von Geschäftsführer Steve Yap, war nicht unbedingt für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen. Doch es dauerte nicht mal einen Tag, bis größere Kreise zog, was der Händlerschaft in dieser Mitteilung eröffnet wurde: "Der Gesellschafter der MZ Motorrad und Zweiradwerk GmbH (MZ) hat die Einstellung des Geschäftsbetriebes zum 31. Dezember 2008 beschlossen."

Ines Börner, die Leiterin der Finanz- und Einkaufsabteilung bei MZ in Zschopau, findet deutlichere Worte. "Das Unternehmen wird aufhören zu existieren“, sagt sie. Und sie klingt nicht nur leicht belegt, als sie nachschiebt, MZ werde “liquidiert. Alle Mitarbeiter sind unterrichtet worden und werden ihre Kündigung in den nächsten Wochen erhalten."
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Sehr endgültig klingt das – und doch nicht so, als wäre der Beschluss allzu überraschend gekommen. Eher, als hätten Insider schon damit rechnen können, dass der malaysische Mischkonzern Hong Leong Berhad Industries einen Schlussstrich ziehen würde. “Es war absehbar, dass es eine Entscheidung geben würde“, sagt Frau Börner. Erstens läuft eine Bindefrist für Investitionszuschüsse des Landes Ende dieses Jahres aus. Zweitens: Gespräche um eine Übernahme von MZ hatten sich bereits über die vergangenen zwei Jahre hingezogen, aber die Verhandlungen mit diversen Investoren waren gescheitert. Warum? Die Antwort hängt davon ab, wen man fragt. Aus einer Quelle heißt es, dass jeweils mehrere Faktoren einer Einigung im Wege standen. Das können als unpassend erachtete Geschäftspläne des Investors sein, dessen mangelnde Liquidität oder fehlende Vertrauenswürdigkeit. Das können aber auch die Preisvorstellungen des Eigentümers sein.
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Der Erfolg blieb aus

Um die Übernahmeverhandlungen und um mögliche Kandidaten kursieren wilde Gerüchte und Wünsche. Fakt ist: Seitdem Hong Leong MZ (damals noch MuZ) nach dem Konkurs 1996 übernommen hatte, flossen zig – die Rede ist von 60 – Millionen Euro nach Zschopau. Und es floss nicht wirklich etwas zurück. Ambitionierte Pläne, MZ als feste Größe im Motorrad-Weltmarkt zu etablieren, bedurften wiederholt wesentlicher Korrekturen. Nach unten. Die Entwicklungsabteilung musste dichtmachen. Die Konstruktion des eigenen Zweizylinder-Motors, Kostenpunkt rund zehn Millionen Euro, zog sich hin. Trotz ihrer Qualitäten blieben den 1000er-Modellen Verkaufserfolge verwehrt. Die Produktion der 125er, tadellose Maschinen, wurde zum Teil nach Asien ausgelagert, Modellpflege nur noch mit geringstem Aufwand betrieben. Die Belegschaft schrumpfte bis auf knapp 50 Mitarbeiter zusammen; in besten Zeiten hatte MZ mal an die 3800 Leute beschäftigt. All das liest sich nicht wie eine Erfolgsgeschichte. Und doch ist es eine – zumindest in dem einen Sinne, dass MZ als Marke und Motorradbauer nach wie vor existiert.
Aber: nicht prosperiert, trotz zweistelliger Millionensubventionen des Landes Sachsen und der Investitionen aus Malaysia. Die Gründe dafür aufzuzählen wäre müßig, die Liste der Ursachen ist lang und nimmt ihren Anfang schon weit vor den Ereignissen, die in Deutschland so viel gewendet haben. Womit dann doch einer der Hauptknackpunkte genannt ist. Hinzu kommt, dass MZ bereits in Schwierigkeiten steckte, bevor der derzeitige Eigentümer eingestiegen war. Seit 1992 hatte Petr-Karel Korous die MZ-Geschäfte geführt, doch gibt es die Meinung, dass dieser Mann eigentlich eher seine eigenen Geschäfte geführt habe.

Hong Leong wiederum dürfte wohl nicht vorrangig am Umsatz mit großvolumigen Maschinen, sondern vielmehr an großvolumigem Umsatz interessiert gewesen sein. MZ, das sollte mit der 1000er die begehrte Leitmarke sein, um mit kleinvolumigen Motorrädern in Schwellenländern Geld zu verdienen. Kurz nachdem nun Anfang Juni die Absichten, das Werk zu schließen, die Runde gemacht hatten, signalisierte MZ-Chef Steve Yap doch wieder Gesprächsbereitschaft. "Wenn jemand fünf Millionen Cash auf den Tisch legt, können wir ins Geschäft kommen", soll er gesagt und dabei gelächelt haben. Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) versprach, sich dafür einzusetzen, "dass die Gespräche mit potenziellen Investoren wieder aufgenommen werden. Wir brauchen einen Investor, der die traditionsreiche Marke wieder mit Leben erfüllt", sagte er bei einem Besuch in Zschopau. Wird ein solcher Geldgeber nicht gefunden, lässt es sich kaum noch verhindern, dass MZ nach einem langsamen und teuren Niedergang zum Ende des Jahres in Teilen verkauft wird.

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