Reportage: Wie ein MOTORRAD-Test entsteht (Archivversion) Bis zur bitteren Neige

Woher kommen die Ideen, wer überprüft die Manuskripte? Wann schläft ein Testfahrer, was schleppt der Fotograf alles mit? Und überhaupt: Wie oft muss man durch die Kurve fahren, bis das Foto passt? Der ganz normale Wahnsinn eines MOTORRAD-Testablaufs.

Es könnte so einfach sein: Idee, Besprechung. Fahrer und Fotograf buchen. Losfahren. Nette Tour, Rückkehr, Bier aufmachen. Testprotokoll ausfüllen, ein paar Zeilen schreiben. Drucken, ausliefern. Neue Idee... Im Grunde genommen entstehen MOTORRAD-Tests auch so. So ähnlich zumindest. Beispiel gefällig?
Montag, 2. April. Die Testmannschaft sitzt im Konferenzraum, Themenplanung für Heft 12, das am 25. Mai erscheinen wird. »Wann kommt die Ducati Hypermotard? Reicht das für einen Fahrbericht?« fragt Redakteur Andi Bildl. Tut es nicht. Denn Testchef Gert Thöle, der die Präsentationstermine im Überblick hat, erklärt: »Die muss noch in Heft 11.« Okay. »Aber was ist mit der Z 1000?« will Kollege Peter Mayer wissen. »Zwölf Kilo schwerer als die Alte. Macht dieses Funbike noch Spaß?« Klar, dass da ein Vergleichstest fällig ist. Die weiteren Motorräder für den Vergleich werden festlegt: Aprilia Tuono Factory, Ducati S4R, KTM 990 Super Duke und Triumph Speed Triple. Was ist mit Benelli TnT oder MV Agusta Brutale? »Zu exotisch«, winkt Thöle ab. Kollege Peter Mayer, Redakteur des Tests, ist erfreut: »Sieben Motorräder gleichzeitig sind extrem. Jede weniger ist ein Geschenk für den Autor.«
Der Vergleichstest um die Kawa ist einer von acht Vorschlägen, die der Testchef am Dienstag, den 3. April auf der zweiwöchentlich stattfindenden Strukturkonferenz der Chefredaktion und den fünf weiteren Ressortleitern präsentiert. Rund 3000 redaktionelle Seiten stemmt die MOTORRAD-Mannschaft jährlich. Etwa 45 Prozent davon, also 1350 Seiten, entfallen auf den Testbereich. Je interessanter und aktueller ein Thema, desto größer die Chance, dass es akzeptiert wird und groß rauskommt, auf vielen Seiten nämlich. Denn daran fehlt es in der Regel, an Seiten. Weil die Redakteure meist mehr Ideen haben als Platz, sie umzusetzen. Das Feilschen um Seiten hat Börsencharakter und Auktionsflair. Für den Naked-Bike-Vergleich werden schließlich 14 Seiten veranschlagt. Und er soll eine besondere Note erhalten – beispielsweise die, ehemalige Bergrennstrecken in Italien zu befahren.
Doch wo gibt’s die? Grob geschätzte 17 Telefonate später weiß Mayer mehr, hat sechs Pisten zwischen Gardasee und Venedig ausfindig gemacht. Zeitgleich erstellt Produktionsleiter Matthias Ackermann einen Heftplan, ordnet auf den 172 Seiten die Artikel nach Aktualität. MOTORRAD setzt sich aus zwei Druckbögen zusammen, von denen einer schon zehn Tage vor Erscheinen des Hefts fertig sein muss.
Testchef Thöle bestellt die Motorräder bei dem jeweiligen Importeur, die alle einen Pressefuhrpark unterhalten, aus dem sich selbst das Hintertupfinger Tagblatt bedienen darf. Einen Tag später hat er von allen bis auf KTM die Zusage, dass die Maschinen in drei Wochen abholbereit sind.
Am 26. April steht der Mayer’sche Plan. Peter hat alles zusammen: Infos über die Strecken und deren Geschichte sowie Übernachtungsmöglichkeiten vor Ort. Tags darauf fahren zwei freie Mitarbeiter mit Mercedes Sprintern die Importeure an und laden die Motorräder. Neben den beiden Sprintern zählen zwei Pkw und zwei kleinere Transporter zum Fuhrpark der Redaktion. Pro Jahr addieren sich auf den Tachos der sechs Transport- wie Begleitfahrzeuge etwa eine halbe Million Kilometer. Außerdem spulen die Tester und Redakteure etwa 600000 Kilometer auf rund 320 Motorrädern ab.
Gegen 14 Uhr bereitet Tester Georg Jelicic die technischen Daten vor. Obgleich in der MOTORRAD-Datenbank gespeichert, müssen diese Angaben ständig auf abweichende Ausstattungsmerkmale und damit verbundene Preisänderungen überprüft werden. Währenddessen steht Kollege Mayer mit Holger Hertneck, dem Leiter des Ressorts Service, in der Kleiderkammer. Auf 52 Quadratmetern lagern 156 Paar Stiefel, 144 Helme, 82 Paar Handschuhe und hängen rund 1120 Kilogramm Leder- wie Textilkleidung in fast allen Größen und Farben. Zahlen der letzten Inventur? Nein. »Jemand, der zwei Mal im Monat mit einer Schramme am Motorrad zurückkam, wurde zum Zählen in die Kleiderkammer abkommandiert«, grinst Chefredakteur Michael Pfeiffer.
Vier Tage später der Super-GAU! Fünf Wochen lang war es wolkenlos, teils über 25 Grad, und jetzt hat sich über Italien ein Tiefdruckgebiet festgebissen. Keine Chance auf eine vernünftige Fotoproduktion. Krisensitzung. Test-Kollege und Racing-Urgestein Werner »Mini« Koch: »Im Fränkischen sind wir früher jedes Wochenende ein Bergrennen gefahren. Ruf doch mal den Arnulf an.« Arnulf heißt mit Nachnamen Teuchert, ist Vater von Superbike-DM-Star Jörg, früher selbst Rennsport-Alleskönner, heute Motorradhändler, begnadeter Alleinunterhalter – und Franke. Nach 30 Minuten kennt Mayer sechs ehemalige Rennstrecken im Großraum Nürnberg inklusive zwei Dutzend Anekdoten aus Teucherts zweiradsportlicher Sturm- und Drangzeit.
Um 9.20 Uhr steht Plan B – drei Stunden vor der Abfahrt. Die KTM wird just in time angeliefert, rollt gleich zum Boxen-Vorstopp. Die anderen Motorräder hatte Peter zusammen mit Fuhrparkleiter Gerry Wagner bereits am Freitagabend in der Werkstatt durchgecheckt: Kettenspannung, Ölstand, Rad- und Schwingenlager, Reifenprofil – letzte Sicherheit für die Fahrer. Übrigens: Die MOTORRAD-Werkstatt ist klein(60 Quadratmeter), aber fein. Das Reifenwuchtgerät fehlt hier ebenso wenig wie eine Absauganlage oder der Ölabscheider.
Um 12.30 Uhr sitzen die Fahrer startklar und papageienbunt in einteiligen, perforierten Lederkombis auf ihren Maschinen. Neben Autor Mayer, Gerry Wagner sowie den Tester Karsten Schwers und Sven Loll ist Gastfahrer Winni Beck mit von der Partie. Als Begleitfahrzeug dient ein Opel Vivaro, 150 PS, maximal 185 km/h, der neben Unterhosen und Zahnbürsten der fünf Motorradfahrer auch das Equipment des Fotografen aufnimmt.
Raststätte Wunnenstein, A 81, 12.48 Uhr, 37 Kilometer sind abgespult. Sonnenschein, gefühlte fünfzehn Grad. Volltanken. Start der 130-km/h-Verbrauchsfahrt, die mindestens 100 Kilometer dauert. Nach jeweils 20 Kilometern tauschen die fünf Männer durch. Um Gewichts- oder cw-Vorteile des einen oder anderen Fahrers jedem Motorrad zukommen zu lassen. Zwischenziel ist der Brombachstausee bei Spalt in Franken.
Dort sollen die Seitenstandards und Details der Maschinen abgelichtet werden – Aufwand pro Maschine: rund 30 Minuten. Absolute Sauberkeit Voraussetzung. MOTORRAD könnte zur Not auf Archivmaterial zurückgreifen. Allerdings wurde Motorrad x erstmals bei Sonnenschein in Italien fotografiert, Maschine y dagegen bei Regenwetter mitten in Rom. Und weil das eben nicht zusammenpasst, macht sich der Fotograf eben erneut ans Werk. Langweilt das nicht? »Nie«, sagt Künstle. »Jede Schraube ist eine neue Herausforderung.« Bevor jedoch heraus gefordert wird, beginnt das Hinterrad der Ducati Monster zu wackeln – Zwangsstopp. Die 46er-Achsmutter hat sich gelöst und wird mit einer Rohrzange festgezogen. Um 15.15 Uhr erreicht die durchgefrorene Testcrew den See. Verspätete Mittagspause, die Küche so kalt wie der Tag: Wurstsalat, Schinkenplatte – egal, Hauptsache satt. Wie immer.
Fortan heißt es: Motorräder putzen, Fotoausrüstung auspacken. Die Ducati-Achsmutter wird per Maulschlüssel in einer Traktorenwerkstatt nachgezogen. Der Mechaniker kommentiert: »Das Problem kenne ich von Fiat-Traktoren. Scheint typisch italienisch.« Zeitgleich zerrt Fotograf Jörg Künstle seine Basisausrüstung aus dem Wagen. Sie wiegt inklusive Verpackung und Hilfsmittel wie Helm, Trittleiter, Sichel, Besen, Werkzeug, Aufheller und Laptop 112 Kilogramm. Auch die Fotografen sind vor Wettrüsten nicht gefeit. »Vor zehn Jahren wurden störende Grasbüschel per Hand ausgerissen, bis vor kurzem reichte noch eine kleine Sichel«, resümiert Künstle und zwinkert mit dem linken Auge. Ein Kollege (Name der Redaktion bestens bekannt) hat seit letztem Sommer eine Motorsense im Repertoire... Derartige Tricks toppt Sonnenuntergangsfreund Künstle locker durch ein Notstromaggregat, das er für seine Studio-Blitzanlage mitschleift.
Redakteur Mayer bestimmt, was abgelichtet wird. Das richtet sich nach Auffälligkeit, Neuerungen, Funktionalität oder schlicht Schönheit. Um selbst tief beschattete Details ins rechte Licht zu rücken, werden die Sonnenstrahlen mit einem 2,5 Quadratmeter großen Aufheller aus dem Filmgeschäft in die richtige Richtung gelenkt. Punkt 18 Uhr sind die Details im Kasten. Die Gruppe nimmt ihre erste historische Bergrennstrecke unter die Räder .1,5 Kilometer lang windet sie sich zwischen den Orten Spalt und Großweingarten. Fotografisch ist sie allerdings eher unbedeutend. Dennoch lässt Künstle die fünf Piloten an drei verschiedenen Stellen zwischen sieben und elf Mal auf und ab fahren, formiert sie immer wieder neu – nach Fahrzeugfarbe. Was man hat, das hat man. Um 20.55 Uhr sind vier Einstellungen im Kasten. Gefühlte sieben Grad inzwischen. Die Crew checkt in einem kleinen Hotel in Greding ein. Warmes Essen gibt’s bis 21 Uhr. Glück gehabt. Gefrühstückt wird um 6.30 Uhr. Peter Mayer ist Frühaufsteher. Ein Team, das sich ideal ergänzt. Fotograf Künstle findet abends kein Ende.
Tag zwei, 10.09 Uhr: Wieder verstößt die Ducati ihre Achsmutter. Traktorenwerkstatt? Genau! Passt immer und ist im oberfränkischen Outback praktisch an jeder Ecke zu finden. 13.16 Uhr: schnelles Mittagessen: Kaffee, Wasser, Schokoriegel, Erdbeerkuchen. 14.20 Uhr: Gerangel um die Bikes – auf Zwischenetappen möchte jeder am liebsten Triumph oder KTM fahren – ein Bauchgefühl, das sich später aber mit der 1000-Punkte-Wertung decken wird. Testprofi Karsten, der quasi fünf volle Tage pro Woche auf Motorrädern sitzt, schwärmt: »Beide Maschinen machen so extrem an – eine davon muss ich unbedingt übers Wochenende mit heim nehmen.« Abgebrühte Tester? Nein, manchmal doch noch kleine Kinder.
Wie brutal anstrengend eine Fotoproduktion sein kann, erleben die fünf Fahrer am Freitagmorgen zwischen 8.25 Uhr und 11.40 Uhr in einer S-Kurvenkombination am Ellerberg. Entgegen der Wetterprognose ist das Licht optimal, der Asphalt hat den richtigen Grip. Der Fotograf hockt im Graben, die fünf rauschen im Formationsflug in zwei Meter Abstand an seiner Kamera vorbei. Dicht gedrängt. Lenker an Lenker. Vorderrad an Hinterrad. 40 Grad Schräglage, 80 km/h. Aufmacherverdächtig! Damit die Abstände stimmen, das Foto dynamisch wirkt, lässt Künstle die Formation 18 Mal wiederholen. Die fünf Piloten fahren die 450 Meter lange S-Kurve insgesamt 138 Mal durchs Bild, müssen dafür rund 70 Mal auf der schmalen Straße wenden und legen so allein an dieser Stelle 62 Kilometer in Schräglage zurück.
Am Ende des dritten Tages stehen nach der Selektion letztlich 788 Fotos zur Wahl, um 14 Seiten zu bebildern. Insgesamt hat Künstle 3766 Mal in 47 Einstellungen belichtet. Und das Team 900 Kilometer abgespult. O-Ton Gastfahrer Winni: »Fotofahren ist wie drei Stunden Rennstrecke am Stück. Mit einem Unterschied: Man hofft sekündlich auf die Zielflagge.« Treffend beschrieben. Mit testen hat das jedoch immer noch nichts zu tun.
Das beginnt am Montag, 7. Mai, pünktlich um 8.00 Uhr. Treffpunkt: ein Rastplatz an der A 8 Richtung München. Auf der Betonplatten-Autobahn werden die Nakeds auf Höchstgeschwindigkeitsstabilität geprüft. Sofern es der Verkehrsfluss zulässt. Nicht selten muss diese Aktion an einem ruhigen Sonntagmorgen wiederholt werden.
Autobahnabfahrt Weilheim, 9.45 Uhr, Tanke: randvoll befüllen. Start auf die MOTORRAD-Teststrecke, über die jedes Bike gescheucht wird. Die ersten 120 Kilometer dienen zur Ermittlung des Landstraßenverbrauchs und verbinden touristische Highlights der Schwäbischen Alb. 11.14 Uhr: erneutes Volltanken. Und hinein in ein Wechselkurvenbad bis zur 40 Kilometer entfernten Kickback-Strecke, einem einsamen, vier Kilometer langen kurvigen Sträßchen, übersäht mit Bodenwellen und Aufbrüchen. Jedes Motorrad wird hier ein paar Mal aus dem Stand bis 100 km/h voll beschleunigt. »Wenn hier der Lenker nicht auskeilt, wann dann?« Sagt Casten Schwers. Steigt auf. Visier zu. Starten. Vollgas! Nerven wie Drahtseile. Aber extrem sensibel.
Rund 450 Kilometer ist sie lang, die Teststrecke. Eine Aneinanderreihung von Wechselkurven, engen Kehren sowie weiten Radien mit sich den unterschiedlichsten Fahrbahnbelägen. Die sowohl Fahrer als auch Fahrwerk alles abverlangt und jegliche Schwäche gnadenlos offenbart. Soziustauglichkeit, Feedback, Lenkverhalten, Lastwechsel, Laufruhe – sieben Stunden Grenzbereich, zwei Schokoriegel pro Magen. Punkt 19 Uhr ist die fahrdynamische Bewertung abgeschlossen, um 21.15 Uhr wird der letzte der fünf Tester daheim sein.
Dienstag, 9.00 Uhr. Nach der täglichen Morgenkonferenz bewertet Karsten Schwers, stellvertretender Chef der Testabteilung, in der Tiefgarage Handhabung, Ausstattung und Wartungsfreundlichkeit der Motorräder. Drei Stunden lang schiebt er sie um Pfeiler, kratzt am Lack, dreht an Ölpeilstäben, nestelt an Gepäckhaken, untersucht Schweißnähte oder baut Batterien aus. Im Anschluss daran fahren Sven und ein Gehilfe die Motorräder zum Prüfstand, ermitteln die Leistung. Zeitgleich zu Svens Messung und Karstens Check steht Redakteur Peter Mayer mit Grafiker Jörg Rettenmayr im zweiten Stock des Gebäudes und wählt am 20-Zoll-Bildschirm die Fotos für die Story aus. Sieben Grafiker und Grafikerinnen sind allein für die Produktion von MOTORRAD täglich im Einsatz.
Um 17.00 Uhr hat Sven Loll die Kandidaten nicht nur über den Prüfstand gelassen, sondern obendrein noch die Beschleunigung ermittelt. Rettenmayr hat derweil aus 788 Bildern 33 für die Story ausgewählt, der Rest wandert ins Archiv. Dort lagern, vorsichtig geschätzt, 20 Millionen Fotos. Ganz nebenbei: Archivar Ralf Söhner hat noch volles Haar und kommt ohne Kompass aus. Vier Räume weiter bespricht das Testteam mit Leitwolf Thöle die Punktevergabe. Um 20 Uhr steht das Ergebnis definitiv fest.
Mittwoch, 9. Mai, 10.30 Uhr: Der Grafiker erstellt Seite fünf, Peter Mayer telefoniert mit den technischen Abteilungen einiger Importeure und Gerry organisiert Reifen für die Z 1000. Karsten stellt die Messwerte der Naked Bikes zusammen und übermittelt die Daten der Prüfstandsläufe an die Produktionsabteilung. Hier verwandeln fünf Damen Zahlen in Kurven, bauen Tabellen und passen Texte aus dem Redaktionssystem ins Layout ein.
Doch so weit ist es noch nicht. Am Nachmittag verlässt Peter die Redaktion. Mit allem, was er zum Schreiben braucht: Leistungskurven, Messwerte, Bewertungen, technische Daten, Impressionen. Bevor er sich allerdings zu hause an den Schreibtisch setzt, fegt er mit der Kawa noch mal drei Stunden über die Straßen, testet auf der normalerweise mit einem Dunlop Qualifier bereiften Z 1000 einen Metzeler Sportec M3. Der Grund: Das Handling der Kawa ist unausgewogen, die Tester haben die Reifen als Ursache im Verdacht. »Das muss man gegenfahren«, hatte Peter dem Fuhrparkleiter erklärt, was diesem das Kunststück abverlangt, in Windeseile die benötigten Reifen heranzukarren.
Mayer sitzt am Folgetag um 6.00 Uhr vor seinem Notebook. Rund 15000 Anschläge soll der Lauftext lang sein. Weitere 3000 kommen hinzu für Bildunterschriften und Infokästen. Um 14 Uhr steht er für 30 Minuten im Konferenzraum und präsentiert gemeinsam mit Grafiker Rettenmayr seine Story bei der täglich stattfindenden Layout-Sichtung. Ein Team aus Chefredaktion, interessierten Redakteuren und Grafikern begutachtet das Werk und übergießt es mit Kritik und Anregungen. Rettenmayr hat einen guten Job gemacht. Keine Beanstandung. Um 17.30 Uhr übermittelt Produktionsleiter Ackermann das Layout als 136-MB-Datenmenge an die 93 Kilometer entfernte Repro. Währenddessen sitzt Mayer wieder daheim vor seinem Laptop.
Pünktlich zum Arbeitsbeginn um 9.00 Uhr liegt das Manuskript am 14. Mai auf dem Tisch von Ressortleiter Gert Thöle. Dieser kontrolliert es auf technische Richtigkeit und leitet es weiter an Textredakteurin Monika Rickert, die es durch die große grammatikalische Lupe betrachtet, Wortwiederholungen und Satzstellungen korrigiert, auf Widersprüche und Ungereimtheiten aufmerksam macht. Dauer beider Durchläufe: je zwei Stunden. Am Folgetag lässt Produktionerin Yvonne Hertler die Texte ins Layout fließen. Gegen 11 Uhr erhält Mayer zum ersten Mal die Ausdrucke, auf denen Bild und Text miteinander verwoben sind. Der sogenannte Laserausdruck wird abermals auf Fehler und Wortwahl korrigiert – vom Autor, der Text- und Schlussredaktion. Klingt einfach, oder? »Leider sind häufig zwischen fünf und sieben Texten gleichzeitig im Umlauf«, seufzt Textredakteurin Monika. Und meist alles eilig, da täglich eine bestimmte Seitenanzahl in die Repro geliefert werden muss.
Yvonne bekommt den bekritzelten Laserausdruck am Mittwoch, 16. Mai, gegen 10 Uhr zur Korrektur, die sie am Bildschirm ausführt. Wieder wird die Story, jetzt Blaupause genannt, ausgedruckt und von Chefredakteur Michael Pfeiffer sowie Schlussredakteurin Sibylle Wiebusch auf Fehler durchforstet. Gegen 17.30 Uhr erhält Produktionsleiter Ackermann grünes Licht: Die Textdaten werden in die Repro geleitet – geschafft. Am 25. Mai liegt Heft 12 am Kiosk. Peter Mayer und der Rest des Teams sind längst wieder irgendwo auf Achse...

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel