Schnäppchenbikes 2006

Die Hammer-Deals

Fett absahnen kann man mit den folgenden über 70 Offerten. Doch zwischen einem dicken Deal und Sich-Tot-Sparen besteht ein großer Unterschied. Woran erkennt man also wahre Schnäppchen? Da hilft nur eines: Augen auf beim Kauf.

Foto: Archiv
Zum Beispiel die XT 660:  Wer das 2005er- oder 2004er-Modell wählt, bekommt wesentlich günstiger ein im Wesentlichen unverändertes Motorrad.
Zum Beispiel die XT 660: Wer das 2005er- oder 2004er-Modell wählt, bekommt wesentlich günstiger ein im Wesentlichen unverändertes Motorrad.
Es klingt fast nach den Worten eines Armeeführers: Da wird von Preiskampf geredet und von Rabattschlachten, Marktanteile sollen erobert oder die Marktführerschaft verteidigt werden. Ein Sperrfeuer von Worthülsen, erschaffen in den Planspielen der Marketing-Abteilungen. Strategisch durchgeplante Verkaufs-Manöver sind auch der Motorrad-Industrie nicht fremd. Mit durchaus friedlichen Zielen, dem Gewinnen neuer und Halten alter Kunden. Der Kampf um jeden Einzelnen von ihnen ist härter geworden, der Markt der Motorrad-Neuverkäufe sinkt.
Daher sind die Lager vieler Importeure und Händler noch prall gefüllt. Vorfinanzierte Überbestände, für welche die Banken beständig Zinsen fordern. Kein Wunder, wenn »ältere Neuware« in einem gewaltigen Befreiungsschlag nun als echter oder vermeintlicher Preiskracher verschleudert wird. Beispiel gefällig? Yamaha bietet seinen »Straßenkrieger« Road Star Warrior XV 1700 in einer fast beispiellosen Preisoffensive 5500 Euro unter Listenpreis an. Ganz offiziell als eines der vielen »Joker Bikes«, günstige Vorjahresmo-
delle. »Jackpot-Modelle« nennt sie Kawasaki.

Einzelne Händler unterbieten sogar noch diese abgesenkten Preisempfehlungen beträchtlich. Generalstabsmäßig fahren viele Marken eine Doppelstrategie. Sie zünden für den Jahrgang 2006 ein wahres Modell-Feuerwerk. Und bezuschussen gleichzeitig die teilweise noch sehr verbreiteten Auslauf- und Vorjahresmodelle. Solche sind in der Regel nicht veraltetet, sondern ausgereift und mitunter sogar technisch mit dem »neuen« Modell identisch. Sprengkraft offenbaren sie allerdings für denjenigen, der sie vor dem Preisverfall deutlich teurer gekauft hat.
Die Tabelle auf den folgenden Seiten listet rund 70 Schnäppchen-Motorräder auf, keine Roller und 125er. »Zirka-Preise« (stets auf 100 gerundet) geben ein mittleres Niveau bei offiziellen Vertragshändlern wieder; sie beruhen auf Händler-Befragungen und Internet-Recherche (Quelle: www.mobile.de). Aus diesen aktuellen Angeboten hat MOTORRAD ein Dutzend Maschinen als echte »Hammerdeals« herausgezogen. Keine Überraschung: Besonders stark geraten die alle zwei Jahre vom nicht immer bloß besseren Nachfolger abgelösten Supersportler preislich unter Druck.
So ist die offiziell 11995 Euro kostende Yamaha R1 des Jahres 2005 keinen Deut schlechter als die aktuelle Version. Ein echter Tipp! Die Suche nach dem Preis-Hammer kann aber auch in ein Minenfeld führen. Bei manchen der auf Seite 60/61 vorgestellten
Typen sollte trotz Super-Sonderpreis Vorsicht walten. Vermutlich nämlich werden sich diese vermeintlichen Schnäppchen zukünftig nur mit großen Verlusten wieder losschlagen lassen.

Generell sollte man potenziellen Wertverlust bei einem Wiederverkauf mit einrechnen; schon manches »Angebot« entpuppte sich nach kurzem Besitz bestenfalls noch als billiger Jakob. Vor Modellen, die wie Blei im Handel stehen, weil sie zu teuer sind oder wenig populär, ist kaum ein Hersteller gefeit. Die Händlerschaft muss es dann ausbaden, bleibt auf vorfinanzierten Bikes sitzen, die sie letzlich nur billig raushauen kann. Als Faustregel gilt, dass ein Jahr Standzeit beim Händler mindestens 500 bis 1000 Euro Preisnachlass bringt. Ein guter Deal?
»Grundsätzlich verschlechtert sich der Zustand eines Fahrzeugs durch Zeitablauf aufgrund von Materialermüdung, Oxidation und anderen physikalischen Veränderungen«, urteilt der Bundesgerichtshof (BGH). Und das Landgericht Berlin hat 2004 in einem Urteil Motorräder und Pkw dabei ausdrücklich gleichgestellt. Wer ein Neufahrzeug kauft, entscheidet sich nicht nur gegen ein
Gebrauchtfahrzeug, sondern hat nach gängiger Rechtsprechung darüber hinaus Anspruch auf ein »fabrikneues« Fahrzeug.
Um ein solches handelt es sich nach einem BGH-Urteil nur dann, »wenn dieses Modell weiterhin unverändert gebaut wird, es keine durch längere Standzeit bedingten Mängel aufweist und zwischen Herstellung des Fahrzeugs und Abschluss des Kauf-
vertrags nicht mehr als zwölf Monate liegen«. Trifft auch nur eines dieser drei Kriterien bei einem Motorrad nicht zu, muss der Händler von sich aus darauf hinweisen. Etwa auf lange Standzeit.
Andernfalls können Gerichte dies als Sachmangel werten und der Kunde vom Kaufvertrag zurücktreten.
Dass die Suzuki SV 1000 und SV 1000 S, sie stammen samt und sonders aus 2003 und 2004, nicht mehr taufrisch sind, sollte bekannt sein. Doch sie sind immer noch empfehlenswert. Und preislich deutlich in der Defensive, bei vollen zwei Jahren Werksgarantie. Ein ausgewachsenes Big Bike mit 120 PS zum Preis
einer Mittelklasse-Maschine. Allerdings wollen auch Folge- sprich Unterhaltskosten berücksichtigt sein. Und genau da brillieren die günstigen Klassen mit 78 oder 98 PS. Dank preisgünstiger Ver-
sicherungstarife und Reifen. Und mit flotter Fortbewegung dort, wo’s darauf ankommt, auf kurvenreicher Strecke nämlich. Dafür sorgen feines Handling und ideale Landstraßenleistung.
Diverse Preisbrecher schießen von Haus aus quer: Honda CBF 600 und nun auch 1000, Kawasaki ER-6n und ER-6f und nicht zu vergessen die Trendsetter Suzuki Bandit 650 und 1200. Löblich: 1000 Euro Zuschuss für Führerscheinneulinge, wenn sie sich eine Honda FMX 650, eine beliebige Yamaha oder BMW zulegen. Ob es damit für eine K 1200 GT reicht? Allmählich dringt die Kunde vom kostenbewussten Kunden bis in die letzte Zweirad-Kommandozentrale. »10000 Euro plus« sind viel Geld, Faszination hin, Technik her. Und während der Kalte Krieg in der Politik längst überwunden ist, ist er draußen an der Verkaufsfront im vollem Gang.

Dort muss der Händler vor Ort Attacken aus dem Internet abwehren. Die Kunden haben informationstechnisch aufgerüstet, machen sich schlau, ob und wo die Traummaschine ein paar Euro günstiger zu haben ist. So kann der kleine, gerade noch wirtschaftlich arbeitende Händler kaum jemals ein Motorrad zum Listenpreis losschlagen. Stattdessen muss er mit Motorrad-Mega-Stores konkurrieren, die mal eben zig Exemplare eines Typs zu viel günstigeren Konditionen eingekauft haben.
Dabei ist es ein unschätzbarer Vorteil, die Werkstatt vor Ort zu haben. Als Ansprechpartner, Dreh- und Angelpunkt beim Service. Wer den heimischen Händler verschmäht, weil der seinen Preis nicht beliebig unterbieten lässt, muss sich nicht wundern, wenn dieser bei der Terminvergabe seine eigenen Kunden bevorzugt. Und wer fette Rabatte aushandeln will, sollte zuvor den Info-Kasten auf Seite 60/61 lesen. Das verhilft vielleicht zu einem Win-win-Geschäft.
Zunächst einmal stehen nämlich für die Kunden die Zeichen zu Saisonbeginn voll auf Sturm. Gerade wenn Marke und Modell nicht ganz so wichtig sind, sondern allein der Preis die Kaufentscheidung diktiert. Vom Importeur bezuschusste Tageszulassungen und günstige Finanzierungen rücken mitunter selbst teure Traumtypen in realistische Reichweite niedriger Monatsraten. Echte Rabattpreise dagegen wollen in aller Regel bar bezahlt werden. Das kostet. Entweder die Ersparnisse oder Zinsen bei der Bank. Hier kann der Artikel zu Zweirad-Finanzierungen in MOTORRAD 6/2006 weiterhelfen.
Man kann sich mit einem vermeintlichen Schnapper auch zu Tode sparen. Wer sich einen Tag Urlaub nimmt, einen Transporter mietet und dann quer durch die halbe Republik düst, um 300 Euro zu sparen, zahlt am Ende womöglich drauf. Weil die Offerte aus dem Internet vielleicht doch nicht die abgebildete Farbe hatte. Oder das versprochene Modelljahr. Oder weil es sich um ein grau importiertes Motorrad handelt, für das keine offizielle Werks-, sondern nur eine lästige »Werkstattgarantie« gewährt wird. Dann heißt es bei
jeder Inspektion oder Reparatur, erneut dorthin fahren zu müssen.
Letztlich helfen Überkapazitäten weder Hersteller noch Handel oder Käufern. Ansonsten ließen Händlersterben und verfallende Gebrauchtpreise wie bei Nenas 99 Luftballons am Ende lediglich eines: keinen Platz für Sieger. Wer auf den Reiz des Neuen verzichten kann, ist nicht selten mit einem anderen günstigen Angebot besser bedient, einer guten Gebrauchten. Gern mit Garantie beim Händler erworben. Spätestens das sollte dann ein Schnäppchen sein, bei dem es wirklich nur Gewinner gibt.
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Aprilia RSV 1000 R

Aprilia RSV 1000 R
Modell 2005 l 998 cm3 l 102 kW
(139 PS) l 285 km/h l 217 kg
Was bekommt man sonst noch für gut 9500 Euro? Wer ein bisschen Sport im Blut hat und sich diese Frage stellt, müsste umgehend zum Aprilia-Händler gehen und im Gebinde ordern. Die RSV 1000 R,
Jahrgang 2005, ist eine Vorzeigeathletin erster Kategorie. Wer auf die Öhlins-Gabel und nominell vier Mehr-PS pfeift, erhält alles, was auf der Rennstrecke schnell und aufregend ist.

Honda Fireblade

Honda Fireblade
Modell 2005 l 998 cm3 l 126 kW (171 PS) l 287 km/h l 208 kg
Okay, der 2006er-Jahrgang der Fireblade hat motor- und fahrwerksseitig noch einmal an Spritzigkeit gewonnen. Trotzdem: Es wird kaum jemanden geben, der die Vorgängerin an ihre Grenzen treibt. So gesehen ist eine Sportlerin ihres Formats für unter 11000 Euro immer eine Empfehlung wert. Vor allem, wenn sie neben der reinen Race-Performance so viel Talent für den schnöden Alltag mitbringt wie die Fireblade. Und dabei gleichzeitig so viel Faszination ausstrahlt.

Ducati Monster 1000

Ducati Monster 1000
Modell 2005 l 992 cm3, 69 kW (84 PS) l 220 km/h l 215 kg
Allmählich entpuppt sich die Einführung der S2R als Ersatz für die gesamte Monster-Baureihe. Denn nach der 800er hat es nun auch die 1000er erwischt. Doch wer auf Einarmschwinge und einseitig hochgelegte Schalldämpfer verzichten kann, findet in dem alten Modell ein tolles Motorrad vor. Der luftgekühlte, zweiventilige
90-Grad-V2 mit Doppelzündung ist ein fast idealer Landstraßenmotor
und steckt in einem handlichen Chassis. Allerdings ist die Sitzposition gestreckt, und die Gabel spricht schlecht an.

Honda VFR-ABS

Honda VFR-ABS
Modell 2005 l 782 cm3 l 80 kW (109 PS) l 244 km/h l 252 kg
Perfektes Zusammenspiel feiner Komponenten kennzeichnet die VFR. Auf Fahrwerk und ABS-Kombibremse kann man sich blind verlassen, die Sitzposition passt Fahrern jeglicher Statur. Dazu der geniale V4-Motor, der bis 6800 Touren als Zwei- und darüber als Vierventiler arbeitet. Doch trotz dieses Kniffs zieht eine Kawa-
saki ER-6f zügiger durch. Erst mit etwas Schaltarbeit begeistert die VFR voll. Das 2005er-Modell ist dem kaum modellgepflegten 2006er absolut ebenbürtig, nur viel günstiger zu haben.

Kawasaki ZX-10R

Kawasaki ZX-10R
Modell 2005 l 998 cm3 l 128 kW (175 PS) l 295 km/h l 196 kg
Willkommen in der Welt der freien Radikalen. Es gibt bis heute nichts schärferes als
die 2005er-ZX-10R. Leicht, kompakt, bitterböse – wer sich jeden Tag neu beweisen will,
ist hier richtig. Ein Gerät für Könner, während die Nachfolgerin und die Konkurrenz
deutlich verbindlicher zu Werke gehen. Für 11604 Euro ein echter Bringer – wobei dieses Angebot von manchen Händlern noch mal um rund 900 Euro unterboten wird.

Moto Guzzi Stone/Touring und Titanium

Moto Guzzi Stone/
Touring und Titanium
Modelle 2005 l 1064 cm3 l 55 kW
(75 PS) l 200 km/h l 270 kg
»Für das, was sie bietet, ist die Titanium zu teuer«, befand MOTORRAD in Ausgabe 4/2004. Nun ist sie Geschichte – und kostet rund 9000 statt 12300 Euro. Die Stone, technisch nahezu identisch, gibt’s gar ab zirka 7300. Der V2 ist klang- wie charaktervoll, doch lange Übersetzung und Drehmomentdelle erfordern Feingefühl, Fahrwerksschwächen und mäßig bequeme Sitzhaltung Nachsicht.

Suzuki SV 650

Suzuki SV 650
Modell 2005 l 645 cm3
l 53 kW (72 PS)
l 200 km/h l 187 kg
Was für ein Motor! Der 90-Grad-V2 ist ein Prachtkerl. Seine temperamentvolle Leistungsentfaltung setzt Maßstäbe und Fahrspaß ist
auf der 187 Kilogramm leichten SV garantiert. Um so besser, dass man das technisch identische 2005er-Modell sehr günstig kriegen kann und selbst die 2006er-SV offiziell im Preis gesenkt wurde. Etwa weil sie kein ABS hat? Das gesparte Geld sollte
man in progressive Gabelfedern investieren.

Suzuki SV 1000 S

Suzuki SV 1000 S
Modelle 2003, 2004 l 996 cm3
l 88 kW (120 PS) l 250 km/h l 215 kg
Wenn Motorräder weinen könnten, müsste die sich seit 2004 die Räder platt stehende SV bitterlich schluchzen. Wer sich ein Herz fasst und sie für wenig Geld erlöst, bekommt einen famosen V2-Motor zur Belohnung. Trotzdem erreichten die 1000er-Modelle nie den Erfolg ihrer 650er-Schwestern. Daher holte Suzuki die modellgepflegte 2005er-Version mit schwarz lackiertem Aluminium-Brückenrahmen und satten 120 PS nicht offiziell ins Land. Schade das.

Suzuki Bandit 1200 S

Suzuki Bandit 1200 S
Modell 2005 l 1157 cm3 l 72 kW (98 PS) l 225 km/h l 239 kg
Die große Bandit ist ein Klassiker – und wird es auch noch lange bleiben. Womit ein späterer Wiederverkauf sicher kein Problem sein dürfte. Die Frage Vorjahresmodell mit Tageszulassung oder aktuelle Version reduziert sich vor allem auf ein Argument: ABS. Das hat die alte nicht. Wer’s nicht braucht, fährt mit der 2005er nicht schlechter. Und 1200 Kubik für rund 7000 Euro: Wo gibt es das sonst?

Yamaha YZF-R6

Yamaha YZF-R6
Modell 2005 l 599 cm3 l 88 kW
(120 PS) l 265 km/h l 183 kg
Eben noch Racer, jetzt vom 2006er-Modell zur Alltags-Sportlerin degradiert. Doch neben dem »Joker-Preis«, den einige Händler nochmals deutlich unterbieten, spricht genau das für die 2005er. Sie ist nicht nur auf dem Weg zur Arbeit die bessere R6,
sondern auch auf der Hausstrecke. Für 500 Euro Aufpreis ist sie mit Rossi-
Design und Termignoni-Schalldämpfer geschmückt.

Yamaha XT 660 R

Yamaha XT 660 R
Modelle 2004, 2005, 2006 l 659 cm³
l 35 kW (48 PS) l 160 km/h l 186 kg
Die Tugenden des Einzylinders sind schnell aufgezählt: anspruchslos, sparsam, bedingt geländegängig. Mit dem Kauf einer XT kann
man eigentlich nichts verkehrt machen. Wer bis 30. Mai ein 2006er-Modell ordert, zahlt 5695 Euro. Ein 2005er-Jackpot-Modell kostet 5495, eine 2004er-XT sogar nur 4995. Aus technischer Sicht hat sich über die Jahre nichts geändert.

Yamaha YZF-R1

Yamaha YZF-R1
Modell 2005 l 998 cm3 l 126 kW (172 PS) l 285 km/h l 195 kg
Die Dritte im Bunde. Denn neben Fireblade und ZX-10R ist auch die 2005er-R1 günstig zu haben. Zum offiziellen Yamaha-Joker-Preis von 11995 Euro – oder bei manchem Händler nochmals runde 1000 Euro günstiger. Angesichts der marginalen Unterschiede zum 2006er-Modell ein Top-Angebot.

Yamaha XV 1700 Road Star Warrior

Yamaha XV 1700 Road Star Warrior
Modell 2005 l 1670 cm³ l 63 kW (86 PS) l 185 km/h l 296 kg Absoluter Geheimtipp für Fans des langen Radstands. Die Warrior zelebriert wie kaum ein anderes Bike das »Erlebnis Verbrennungsmotor« und hat ein überaus eigenständiges Design. Inklusive Kanonenrohr-Auspuff! Das Muscle-Bike glänzt mit Cruiser-unüblichem, sportlichem Fahrwerk sowie guten Bremsen. Und malt beim Beschleunigen schwarze Striche von München bis zur Ostsee. Der kräftige V2 treibt in überarbeiteter Version die MT-01 an.

BMW R 1200 CL

BMW R 1200 CL
Modell 2005 l 1170 cm3 l 45 kW (61 PS) l 165 km/h l 324 kg
Es gibt gute und schöne Motorräder, leichte und rasante. Und es gibt die CL. Für BMW inzwischen zwar Geschichte, dümpelt im Netz noch das ein oder andere voll ausgestattete Exemplar. Rund 16800 statt einst 15562 Euro zahlen und trotzdem um die 2000 Steine sparen. Das ist bayerisch – und heißt: Es muss alles raus.
CD-Player, Sitzheizung, Heizgriffe, Integral-ABS, Chrom-Paket – was geht! Zubehör für gut 3200 Euro. Am zähen Charakter der CL ändert das allerdings nichts.

Benelli Tornado 900 Tre

Benelli Tornado 900 Tre
Modelle 2004, 2005 l 898 cm3 l 100 kW
(136 PS) l 260 km/h l 207 kg
Fast 5100 Euro gespart! Wer auf Exoten steht und sich jetzt freudig die Hände reibt, sollte noch
einmal in sich gehen. Denn zum einen ist der eigenwillige Dreizylinder von einer perfekten Abstimmung weit entfernt, 1130er-Tornado mit dem TnT-Dreizylinder schon in den Startlöchern. Mit einem Motor, der ein vielfach höheres Spaßpotenzial bietet. Da hilft auch das ordentliche Fahrwerk nicht weiter.

Kawasaki ZZR 600

Kawasaki ZZR 600
Modelle 2004, 2005 l 599 cm3 l 72 kW (98 PS) l 240 km/h l 221 kg
Was 1990 up to date war, kann im sportlichen Bereich 2006 nicht mehr in der ersten Liga spielen. Das ist klar. Doch auch sonst ist die ZZR im Gegensatz zu den moderneren Auslaufmodellen à la Yamaha R6 nach über 15 Jahren ohne große technische Änderungen meilenweit vom aktuellen Stand der Technik entfernt. Und das kann selbst ein Preisnachlass von 1500 Euro auf den letzten Listenpreis kaum kompensieren.

Kawasaki ZZR 1200

Kawasaki ZZR 1200
Modelle 2003, 2004, 2005 l 1165 cm3
l 112 kW (152 PS) l 275 km/h l 271 kg
Gesparte 2200 Euro relativieren sich, wenn der Listenpreis ohnehin schon lange nicht mehr akzeptabel war. Bei der ZZR 1200 ist das der Fall. Dieses Motorrad ist trotz eines zwischenzeitlichen Facelifts deutlich in die Jahre gekommen. Kawasaki bietet sogar im eigenen Haus mit der ZX-12R und erst recht mit der neuen ZZR 1400 Konstruktionen, die ganz klar überlegen sind.

MV Agusta F4 Brutale 750 S

MV Agusta F4 Brutale 750 S
Modell 2005 l 749 cm3 l 93 kW (127 PS)
l 251 km/h l 194 kg
Nein, das reicht nicht. Es reicht nicht, die kleine Brutale rund 2700 Euro billiger zu kriegen, um ein gutes Angebot zu bekommen. Jedenfalls dann nicht, wenn die große Schwester für 3000 Euro Aufpreis erheblich mehr Fahrspaß bietet. Das liegt nicht nur am Hubraumvorteil, sondern auch daran, dass dieses Dreiviertelliter-Aggregat noch nie ein großer Wurf war. Hoher Verbrauch, ruppiges Ansprechverhalten, durchzugsschwache Charakteristik. Das ist in einem Sportler tolerierbar. In einem Naked Bike nicht.

Suzuki GSX 750 F

Suzuki GSX 750 F
Modell 2005 l 750 cm3 l 68 kW
(92 PS) l 220 km/h l 233 kg
Seit 1989 gibt es die Urform
der GSX 750. Und auch die 1999 modellgepflegte Version ist mittlerweile recht angejahrt. Immerhin, der feinverripte, luft-/ölgekühlte Vierzylinder ist zwar kein Brenner, doch standfest und der Urahn aller Banditen. Die GSX sattelt deutlich über 200 Kilogramm und ist selbst ein rechtes Moppelchen: 233 Kilogramm – mehr wiegen sogar moderne 1000er-Sporttourer nicht. Vielleicht doch lieber eine Gebrauchte?

Triumph Daytona 650

Triumph Daytona 650
Modell 2005 l 646 cm3 l 84 kW (114 PS) l 250 km/h l 202 kg
Die vierzylindrige Daytona 650 war ein Schritt in die richtige Richtung: Hubraum und Midrange-Power rauf, raus aus dem Korsett des Supersport-Reglements. Doch erst ihre Nachfolgerin, die triumphale Daytona 675,
geht diesen Weg konsequent zu Ende. Mit markentypischem Triple gewann sie den Vergleichstest in MOTORRAD 6/2006. Gemessen an deren
10390 Euro ist die 650er schlicht zu teuer.

Yamaha XVS 650 A Dragstar Classic

Yamaha XVS 650 A Dragstar Classic
Modell 2005 l 649 cm3 l 29 kW (40 PS) l 140 km/h l 242 kg Angesichts von gut 3000 Euro, die gebrauchte neun Jahre alte Drag Stars kosten sollen, erscheinen 6500 für eine neue 2005er moderat. Doch das Urgestirn an
Yamahas Cruiser-Himmel hat
seinen Zenit überschritten. Selbst für Cruisermaßstäbe sind
die Bremsen mäßig, die Leistungsentfaltung
mau und das Einlenkverhalten träge. Nett: adrette Starrrahmenoptik und pflegeleichter Kardan.

Der Preispoker - Praxistipp

Unter Motorradkäufern herrschen oft wirre Vorstellungen über
die Rabatt-Möglichkeiten der Händler. Ein paar Fakten: Bei Neu-
maschinen beträgt die Marge, also die Differenz zwischen Einkaufs- und Listen-Verkaufspreis, im Idealfall (!) 14 bis 18 Prozent – meist
eher 14 oder noch weniger. Das ist nicht der Gewinn, denn vom ein-gespielten Geld muss der Händler seinen Laden, die Mitarbeiter, alle
sonstigen Betriebskosten und natürlich Steuern zahlen.
Traum-Rabatte von 20 oder mehr Prozent sind also nur dann drin, wenn der Händler von seinem Lieferanten, zum Beispiel dem Importeur, Abverkaufshilfen für Standuhren bekommt – oder einfach gnadenlos draufzahlt. Schnäppchenjäger sollten sich dann allerdings nicht wundern, wenn der so superbillige Händler nächstes Jahr nicht mehr existiert und sie für Garantiearbeiten oder Inspektionen weiter fahren müssen und dort nicht unbedingt mit offenen Türen empfangen werden. Wer das Gespräch schon mit der Frage nach Rabatt eröffnet, stellt sich eher ungeschickt an, denn kein Händler möchte sich als
reiner Rabatt-Automat verstanden wissen.
Die Frage nach dem »Hauspreis« oder einem »Gesamtpaket« ist da
viel eleganter und freundlicher. Von den Maschinen, die der Händler
auf dem Hof hat, trennt er sich verständlicherweise (Zwischenfinanzierungs-Zinsen!) viel lieber und zu besseren Konditionen als von
solchen, die er erst noch bestellen muss. Wer bei der Farbe seines Lieblingsmotorrads flexibel ist, hat daher bessere Chancen, einen guten Preis zu erzielen. Ob man bar bezahlt oder finanziert, ist dem Händler prinzipiell egal, denn bei einer gewöhnlichen Finanzierung hat er sein Geld einen Tag später von der finanzierenden Bank.
Bei einigen Superzins-Angeboten beteiligen Hersteller oder Importeure aber ihre Händler an der Verkaufshilfe. Und dann beträgt die Marge nun mal nicht 14 Prozent, sondern deutlich weniger.
Wer da bar bezahlt, hat mehr Verhandlungsspielraum. Bevor man seinen Händler beim Feilschen um den letzten Euro Nachlass bis aufs Blut quält, sollte man es mit Naturalien probieren: ein neuer Helm als Zugabe, die erste Inspektion für lau, die Lederkombi zum Händler-Einkaufspreis. Bei Zubehör, Bekleidung und Dienstleistungen haben die Motorradhändler deutlich mehr Spielraum als
beim Neumaschinen-Geschäft.
Merke: Zu guten Geschäften gehören immer zwei Zufriedene. Ein guter Draht zum Händler kann Gold wert sein, wenn’s später mal
um Kulanzanträge, Unfallreparaturen oder auch nur um die Terminvergabe in der Hauptsaison geht. Selbst bei berechtigten Garantieansprüchen einer anderswo gekauften Maschine. kh

Günstig und gut?

Der Preis ist heiß. Aber Vorsicht, vielleicht soll er nur über Veralterung oder fahrdynamische Mängel hinwegtrösten. Oder über die Tatsache, dass der kaum teurere Nachfolger das viel bessere Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Dann kann selbst das Schnäppchen beim Wiederverkauf teuer kommen. Warum also Oldies à la ZZ-R 600, GSX 750 F oder Drag Star 650 nicht gebraucht kaufen?

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